1.1.04
Taormina - Palmi
ein neues jahr hat begonnen, unser 10. reisemonat hat begonnen und wir wollen heute zurueck aufs europaeische festland. nach einer ruhigen fahrt der kueste entlang, teils in voller sonne, teils im wolkenschatten, wollen wir um 11.30 auf die faehre. da sie, da es heute feiertag ist eigentlich ausser betrieb ist, aber doch gelegentlich nach bedarf faehrt, muessen wir uns gedulden und warten, natuerlich mit cafe trinken. um 13:00 ist es dann soweit, wir boetlen in einer viertelstunde die 4 kilometer nach Villa San Giovanni in calabrien rueber. von dort fahren wir auf der scheinbar fuer uns reservierten kuestenstrasse bergauf, bergab nordwaerts. die autobahn, auf welcher offenbar alle autos fahren, ist hoch ueber uns und wir sehen nur gelegentlich imposant haessliche, hohe bruecken. im sehr schoenen scilla entscheiden wir uns noch weiter bis palmi zu fahren. im im unerwartet langen aufstieg bis auf 570 meter ueber meer beginnt es leicht zu regnen und um vier bereits zu daemmern.
voellig unterkuehlt halten wir beim ersten nobelhotel in palmi. es wird uns erklaert, dies sei das einzige hotel der stadt. mir tun unter diesen umstaenden die 60 euro, die wir fuer diese nacht bezahlen ueberhaupt nicht weh. dass wir aber kein offenes restaurant oder pizzeria finden, obwohl wir sicher eine stunde durch den regen tappen, schon eher. die lapidare erklaerung lautet, dass sich alle italiener ueber die festtage vollgestopft haetten, was soll man denn da jetzt noch ein restaurant geoeffnet halten? schliesslich finden wir auf der piazza ein schnellimbiss, wir essen frierend im regen ein panini und anschliessend in der gelateria ein stueck linzertorte und ein cafe. so sind wir wenigsten frueh im bett.

2.1.04
Palmi - Polistena
bei sonnenschein fahren wir los. nach der kälte von gestern abend ein richtiger segen. ich bin nervös. heute geht die fahrt nach polistena, wo wir meine jugendfreunde besuchen wollen. während meines sprachaufenthaltes in florenz mit 18 jahren lernte ich studenten aus polistena kennen. zwei sommer verbrachte ich in diesem dorf, wo ich von allen verwöhnt wurde. wir fahren durch riesige olivenwälder, orangen- und mandarinenkulturen. die strasse ist neu und wir erreichen vor dem mittag den ort. niemand weiss, dass wir kommen, denn ich habe die nachnamen vergessen. in der dorfmitte finde ich sofort das haus von sergio. seine frau öffnet und gibt zu verstehen, dass sie schon viel von mir gehört hat. sie sagt mir den nachnamen des avocato, bei dessen zwei söhnen ich gewohnt habe. wir erfahren dass er noch lebt, seine frau aber im herbst gestorben ist. wir fahren zu seinem haus. nach langer wartezeit erscheint er an der tür. die 20 jahre sind nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, aber er ist doch noch der gleiche. erst als wir am ofen bei einem tee sitzen, erkennt er mich und bekommt tränen in den augen. für mich ein wunderschöner moment. dann geht es knall auf fall. über die frau von sergio werden alle freunde zusammengetrommelt. nach einer stunde sind schon sechs eingetroffen.
sie können es fast nicht glauben, dass "la svizzera" nach 20 jahren wieder einmal auf besuch ist. ich bin erstaunt, wie viele von ihnen heute im dorf leben. die meisten haben familie. sofort wird ein grosses wiedersehen fuer den abend organisiert und die fehlenden noch benachrichtigt. maurizio, ein sohn des avocato lebt heute bei ihm. wir essen am mittag seine selbstgemachten tagliatelle. urs vergisst, dass es ein "secondo" gibt, und ist nicht zu bremsen. am nachmittag lernen wir die ersten ehefrauen und kinder meiner freunde kennen. überall gibt es selbstgemachte grappas und süssigkeiten. der abend wird ein grosser erfolg. mein besuch ist ein willkommener anlass, sich wieder einmal im alten "gruppo" zu treffen. 10 personen haben sich eingefunden und bei pizza und wein gibt es viel zu erzählen. ich bin sehr erfreut, dass es urs in dieser gesellschaft auch wohl ist.

