13.12.03
Bombay
wie vereinbart trifft unser fahrer puenktlich ein, nachdem er vorher von kollegen geweckt wurde. wir beladen den minibus mit unseren fahrraedern und holen anschliessend steffi und andi ab. in ca. 1 ½ std. erreichen wir ohne grosse umwege nach einer kurzweiligen fahrt das buero der schiffahrtsgesellschaft in nahva sheva. die erledigung aller formalitaeten dauert weitere zwei stunden und anschliessnd fahren wir hinter einem fahrzeug der gesellschaft zur passkontrolle und ins hafengebiet. diese unterstuetzung kostet pro person 5 $, scheint uns aber angemessen, da wir von allen buerokram befreit werden. nach 10 km erreichen wir schlussendlich (ich im vollen hypo) unser schiff ?innovator?. wir koennen die fahrraeder selber an bord bringen. der steward roberto und der kapitaen scheitzach empfangen uns freundlichst und wir beziehen unsere exklusive kabine (owners), mit grossem tagesraum, kuehlschrank und fernseher. bei einem rundgang im hafen werden wir von aufsichtsbeamten am fotografieren gehindert und erfahren, dass es absolut nichts zu sehen und kaufen gibt. auf dem schiffsdeck hat sich nur ein fliegender haendler eingefunden, der seine t-shirt und shorts an den mann bringen will. das arreal ist strengstens ueberwacht und es findet nur der kontainertransport statt. wir beobachten, wie unser schiff beladen wird. faszinierend, wie schnell und praezise die container mit den modernen krans geladen werden. unser schiff fasst bis zu 3700 kontainer. um 18.00 gibt es ein feines nachtessen, so richtig deutsch, wie ich es mir lange gewuenscht habe. morgen am fruehen nachmittag wird das schiff auslaufen.

14.12.03
Schiffahrt ab bombay
auf dem schiff schlafen wir wunderbar, das monotone motorengeraeusch beruhigt. die ganze nacht ueber wird weiterhin ge- und entladen, am morgen ist die aussicht aus zwei unserer fenster von containern verdeckt. nach dem fruehstueck setzen wir unser tischtenis training fort, in dem ?fitnessraum? hat es daneben auch einen velo hometrainer, ein rudergeraet, eine mischung aus billard und carambole und natuerlich ein 3x3 m grosser swimming pool. waehrend unserem mittagessen gehen die unmittelbaren arbeiten zum auslaufen von sich. wir wollten uns das feine essen nicht verderben lassen. als ich anschliessend nach draussen gehe, ist das schiff schon 20 meter vom ufer entfernt, wir haben nicht das geringste rucken oder schaukeln oder sonst was gespuert. das schiff wird am heck von einem lotsenschiff im hafenbecken zum wenden geschleppt, danach fahren wir mit dem eigenen motor aus dem hafengebiet, vor der hochhauskulisse von bombay, ins offene meer. nachmittags verbringen wir die zeit wie ertraeumt auf den liegestuehlen auf deck. am abend verbinden wir meinen gebrochenen und denises ring und versenken sie so zusammen im meer. unsere ehe auf probe war erfolgreich, aber nun zu ende, wir sind wieder frei! darauf stossen wir mit andi und steffi bei einem schoenen film mit maltesichem rotwein an.

