21.8.03
nähe Ali Abad - ca. Langarud
zuerst führt die strasse über 12.km 400 m runter. dort überqueren wir eine ebene am rand eines salzsees. die strasse bleibt von da an für den rest des tages unspektakulär, dafür mit starkem wind von der seite-vorn. aufgelockert wird der tag durch den besuch der stadt qom. qom sei die konservativste stadt im iran, nach wie vor ein theologisches zentrum, hier studierte auch ayatolah chomeini. ausser viel bussen mit pilgern und geistlichen merken wir nicht viel davon. wir essen je zwei sandwich und halten langen und guten mittagsschlaf im park. als übernachtungsplatz wählen wir ein rebenfeld nah der strasse, die feldarbeiter bringen uns feine trauben zum apero. s. wir haben heute übrigens den 7000. km verpasst!

22.8.03
ca. Langarud - Kashan
wir stehen vor der sonne auf, um dem wind zuvorzukommen. leider mit mässigem erfolg, heute bläst er rund zwei stunden von vorne. bei wenig verkehr geniessen wir die landschaft, rechts eine bergkette ähnlich der schrattenfluh, nur über 60 km lang, unterbrochen mit sandsteinhügeln, links die bewirtschaftete ebene mit der beginnenden wüste (Dasht-e-Kavir) am horizont. die strasse ist wellenförmig. nach dem mittag treffen wir in der ersten wüstenstadt, kashan, ein. es ist freitag, das heisst hier sonntag, und zum ersten mal seit wir uns in islamischen ländern aufhalten, sind fast alle geschäfte geschlossen. da es in der stadt nur 3 hotels gibt und wir nach 3 tagen reif für den vollservis sind, fällt die wahl auf eine mittelklass unterkunft. noch immer staunen wir, wie unterschiedlich die preise für die gleiche leistung in diesem land sind. heute wurde uns zum ersten mal in einem lokal whiskey angeboten. im hotel wiederholt sich das alkoholangebot, nur wodka. seit 22 tagen leben wir abstinent. in teheran trank ich oft ein erfrischendes malzbier mit limone, das ich aber seither nicht mehr gesehen habe. seit wir wieder unterwegs sind träumen wir am abend von einem kühlen bier zum apéro. also fragt urs kurzerhand, ob wir bier haben könnten. leider ohne erfolg. wir knabbern mit wasser und "nika kola" unsere chips.

23.8.03
Kashan - vor Natanz
zwar ohne frühstück, dafür vor sieben, verlassen wir das hotel. ein cay bei einem eisverkäufer mit ein paar biscuits muss reichen. stetig steigend fahren wir durch die wüste, die mal eben und mal hügelig wie eine kiesgrube aussieht. so nähern wir uns den bergen die bis 3896 m hoch und für unser auge schön felsig aussehen. nach 60 km lassen wir unsere velos in der verzweigung nach abyaneh bei der polizeistation stehen und fahren mit dem privattaxi die 22 km und 800 höhenmeter nach abyaneh. dies ist ein altes dorf, die ältesten häuser stammen aus der zeit von 1200-1500. gebaut sind die häuser aus erdziegel und mit einem lehm-fasergemisch verputzt. mir hat die moschee mit dem innenhof am besten gefallen. um ein wasserbecken wachsen die mächtigsten rebstöcke die ich je gesehen habe. unten ein stamm mit 20 cm durchmesser, in einer höhe von über zehn meter bilden sie ein riesiges blätterdach, das dem ganzen innenhof schatten gibt. im einzigen hotel des ortes nehmen wir unser mittagessen ein. dort treffen wir einen japanischen fotografen mit reiseleiter, wir können mit ihnen wieder zurück zum velo fahren. wir verabschieden uns, füllen frisches kaltes wasser von der polizei auf und fahren noch eine stunde auf einen pass von 1800 müm. dort finden wir an einem strässchen richtung sendemasten ein wunderbares plätzchen in der bergwelt mit angenehmen 32 grad und frischer guter luft. wir geniessen den abend und denken an fränzi und hannes, da wir heute fern von jedem telefon sind probieren wir halt telepatisch unsere glückwünsche und küsse zu übermitteln.

