8.1.04
Mesoraca - Camigliatello
abschied von der ganzen familie. wieder einmal erhalten wir feinste sachen auf den weg und viele ratschlaege bezueglich weg. es ist leicht bewoelkt.
wir fahren auf lauschigen nebenstrassen durch kleine doerfer, die haufig auf einem felsabsatz in der hoehe gelegen sind. es ist olivenernte, die fruechte werden mit langen stangen von den aesten geschlagen, auf netzen gesammelt und aufgelesen. nach knapp einer stunde fahrt und zunehmend schoenerem wetter, entscheiden wir uns fuer den weg ueber "la sila", die ueberquerung der bergkette.
wir gelangen auf die hauptstrasse mit gut ausgebautem pannenstreifen. es wird immer sonniger und es hat wenig verkehr. die strasse fuehrt stetig bergauf.
am spaeten nachmittag sind wir schon auf 1400 muem. und die sonne zeigt sich nach einer zunehmend nebligen fahrt zur grossen freude. eine atemberaubende winterlandschaft eroffnet sich uns. die huegel und waldflecken sind frisch verschneit und glitzernd. in camigliatello einem beliebten winter- und sommerferienort finden wir eine einfache bleibe.

9.1.04
Camigliatello/Paola
morgens der schreck, es schneit. wir machen uns bereit und als wir starten schneit es mindestens gerade nicht. es geht noch ein letztes mal bergauf bis 1435 muem. die abfahrt ist sehr kalt, mit vielen tunnels und nasser strasse.
nach cosenza steigt die strasse erneut und es regnet zum ueberfluss. ausgangs eines tunnels hat denise, ihr velo und auch ihre moral keine luft mehr. wir reparieren und motivieren so gut als moeglich, als wir dann um 14:00 durchfroren und durchnaesst wieder am mediterraneo in paolo unten sind, nehmen wir ein zimmer und bleiben dort fuer den rest des tages, essen gibt es im bett.

10.1.04
Paola/Sapri
die schuhe sind fast trocken und es ist nur noch leicht bewoelkt. nach einem feinen cafe von der bar fahren wir auf der hauptstrasse weiter. ich will endlich vorwaertskommen und nicht alle doerfer am meer besuchen. urs lenkt ein, findet die strasse aber "bloed" weil die vielen tunnels die sicht auf das meer versperren. wie bereits in den folgenden tagen auf den hauptverbindungen, liegen viele tierkadaver auf der strassenseite. es ist zum teil richtig erschreckend, was so alles an tieren einfach liegen gelassen wird. wir verstehen diese gleichgueltigkeit sehr schlecht. langsam setzt sich die sonne durch und es wird bis 17 grad warm. nach der gestrigen eisfahrt fuer mich ein grosser trost, denn ich spuere zunehmend, dass ich nicht mehr zu allem bereit bin.
wir verlassen calabrien und fahren fuer kurze zeit einen eindruecklichen kuestenabschnitt in der basilicata. maratea, ein kleines dorf mit alten hausern und seinem urspruenglichem charm hat es uns vor allem angetan. leider sind alle hotels geschlossen. in sapri finden wir vor sonnenuntergang doch noch eine bleibe.

11.1.04
Sapri/Acciaroli
eigentlich haben wir beschlossen, den folgenden laengeren kuestenabschnitt durchs landesinnere abzuschneiden, bei der verzweigung haelt uns aber ein fahrverbot fuer velos davon ab. die vermeintlich alte hauptstrasse fuehrt aber unerwartet weit ins landesinnere, nach 4 km kehren wir wieder um und folgen der steilen kuestenstrasse bis auf die hoehe von bern, nach san giovanni a piro. was folgt, ist schoenste kuestenstrasse durch uralte olivenhaine, alte steinhaeuser, aussichten ueber die kueste auf des meer und immer wieder bergauf, bergab. die strecke haette auch einige das ganze jahr geoeffnete lauschige camings, unser zelt ist aber wohl bereits in lugano. schliesslich erfahren wir im ueberaus schoenen ort acciaroli, dass das hotel "il fari"
geoeffnet sei. wir sind die einzigen gaeste, kriegen eine ausser saison preisreduktion und ein superzimmer mit terasse direkt am strand und ein vorzuegliches fruehstueck dazu.