15.12. - 19.12.03
Schiffahrt
die folgenden tage haben einen aehnlichen ablauf, von drei feinen mahlzeiten dominiert. urs und ich trainieren taeglich 1-2 stunden tischtennis und messen uns gelegentlich mit steffi und andi oder der phillipinischen crew. die besatzung besteht aus 4 deutschen, einem russen, einem spanier und 15 phillipinos. an einem abend werden wir zu einer geburtstagsparty eines deutschen besatzungsmitgliedes eingeladen. bei einem musikvideo wird bier getrunken und spannende geschichten von der seefahrt erzaehlt. zu unserer ueberraschung erfahren wir, dass in den gewaessern piraten sind. oft aus mehreren schiffen besteigen sie bewaffnet die frachtschiffe und rauben gueter oder private eigentuemer aus den kabinen. oft haben sie plaene der fracht und wissen ganz genau was sie holen muessen. die contschiffe sind unbewaffnet und geben die ware ohne widerstand heraus. gewisse meerengen sind bekannt fuer die piraterei und in der nacht werden alle tueren geschlossen, die lichter geloescht und wachen auf dem schiff positioniert. diese vorsichtsmassnahmen erleben wir vor der einfahrt ins rote meer. in der nacht erreichen wir die meerenge das ?bab el mandeb? oder tor der traenen. der name stammt aus der sklavenzeit, weil es die letzte sicht der sklavenauf afrika war, bevor sie ins offene meer fuhren. urs bleibt wach um die enge nach mitternacht zu sehen. ausser einem leuchtturm und einigen lichtern ist nichts los. wir beobachten taeglich auf dem back das meer und hoffen fische, delfine oder wale zu sehen. im schnitt sehen wir pro stunde ein lebewesen. die sicht auf das offene meer ist aber immer wieder ein erlebnis, stundenlang ist einfach nichts sichtbar ausser wasser und himmel. bei einem schiffrundgang besichtigen wir den grossen maschinenraum und die bruecke. die besatzung ist sehr aufgeschlossen und gibt gerne auskunft. fuer das tagebuch duerfen wir zur grossen freude einen pc benutzen. in den letzten tagen stellten wir bereits zweimal die uhr zurueck, das heisst wir koennen am morgen jeweils ausschlafen. das wetter ist taeglich voll ueberraschungen. von windstill, bedeckt, bis starkem wind mit gelegentlich wolken erleben wir alles. bei staerkerem seegang kommt es schon mal vor, dass gegenstaende langsam vom tisch rutschen, ansonsten aber keine befindlichkeitsstoerungen. die lufttemperatur bleibt weiterhin sehr mild und erlauben das eintauchen ins frische meerwasserschwimmbecken. am abend halten wir uns im aufenthaltsraum beim lesen, schach oder videofilm auf. in einer klaren nacht, als die lichter aus sicherheitsgruenden ausgeschaltet sind, erleben wir einen unbeschreiblichen sternenhimmel. die sterne sind greifbar nahe. die schifffahrt ist richtig erhohlsam und ich haette nie gedacht, dass so ein tag so ausgefuellt und befriedigend sein kann. mit der regelmaessigen, ausgewogenen kost und dem softprogramm kehren meine energien langsam zurueck.

20.12 - 24.12.03
Schiffahrt

Steffi und Andi
die hoffnung noch heute durch den suezkanal fahren zu koennen, geht im starken gegenwind unter. das riesenschiff wird im gegenwind von 22 auf 20 knoten gebremst. so treffen wir kurz vor 10 uhr in suez ein, spaetestens um 9:00 haetten wir dort sein muessen, um uns gegen ein recht hohes entgeld noch dem bereits abgefahrenen konvoi anschliessen zu duerfen. gegen mittag fahren wir noch einige hundert meter naeher zur stadt in den zugewiesenen warteraum, wo der anker runtergelassen wird. steffi feiert heute ihren geburtstag. das langnauer ?tigerkaesefondue?,

beim Fondue
das wir eigentlich fuer weihnachten an bord dabei haben, essen wir zur feier des tages. der steward backt dafuer eigens ein brot und hilft, mit einer alten biscuitschachtel und spiessen, ein rechaud zu improvisieren. am naechsten morgen stehe ich um fuenf uhr auf, um die abfahrt und vor allem die einfahrt in den kanal nicht zu verpassen. gegen sechs ist es soweit. den ganzen tag ueber fahren wir oft nur wenige meter dem ufer entlang, zwischendurch hat es aber auch wasserflaechen mit fischerboten, wie grosse seen. in einem see liegt auch ein konvoi den wir kreuzen vor anker, um uns durch zu lassen. auch wir fahren als konvoi, unser schiff ist das vorderste, alle paar hundert meter folgt ein weiteres monster. ich kann in einer kreuzung sechs schiffe hinter uns zaehlen, vielleicht sind es aber auch mehr. auf der ostseite dehnt sich meistens die sandwueste unmittelbar an den kanal aus, auf der westseite sind staedte und fruchtbares ackerland. dieser teil von aegypten ist topfeben und praktisch auf meereshoehe, angebaut wird vor allem auch reis.
Innovator Teppichboot