3.1.04
Polistena
morgens koennen wir ausschlafen, bevor wir mit sergio, antonio und ciccio ein geeignetes "casetta di campagna" fuer das fest, das sie spontan heute abend mit ihren familien organisieren wollen, aussuchen. jede familie hat ausser der eigentlichen wohnung noch ein, oder mehrere nur minimal eingerichtete landhaeuser in den eigenen olivenwaelder. sergio zeigt uns einen olivenbaum mit 2 meter durchmesser und weit ueber 20 meter hoehe, dies sei der groesste der region, vielleicht auch weltweit. dass die olivenbaeume aber so hoch und dicht gepflanzt sind schlaegt aber auf die qualitaet der oliven, weil kein sonnenlicht mehr auf den boden dringt, bleibt dieser zu feucht und kalt. statt diese wunderbaren baeume abzuholzen versuchen sie nun eine art naturpark zu gruenden. zu mittag sind wir bei carlo, dem zweiten sohn des avocato, und seiner familie zum essen eingeladen. einfach herrlich das italienische essen, aber der hoehepunkt ist sicher die selbstgemachte orangentorte und tira mi su zum dessert. nachmittags helfen wir das fest vorbereiten. jeder bringt wie abgemacht einige zutaten, maurizio kocht dann pasta, ein glas sugo, knoblauch, oliven, olivenoel und sardellen. die pasta werden angerichtet noch mit geroestetem paniermehl bestreut. dazu natuerlich gibt es wein und als secondo grillwuerste pikant und ertraeglich. wir sind mit allen kindern gegen 25 personen und alles funktioniert wie schon lange vorausgeplant. zum schluss spielt sergio einige der alten lieder von eugenio bennato. denise erinnert sich an ihre jugend. um 2:00 kommen wir zu bett, ein wunderschoener tag, an dem es nur geregnet hat.

4.1.04
Polistena - Pizza
mit einem vollen sack mandarinen und orangen im gepäck nehmen wir abschied vom avocato und maurizio. reich erfüllt geht die reise weiter. wir fahren zurück zur küste und besuchen nach einer wunderschönen fahrt tropea, den schönsten ort am mare tirreno in calabrien. einige touristen tummeln sich auf der piazza und geniessen die letzten sonnenstrahlen, bevor die ersten regentropfen fallen. der ort pizzo überrascht mit seinem unverfälschtem charme.
leider ist die jugendherberge in einer alten burg schon lange geschlossen.
das einzige albergo im ort hat den üblichen, hohen preis. ausserhalb des dorfes finden wir ein zimmer in einem sommerhotel und können einen annehmbaren preis aushandeln. wir haben ein zimmer mit sicht aufs meer. zur grossen freude wird sogar die heizung eingestellt.

5.1.03
Pizzo - Catanzaro
wir starten bei sonnenschein schon recht frueh. nach 10 kilometer verlassen wir die kueste und fahren vorerst auf einer unbedeutenden verbindungstrasse durch huegel mit olivenwaelder ins landesinnere. der grossen autostrasse versuchen wir ueber die alte strasse auszuweichen. eigentlich duerften wir auf der "superstrada" fahren, bei erlaubtem tempo 110 ohne pannenstreifen aber lassen wir dies. die beschriftung weist uns immer wieder auf die grosse strasse. trotz viel fantasie wissen wir 5 km vor catanzaro aber nicht mehr weiter. in einer bar erklaert uns aber der kellner einen schleichweg durch ein einsames nebental. es sei von zigeunern bewohnt. dies sieht dann wie sozialbauwohnungen mit ungeheuren abfallbergen aus. nach 10 kilometer umweg stehen wir dann am fusse der stadt, die altstadt wo wir hin wollen ist auf einem huegel knapp 400 meter ueber meer gebaut. in der absolut sehenswerten stadt finde ich endlich neue hosen, ein paar habe ich auf dem schiff beim tischtennis verrissen, ein paar ist durchgescheuert und das letzte paar muesste dringend gewaschen werden. dass sie gefuettert und waermer sind passt bei dem frischen klima wunderbar. das leben ist aber bisher in ganz sueditalien fuer uns ueberraschend teuer, ein internet das wir finden verlangt 2 euro fuer eine halbe stunde. so lesen wir nur noch eingetroffene mail und beantworten nur die wichtigsten. tagebuch schreiben wollen wir so nicht und schreiben weiterhin in ein buechlein, bis wir privat einen pc benutzen koennen und dann via diskette im internet nur noch zu uebermitteln brauchen. das nachtessen bereiten wir wieder einmal selbst im hotel zu, zuhause ist es doch am schoensten.

