16.1.04
Napoli - Cassino
Trotz morgenverkehr sind wir sehr schnell aus der stadt hinaus und finden die hauptverbindung in richtung rom. In der sonst sehr trostlosen geged sehen wir in der ferne einige schneeberge. Die strassenprostitution von schwarzafrikanerinnen und die gehauften alkoholgeschaefte erstaunen in dieser gegend nicht. Ein kurzer moment brechen ein paar sonnenstrahlen durch den dick verhangenen himmel und wir machen einmal eine angenehme Mittagsrast. Nach einigen hundert metern passaufstieg mit erfreulicher landschaft erreichen wir den sehr modernen ort cassino, der durch ein altes kloster, dass alleine auf dem huegel thront, bekannt ist. Da der aufstieg zu fuss ca. 1.5 stunden dauert und der letzte bus schon abgefahren ist, haben wir zur besichtigung keine gelegenheit mehr.
Wir machen einen shoppingrundgang. der ausverkauf mit seinen bis zu 70% macht zur zeit ganz italien verrueckt. Urs schlägt fuer einmal zu und findet wanderschuhe und warme unterhosen. Es scheint, dass ihm die letzten frostigen tage doch auch ein bisschen zugesetzt haben.

17.1.04
Cassino - Avazzano
Da es schon zum starten regnet, entscheiden wir, das heisst vor allem denise, der hauptstrasse, einer superstrada zu folgen. Vorerst bewaehrt sich dies und wir kommen gleichmaessig und geradlinig durch schoene, aber leider meist nicht sichtbare bergwelt gut vorwaerts. In sora, einer kleinen stadt, muss ich meinen vorderen pneu doch auch noch wechseln, nach unterdessen ueber 13000 kilometer auf dieser tour und weiteren kilometer vor dieser tour. Trotz mehreren weissen stellen, wo das nackte gewebe ueber die scherben rollt, habe ich keine platte, bis wir einen velohaendler finden, der einen guten neuen pneu hat und beim wechseln mit hand anlegt. Den neuen pneu fuer denise muessen wir dann bald darauf im stroemenden regen wegen einer weiteren platte auch noch wechseln. Im weiteren passverlauf gibt es immer mehr und laengere tunnels, was langsam aber sicher zu gefaehrlich wird. Viele autos bremsen ab und betaetigen die warnblinker, um die folgenden autos auf uns aufmerksam zu machen. bloss gibt es keine abfahrten, die strasse fuehrt auf der anderen talseite durch. Irgendwann werden wir von der polizei angehalten, sie habe von verschiedenen autofahrern meldung von unserem tun erhalten. Die ersten polizisten meinen, es sei ja nicht verboten und wir sollen auch die letzten zwei, aber auch die laengsten gallerien auch noch machen. Die naechste streife schickt uns aber vor der letzten gallerie auf die haupstrasse, statt 2 kilometer flacher galerie gibt es 10 kilometer pass mit 150 hoehenmetern. Triefend nass und durchfroren erhalten wir in der ersten bar wiederholt einen sehr guten tip fuer ein gutes und guenstiges hotel.

18.1.04
Avazzano - Rieti
Wir respektieren das kochverbot im hotel, da es feuermelder hat. Dummerweise hat auch die cafetteria im gleichen haus am sonntag zu. Ohne cafe erklimmen wir faelschlicherweise einen 250 m hohen huegel. Als es noch zu regnen beginnt, ist meine stimmung definitiv im eimer. Die folgende fahrt auf der richtigen strasse fuehrt durch ein tal flankiert von hohen bergen der abbruzen von 2000 - knapp 2500 muem., die aber leider im nebel verborgen sind. Vor der folgenden tunnelserie hat es ein veloverbot. Der weg auf der alten hauptstrasse fuehrt durch kleine doerfer entlang der bergkette und eines grossen stausees.
In den letzten tagen bin ich in gedanken schon fast zu hause. Ich spuere mit jedem tag, wie vertrauter mir das leben ist. Das wetter bleibt unbestaendig zwischen feinem regen und kurzem sonnenschein, gerade so, um den regenschutz nicht auszuziehen. Vor rieti wird es nachtschwarz und es folgt innert kuerze ein sturzbach von regen. Wir fluechten uns ins hotel.

19.1.04
Rieti - Perugia
Italien hat im gegensatz zur wueste mehr strassen. Das negative daran ist, es braucht immer wieder zeit auf der karte zu schauen, welche wir nehmen wollen. die wegweiser beschreiben meist grosse umwege, die auf schnellstrassen fuehren, welche fuer uns verboten sind. So schlaengeln wir uns im zickzack aus der stadt, um schlussendlich auf derjenigen nebenstrasse zu landen, welche wir wegen zu grossem umweg nicht nehmen wollten. So fahren wir in gut 40 statt weniger als dreissig kilometer im stoemenden regen nach terni. Denises laune ist im keller. Ein regelrechter wolkenbruch durchnaesst vor allem sie in den 200 meter abfahrt ueber einen spektakulaeren gelaendeabbruch unmittelbar vor terni. Wir fluechten in die bar einer tankstelle. Als es nach fast einer stunde noch immer so stark regnet, beschliesst denise mit dem zug nach perugia zu fahren. Ich fahre weiter mit dem velo durch die schoenen orte umbriens wie spoleto, trevi, foligno und bettona. Fast auf jedem huegel hat es irgendeine kirche, ein schloesschen oder eine burg mit schoenen alten steinhaeusern rundherum. Die strecke bis perugia ist laenger als ich geschaetzt habe, vor allem der letzte abschnitt ueber nebenstrassen. Das ortsschild perugia steht inmitten von olivenhainen und selten einer villa oder einem alleinstehenden hotel in einer langen steigung. Die naechsten kilometer passiert nichts weiter, ausser dass es eindunkelt und ich zu zweifeln beginne, ob da je eine stadt kommen wird. Die suche nach der jugendherberge dauert weit ueber eine stunde, die stadt auf und ab werde ich gewiesen. Schliesslich gibt es doch ein glueckliches wiedersehen mit denise nach der ersten trennung seit fast 10 monaten.