24.8.03
vor Natanz - nach Morcheh Khort
wir verbrachten die ruhigste nacht seit wochen unter dem sternenhimmel. eine kurze abfahrt führt in den von bergen umgebenen ort natanz, wo wir unsere wasser- und lebensmittelvorräte auffüllen. noch vor dem mittag , nach ca. 40 km, erreichen wir den gleichnamigen pass von 2104 müm. es folgt eine schnurgerade leicht bergab durch ein wüstental. urs gibt ihm was das zeug hält. bei zunehmendem gegenwind wird es für mich bald anstrengender als beim aufstieg. es wird täglich schwieriger einen schattenplatz für die siesta zu finden. wir behelfen uns mit der zeltunterlage. ie schöne berglandschaft und der geringe verkehr auf der guten hauptstrasse macht den tag zu einem erfreulichen velotag. 5 km vor esfahan suchen wir einen schlafplatz. zwischen zwei kulturen werden wir fündig. in einem einzimmerhaus wohnt ein junger iraner aus bam. bei kühlem wasser und natürlich cay erfahren wir von ihm wichtiges über mögiche strassenvarianten vor bam. wir schlagen unser zelt beim wachhund auf. ich würde ihn gerne streicheln, aber hunde gelten im islam als schmutzige tiere und so sieht er leider auch aus. wir gehen wie immer nach dem waschritual nach sonnenuntergan früh ins bett.

25.8.03
nach Morcheh Khort - Esfahan
wie in den letzten tagen stehen wir um sechs auf. es ist gerade der beginn der dämmerung und richtig kalt (23 grad). in einer guten stunde haben wir gefrühstückt und sind abfahrbereit, die sonne ist inzwischen aufgegangen. auf die vierzig kilometer geht es noch zweihundert meter runter, nach anderthalb stunden sind wir unter der smogglocke. esfahan hat viel erdölindustrie und etsprechend schwerverkehr. es dauert aber, bis wir durch industrie und der 1,2 mio einwohner stadt unser hotel, das amir kabir hotel, mit der stets angebotenen hilfe gefunden haben. das hotel ist gut, günstig und scheinbar alle europäischen touristen treffen sich hier. so zu unserer freude auch thomi und mareike. wir besuchen den touristisch wichtigsten platz, naghsh e jahan oder meydan e imam mit den beiden grossartigen moscheen emam und sheikh lotfollah. denise besorgt einen stadtplan und die informationen für die visaverlängerung, wir sind ja am freitag schon 30 tage im iran. abends gehen wir schon fast rituell mit thomi und mareike pizza essen und anschliessend unter der si o se pol brücke eine wasserpfeiffe rauchen.

26.8.03
Esfahan
schon etwas angespannt erwache ich. heute ist für uns ein entscheidender tag, wollen wir doch unser iranvisa um 30 tage verlängern. wir wissen von diversen reisenden, das auch hier die praxis sehr unterschiedlich ist. ich hole gegenüber des hotels ofenfrische frühstücksfladen, die besten im land, und wir frühstücken im ruhigen innenhof des hotels. nach kurzer bekanntschaft mit zwei schweizer studentinnen, die ferien im iran machen, fahren wir mit bus und shutteltaxi zur fremdenpolizei. die schlimmste vorahnung trifft ein. für eine verlängerung von einem monat werden blut- inkl. hiv- test und ein thoraxröntgen verlangt. ohne untersuchung gibt es 10 tage. mir schlägt vor entrüstung das herz im hals und mein ton ändert sich. urs beruhigt mich und gemeinsam versuchen wir zu übezeugen. argumente wie: wir sind verheiratet, also geringe hiv-exposition, beruf, jährliche, berufsbedingte kontrollen im spital und die kopie unseres impfausweises mit erklätungen zu hepatitis und bcg zeigen ihre wirkung. nach der abgabe einer kopie des visas, des passes, des impfausweises inkl. eine passfoto und 102'500 rial (ca. 20 sfr.) pro person, warten wir eine stunde, bis wir unseren pass mit einem monat verlängerung wieder in der hand halten. freude herrscht! jetzt können wir die weieren 1500 km im iran in ruhe radeln und haben genügend zeit um die schönsten orte zu besichtigen. m abend treffen wir uns mit jonatan aus yverdon, ebenfalls einem student, dem wir schon in abyane begegnet sind.. wir lassen uns von iranern zu einem restaurant fahren, nachdem wir vergeblich suchten. anstelle von englisch, der umgangssprache seit wir im iran sind, kann ich wieder einmal französisch sprechen. es wird wie immer in den städten sehr spät. aktuelle anmerkung zum gesundheitstest: bei einem schweizer in unserer situation wurden blut und urintests gemacht, kein röntgen. zeitaufwand 2-3 tage, kürzere wartezeiten bei frühem erscheinen am morgen.