ueber den kanal gibt es nur eine einzige bruecke, sie ist ueber 60 meter hoch. sonst gibt es zahlreiche faehrverbindungen, die den kanal ueberqueren. die gegen unser schiff winzig scheinenden faehren mit autos und lastwagen drauf, kreuzen zwischen den grossen schiffen, was fuer mich sehr gefaehrlich aussieht. den ganzen tag ueber bin ich draussen, um nichts zu verpassen und fotografiere mit der digitalkamera die mir ein offizier geliehen hat. nur bei den zahlreichen militaerposten und kasernen muss ich die kamera verstecken. gegen vier uhr verzweigt sich der kanal und wir sind bald darauf im hafen von port said. am naechsten morgen noch in der dunkelheit sehe ich, dass sich lichtflecken bewegen, wir legen bereits um halb sechs ab. unsere reise beginnt sich spuerbar zu schliessen, wir sind wieder im mittelmeer. der himmel ist bewoelkt und weiter ostwaerts sehen wir in der ferne blitze vor dunklen wolken. vorne auf dem back deck sehen wir wenige fliegende fische. ausser drei delfinen, die ich am morgen kurz aus dem zimmerfenster erspaehte ist das wieder alles fuer heute. ich habe eigentlich erwartet viel mehr fische zu sehen, vielleichtr fehlt uns auch einfach das auge dafuer. am nachmittag putzt denise ihr velo und montiert den reservereifen, der nun fast neun monate ungebraucht mitreiten durfte. ich versuche in der zwischenzeit den rahmen noch etwas gerader zu druecken und zentriere das hinterrad so gut, dass ich die hintere bremse wieder einhaengen kann, ohne dass sie dauernd streift. die uebersetzung muss ich auch neu einstellen. der rahmen steht immer noch so schief, die kette laeuft viel schraeger, so dass einige gaenge nicht mehr gebraucht werden koennen. putzen mag ich das velo nicht mehr, es deprimiert mich aufs neue, wie es opfer eines brutalen gewaltaktes wurde. am 23. dem letzten tag auf hoher see gibt es winde von gut 40 knoten (ueber 70 km/h) und hohe wellen. so duerfen wir nicht mehr aufs deck raus und schon gar nicht in den bug gehen. ausser, dass denise vor dem essen einen etwas komischen magen beklagt, vertraegen wir das geschaukel gut. am nachmittag fuehrt uns der chefingenieur durch den motorenraum. die erklaerungen ueber die oelaufbereitung, die wasseraufbereitung, die elektrizitaetsbereitstellung und die daten des motores sind hoechst interessant und fuer mich von unvorstellbaren dimensionen. der motor hat sieben zylinder, jeder hat 80 cm durchmesser und etwas ueber 2,5 meter hubhoehe. die schraube liegt direkt auf der motorenachse und hat einen durchmesser von 12 metern. bei ueber 90 umdrehungen pro minute, dies ergibt eine geschwindigkeit von etwa 200 km/h fuer die spitze der schraube. wir nehemn abschied vom tischtennistisch mit einem doppelmatch, das letzte abendessen, zum letzten mal auf der bruecke zum letzten letzten...

24.12.03
Malta
gegen 06.00 legen wir nach 10 tagen fahrt und 3927 nm (x 1.852 km/nm = ca. 7300 km) in marsaxlokk auf manlta an. es hat dunkle wolcken ueber dem fischerort birzebbuga und schon bald faengt es nach gewitterleuchten und donner an zu regnen. ich bin voll vorfreude auf die insel und fuehle mich nach den zehn tagen schlemmern und ausruhen auf dem schiff wieder in stimmung auf die weitere velofahrt. wir warten nach dem fruehstueck auf den agenten, der die formalitaeten unserer paesse in valetta erledigt. nach dem mittagessen ist es endlich soweit. wir verabschieden uns von der crew, abschiedsfoto mit dem steward und im regenkombi wieder aufs velo aufsitzen. bei der passkontrolle aus dem hafen werden wir freundlichst begruesst. es herrscht vorweihnachtsstimmung, die auf dieser ausgepraegt katolischen insel stark spuerbar ist. bei stroemenem regen, der zeitweise die strasse ueberflutet und die schlagloecher unsichtbar macht, erreichen wir nach 15 km die hauptstadt valetta. die besiedlungen sind von wunderschoenen, alten gebauden gepraegt, die in sehr gutem zustand sind. im ort orientieren wir uns auf dem stadtplan und landen im guesthouse asti. die besitzerin erklaert uns mit englischem charm und bestimmtheit die hausgepflogenheiten. alles ist freundlich und blitzsauber. im warmen bett kuehlen wir uns auf. den weihnachtsabend verbringen wir mit stefi und andi bei einem feinen weihnachtsessen und der zweieinhalbstuendigen mitternachtsmesse in der landessprache. wir haben muehe uns wach zu halten, der eindrueckliche gesang und das wiederholte aufstehen hindern uns daran. der einzug mit dem jesuskind und die vielen tipisch katholischen rituale sind uns sehr fremd und eindruecklich. nach den letzten monaten in vielfaeltigsten religioesen kulturen sind wir wieder in europa und realisieren bereits heute, wie vielfaeltig das christentum auch gelebt werden kann.