20.1.04
Perugia
Wir besichtigen den schlichten, aber sehr stimmungsvollen dom, der gerade mit dem staubsauger gereinigt wird, und spazieren durch enge gassen zum bahnhof.
mit zug und bus fahren wir nach assisi und gehen den spuren des heiligen franziskus von assisi nach. der ort ist seit dem erdbeben 1997 fast vollstaendig wiederaufgebaut und macht einen sehr einladenden eindruck. in der basilica kann ich endlich echte kerzen anzuenden. in ganz italien wurden sie durch elektrische kerzen ersetzt. in der bar die bereits bekannte situation, rauchverbot.
in italien ist ein neues gesetz erlassen worden, dass heute die meisten restaurants und bars rauchfrei sind. die rauchen sitzen oder stehen auch bei kaeltestem wetter vor den betrieben. fuer italien ein unwahrscheinlicher wandel.

21.1.04
Perugia - Arezzo
endlich wieder mal bei so richtig gutem wetter frieren wir erst die stadt runter, bis wir endlich auf der gewuenschten strasse sind. dann geht es recht rasch durch schoene landschaften mit einem grossen see nach arezzo. mittagsrast in der sonne gibt eine andere stimmung als im regen schnell ein paar brote zu essen. die altstadt von arezzo ist nicht sehr gross, dafuer aber umso schoener und gepflegter. gegen abend wird es empfindlich kalt und wir fahren erst zweimal an der jugendherberge vorbei, bevor wir sie finden. es ist eine alte, in einer weiten parkanlage alleinstehende villa, ein wahrer traum.
nur ist sie leider geschlossen. nach dem wir noch die letzten sonnenstrahlen einzufangen versuchen, geht es zurueck ins zentrum, wo wir in einem einfachen hotel unsere sachen deponieren und sofort noch soviel als moeglich die stadt besichtigen, bevor alle laeden, auch unsere, geschlossen sind.

22.1.04
Arezzo - Firenze
prachtvolles winterwetter mit stahlblauem himmel begleitet uns auf meiner letzten gemeinsamen strecke in italien. ich werde von florenz aus mit dem zug nach beride bei lugano zu meiner freundin silvia fahren, wo mich urs dann abholt. mit diesem gedanken fahren wir los und ich geniesse die huegelige landschft der toscana mit ihren rebbergen, alten tuermen und landhausern.
es ist bissig kalt gerade um 0 grad und es hat morgenfrost. jeden tag leider auch das gleiche bild, die entsorgung von allem moeglichen materialien und geraeten im offentlichen raum, z.b. kuehlschraenken, waschmaschinen, autobatterien usw. vor florenz wird die strasse sehr eng mit starkem verkehr. beim zweiten anlauf fuer eine uebernachtungsmoeglichkeit landen wir im ostello st. monaca.
am abend denken wir gemeinsam an unsere lange reise, die jetzt langsam zu ende geht.

23.1.04
Firenze
gemuetlich bummeln wir durch die strassen, wir waren ja beide schon mehrmals in florenz, denise vor vielen jahren fuer laengere zeit. es gilt die zugfahrt nach lugano fuer denise inklusive velo zu organisieren, in italien ist dies eine halbtagesaufgabe. schliesslich haben wir eine abdeckplane um das velo einzupacken und ein billet im cis alpino, billet und reservation und ein bestaetigungsschreiben, dass denise das velo in einem sack auch in diesem zug mitnehmen duerfe. dass es keinen platz auch fuer eingepackte velos in diesem zug hat, weiss ich aus erfahrung, ich wurde auch schon mal vor jahren so nicht befoerdert. abends besucht denise giuliana, bei der sie in der zeit in florenz leben konnte, ich bereite mich unterdessen auf die weiterfahrt vor.

24.1.04
Firenze
letzte einkaeufe in florenz, eine foccacia und canneloni in einer kunstvoll gestalteten bar und dann zurueck in die jugi packen und ab zum bahnhof. lenker, sattel und das vorderrad demontieren wir, dann packen wir allles sorfaeltig in den sack und verschnueren das pack. zum glueck sind wir fast eine stunde vor zugsabfahrt auf dem perron, so koennen wir in ruhe und ohne durch andere leute oder gepaeck eingeengt zu sein das velo auf der gepaeckablage unter der decke deponieren, es passt zwar nur die haelfte rein, es scheint so aber recht stabil zu sein. denise ist ganz gluecklich und wir verabschieden uns bei brioche und tuc. denise wird heute abend in lugano abgeholt und wartet dann in beride bei silvia und ihrer familie auf mich. ich kehre zurueck ins ostello, der unterdessen normale tagesablauf geht fuer mich weiter. waschen, internet, einkaufen und essen, packen fuer die fruehe abfahrt von morgen, uebernachtung fuer morgen organisieren und fahrtroute festlegen.