Esfahan Sheik Lotfallah Esfahan Si-o-Se-Pol




27.8.03
Esfahan
zu früh läutet die uhr, aufstehen, thomi und mareike wecken, duschen und frühstück für uns vier einkaufen. dafür können wir zusammen gemütlich zmörgele und uns wohl definitiv von den beiden verabschieden. sie wählen die 500 km kürzere route über yazd. wir wünschen ihnen viele erfreuliche reisetage. wir werden gespannt ihre reise unter weiterverfolgen. den rest des tages suchen wir neue hosen, da die alten vom "lange hose tragen zum velofahren im iran" durchgescheuert sind. wir wetzen dabei gehörig unsere schuhsohlen ab, sehen aber dabei das armenische quartier mit kirchen und den hasht behesht palast. der palast steht mitten in einer wundervollen blühenden parkanlage. er ist mit offenen eingangshallen und lauben gebaut. diese sind mit schönem holzwerk, malereien oder mosaik verziert. wir haben noch nie ein gebäude dieser art gesehen, es gefällt uns sehr. abends, nach einem weiteren mal fleisch mit reis, besichtigen wir zwei weitere brücken, die prächtige, 1640 erbaute pol e khadju und die schlichte pol e chubi. unter dieser mitten auf dem fluss hat es ein fantastisches 1001 nacht teehaus, wo wir eine wasserpfeiffe und tee bestellen. zum heimgehen entlang des flusses sind immer noch unzählige iranische grossfamilien am picknick, mit gaskocher, caykocher, reispfannen und kebabspiessen. es duftet überall herrlich und die leute strahlen eine zufriedene, ruhige atmosphäre aus. iran und speziell esfahan sind wirklich eine freude.

Abschied Thomi Mareike Esfahan Ali Ghapu Palace





28.8.03
Esfahan
früh aufstehen hat seine vorteile. die bäcker liegen auf ihren holzrosten und schlafen. ich muss einige meter länger laufen, bis ich nur noch zu mittelmässigen, jedoch frischen fladen komme. heute ist nur noch gemütlichkeit angesagt. ich tausche die gelesenen bücher im hotel, gegen neue aus. das ist ein super angebot, das es in richtigen "traveller" hotels gibt. wir schlendern durch unbekannte strassen und gassen und stossen auf die Hakim mosche. sie ist schlicht, mit einfachen mosaiken und mustern verziert und hat eine spezielle ausstrahlung. wir treffen keine turisten. auf dem bazar feilschen wir elfolgreich für souvenirs. in esfahan wird noch viel kunsthandwerk hergestellt. aus allen richtungen hört man das klopfen beim bearbeiten von silber und kupfer. schade, kann ich keine der riesigen, wunderschön verzierten flachen platten erstehen. ich wähle als andenken an diese stadt, eierbecher aus keramik mit dem traditionellen muster. weil wir für die weiterreise eine route über die berge vorsehen, erkundigen wir uns im touristbüro über die machbarkeit. wir erhalten kompetente auskunft und freuen uns auf die strecke. bei zwei telefongesprächen in die schweiz sind wir wiederholt überrascht, wie günstig sie sind. am abend realisieren wir, dass gar nicht freitag ist. wir warten vergeblich auf julien, den schweizer radfahrer, den wir in der türkei kennengelernt haben. aufgrund seiner ankündigung, haben wir den aufenthalt um einen tag verlängert.