12.1.04
Acciaroli/Majori
wir geniessen den letzten kuestenabschnitt mit wenig verkehr, bis wir uns auf eine lange gerade nach salerno begeben. direkt vor den alten roemischen ruinen in paestum habe ich wiederholt einen platten. seit einer stunde hat auch der regen eingesetzt, unerfreulich in dieser situation. der indische pneu, den ich noch nicht lange fahre, hat schon fast kein profil mehr und ist den vielen scherben entlang der strasse nicht mehr gewachsen. in einer bar waermen wir uns kurz auf und fahren auf nebenstrassen moeglichst den direkten weg nach salerno. die stadt durchqueren wir im schnelltempo, stellen aber fest, dass sie sicher einen halt wert waere. alte hauser saumen die strasse entlang des meeres und es hat einladende quais. bevor wir uns auf ein risiko einlassen, erkundigen wir uns vor ort, wie die uebernachtungsmoeglichkeiten an der folgenden kueste "costiera di amalfi" aussieht. kurz ausserhalb der stadt faengt die von vielen kuenstlern beschriebene und gemalte kueste an.
auch wir sind begeistert. die in den fels hinein gebaute strasse und die schroffen felsen ins meer sind sehr eigenwillig. nach einer verzweigung wird es auf der engen strasse ein bisschen ruhiger. hier ist ansonsten einiges mehr los, als wir uns bis jetzt gewohnt sind. tourismus das ganze jahr.
in majori gehen wir auf zimmersuche. vermittler versuchen uns zu helfen.
wir nehmen uns das erste mal in italien zeit fuer preisvergleich und verhandlung.
40 euro, zimmer mit dusche, fernseher und heizung, ist das beste angebot.
die zimmer sind in italien immer sehr sauber und gepflegt, eine wahre freude.
in den letzten tagen konnten wir sogar die wetterprognosen im fernsehen verfolgen.

13.1.01
Majori/Napoli
wir bleiben vorerst auf der ausserordentlich schoenen strasse entlang der costa amalfitana mit so vielen so schoenen ecken, dass auch das bilderbuchmaessige amalfi zwar einfach erwaehnt werden muss, aber laengst nicht der einzige hoehepunkt ist. die aeusserste spitze der halbinsel schneiden wir mit einem 300 meter hohen paesschen ab und sind bald in castellamare. von dort fahren wir nur noch durch ueberbaute gegend ueber 20 kilometer kopfsteinpflaster nach napoli. stadtbeginn und ende sind nicht erkennbar, palaeste und villen, kirchen und schloesser sind immer und immer wieder zu bewundern.

14.1.04
Napoli
ich bin frueh wach und bin in gedanken in bam im iran. wir haben gestern erfahren, dass der sohn des hostelbesitzers beim erdbeben gestorben ist.
wir verbrachten eine sehr schoene zeit bei ihnen.
das "hostel of the sun" hat sich gestern abend noch gefuellt. der andrang beim fruehstueck ist gross. ich freue mich auf napoli, schwaerme ich doch seit meiner jugend von den alten filmen und dem markanten dialekt. im quartier santa lucia sehen wir dann die bekannte filmkulisse, enge gassen mit kleinen balkonen und der fassade die broeckelt, waesche die trocknet und die menschen bei der hausarbeit, die unmittelbar neben den gassen leben. die einsicht in die stube oder das schlafzimmer scheint hier ganz normal. mir geht es in dieser umgebung ausgezeichnet. wir bummeln weiter durch die historischen stadtteile dieser millionenstadt und bewundern ausser den omnipraesenten sehenswuerdigkeiten die stilvollen geschaefte und bars, begegnen ungewollt der offenen drogenszene und finden schlafplaeze von obdachlosen. napoli ist ein echter geheimtip. den abend verbringen wir in heisser diskussion mit suedamerikanerinnen.

15.1.04
Napoli
unser zweiter ruhetag in neapel. gestaerkt mit einem cafe und einem riesenstueck panettone machen wir uns auf eine weitere runde, um mehr der zahllosen sehenswuerdigkeiten anzuschauen. jede gasse ist an sich ein erlebnis, hat mehrere prunkvolle kirchen und andere schoene bauten. wir als kunstbanausen koennen nicht unterscheiden wer der verschiedensten herrscher der stadt, zu welcher epoche jetzt gerade dies oder jenes gebaeude erbaut hat, geniessen aber einfach die ausstrahlung dieser gebaeude und den charakter der stadt. nachmittags rufen leider bereits wieder die pflichten, wir muessen unsere vorbereitungen fuer die morgige weiterfahrt abschliessen.