6.1.03
Catanzaro - Mesoraca
heute besuchen wir die familie meines jugendfreundes franco. gestern abend haben wir uns kurz angemeldet und wir werden bereits zum mittagessen gegen 14.00 erwartet. einmal mehr scheint die sonne. die abfahrt von catanzaro bis ans mare ionio ist aber bissig kalt. wir fahren auf einer gut ausgebauten hauptstrasse ohne meersicht. nach ca. 50 km geht es weiter ins landesinnere.
die landschaft überrascht, sanfte hügel mit olivenhainen und saftigem weideland.
wir begegnen schaf-und geissenherden. ein starker gegenwind der unsere fahrt bremst und ein platten lassen vermuten, dass wir nicht rechtzeitig ankommen werden. erst nach gut 1 1/2 stunden finden wir ein öffentliches telefon, um unseren verzug zu mitzuteilen. gegen halb drei erreichen wir mesoraca. der ort hat sich in den letzten 15 jahren seit meinem letzten besuch wenig verändert. viele häuser stehen im rohbau und werden wahrscheinlich nie fertig. der grosse bauboom der 80er jahre ist vorbei. die jungen migrantInnen haben wenig interesse im ort weiter zu investieren. wir finden erfreulich schnell das haus inmitten des dorfkerns. ich werde wie eine tochter begrüsst und die ganze familie zeigt echte freude. wir treffen die eltern, zwei schwestern die in calabrien leben und zwei brüder von franco aus dem tessin und lichtenstein.
die familie ist fast komplett. mit einem wundenbaren mitagessen wird das wiedersehen kulinarisch gefeiert. am nachmittag ist ein grosser augenblick.
die gelesenen oliven werden zu öl gepresst. die migrierten söhne haben bei der ernte mitgeholfen. den abend verbringen wir typisch italienisch. im lokal eines freundes wird das fussballspiel roma-milan übergetragen. die pizza mit frischen steinpilzen muss noch speziell als beste pizza unserer reise erwähnt werden.

7.1.03
Mesoraca
ein weiterer ruhiger tag wo wir bekocht werden. alle geruechte, dass ich abgenommen haette kann ich widerlegen, die waage zeigt angekleidet 66 kg, wie eigentlich immer. auch denise geht es praechtig und scheint wieder gut aufgefuttert zu sein. zum mitagessen duerfen wir der nonna helfen tagliatelle zubereiten. am nachmittag besuchen wir das haus am meer. eine ganze geistersiedlung steht wenige hundert meter vom strand entfernt. einige haeuser fertig, andere im rohbau und viele etwas dazwischen. der bau aller haeuser wurden ohne genehmigung begonnen, die gemeinde hat einen generellen baustop verfuegt. weiterbauen darf nur, wer das ganze bewilligungsverfahren macht und bezahlt. ueber die haelfte der bewohner von mesoraca hat ein solches bauobjekt. anschliessend fahren wir noch zum castella, einem alten schloss im meer. es ist ein schoener anblick im abendhimmel, denise hat es vor allem die krippe vor dem schloss angetan. den rest des tages verbringen wir mit schreiben des tagebuchs, und dem vorbereiten von zwei kisten mit unserem zelt, schlafutensilien und sommerkeidern, die dann mit dem lastwagen in die schweiz gefahren werden. einmal woechnetlich faehrt ein lastwagen mit gueter aus der region, um die migranten mit allem von zu hause zu versorgen. im kreise der familie verbringen wir den abend.