29.8.03
Esfahan
wir bereiten unser kaffee wie jeden morgen im hof des hotels und essen das feine brot, als julien eintrifft, freudiges hallo. nach dem verlängerten frühstück besuchen wir einmal mehr den basar. bei der rückkehr zum hotel treffen wir völlig überraschend auf nazanins bruder. bald steht auch nazanin selbst strahlend vor uns. sie sind mit ihrer grosstante aus amerika kurz in esfahan als touristen zu besuch wie wir. wir nehmen zusammen ein kaffee und verabschieden uns ein weiteres mal. am nachmittag schlendere ich mit julien entlang dem fluss den brücken nach, es ist schön so zeit zu haben und nichts zu müssen und das mit guten leuten. nach einem besuch meines lieblings teehauses unter der pol e chubi sind wir rechtzeitig auf sonnenuntergang um zwanzig nach sieben bei der pol e khadju, ein wirklich schöner anblick. über das telefonamt zum prächtigen luxus hotel abbasi wo wir mit denise verabredet sind, wird es knapp. das hotel ist sehenswert, im weiten garten essen wir eine iranische spezialität, die für uns einen ungewohnten aber sehr guten geschmack hat. ein cay und eine sehr gute probierportion auberginen in einem schönen restaurant runden den zufriedenen abend mit julien ab, es ist mitternacht und wir alle etwa gleich hundemüde.

30.8.03
Esfahan - 20 km vor Shahreza
heute vor einem monat sind wir in den iran eingereist, oder vor 5 monaten in der schweiz losgeradelt. einfach wahnsinn, was wir alles in dieser doch so kurzen zeit erlebt haben. esfahan war für mich das grosse ziel und heute verlassen wir diese stadt, die gehalten hat, was sie versprach. sie hat uns ein wenig verzaubert. den zauber nehmen wir auf die weitere reise mit. beim gemeinsamen frühstück mit julien fragen wir uns, ob es nochmals ein wiedersehen gibt. anschliessend machen wir arbeitsteilung. urs kauft ein und geht zum letzten mal ins internet, ich bringe unsere 1000 einkäufe auf die post. alle gegenstände werden zerlesen und begutachtet, gesammelte steine, mohnsamen, cd, früchtetaback für die wasserpfeife usw. der postbeamte steckt die zerlegte pfeiffe sogar zusammen und zieht genüsslich am mundstück. er ist entzückt über die wahl meines modells. anschliessen wird alles von einem weiteren beamten in ein iran-päckli verpackt. zum schluss stelle ich mit schrecken fest, dass die filme noch im hotel sind. mit allem papierkrieg dauerte es eine gute stunde, bis ich die post wieder verlasse, obwohl ich keine wartezeit habe. um halb zwölf sind wir startbereit und verlassen auf geradem weg die stadt. auf der hauptstrasse fahren wir bei starkem verkehr in richtung berge. ein unberechenbarer seitenwind mit windhosen bewegt uns nach 60 km dazu, das nachtlager bei einer gepflegten raststätte einzurichten. bei der mosche können wir uns und die kleider praktisch waschen. nach einigen neugierigen kurzbesucher sind wir ungestört.

31.8.03
20 km vor Shareza - Semiron
von wegen ungestört, erst in der dunkelheit kamen familien picknicken und der parkplatz füllte sich mit lastwagen. leider war die moschee mit wasser und wc auf der anderen seite unseres zeltes, so dass die ganze nacht, leute vor unserem zelt passierten. als höhepunkt hupte uns die polizei um halb vier aus dem zelt, weshalb ist unklar, sie grüssten bloss und gingen weiter.
tetig steigend ging es zuerst ins schöne shahreza. dort zweigten wir auf eine nebenstrasse durch die berge ab. verschiedene steigungen, zum teil fast wie am schwarzen meer, mehrere pässe, der höchste über 2600 müm und die 111 km liessen das semiron endlos entfernt erscheinen. der ort selbst ist über 200 höhenmeter an den berg gebaut. die leute sind unglaublich neugierig, offensichtlich wählen kaum je touristen diesen weg. manchmal ist dies höchst unangenehm, so als denise beim einkaufen nicht richtg retourgeld erhielt und dichtgedrängt mehrere männer die unterhaltung laut lachend kommentierten. oder sehr angenehm, als uns ein mann dilljoghurt samt alugeschirr schenkte. das zelt stellen wir ausgangs ort in einer apfelbaumplantage auf. der besitzer kommt in eile in der dämmerung mit der schaufel und rettet uns durch vertirfung des kanals vor dem gewässert werden wie die bäume. bald sitzen wir auf einer insel, rund um uns fliesst wasser.

Denise Passabfahrt Moshee Shareza