1.7.03
Yakakent - Samsun
wie schön doch röllele ist! in kürze haben wir die vierzig km in die entäuschende stadt bafra. ein paar steigungen bremsen uns etwas, trotzdem treffen wir relativ früh und locker nach über 90 km in samsun ein. die grösste stadt seit istanbul gefällt auf anhieb. stadtpark, fussgängerzone, alte häuser, spezialgeschäfte, kaufhäuser, leben. wir kriegen ein sympatisches hotel im zentrum. den abend verbringen wir mit stadtbummel und internetcafe. wir sind doch nun schon drei monate unterwegs, damals konnte ich mit peter abends noch in luzern billard spielen, so lang ist das her, soviel haben wir gesehen und erlebt, aber alles war im moment halt einfach so und gut so.


2.7.03
Samsun - Unye
frühstücksbuffet im hotel. schön, wenn man sich einfach hinsetzen kann. in dieser gegend gibt es vorwiegend leicht salzigen frischkäse (ähnlich dem feta), oliven, gurken, tomaten und natürlich frisches brot. wir verlassen samsun auf einer dreispurigen strasse, die ca. 35 km. anhält. der verkehr ist gewaltig, wenn wir ihn mit dem rest der küste vergleichen. es folgen strecken, auf denen wir nur geduldet sind. d.h. wir müssen beim gegenverkehr von lastern oder bussen auf die schotter- und kiespiste ausweichen. dazu kommen abschnitte die verbreitert werden, wo wir im staub eingenebelt werden. zudem ist die strecke flach und landschaftlich nichts erfreuliches. wir sind nach 90 km. froh, dass wir ein ruhiges zeltplätzchen gefunden haben. mit einem rotwein "villa doluca" geniessen wir einen weiteren abend mit meeranstoss.


3.7.03
Uenye - Piraziz
morgens macht denise dampf. ab durch das städtchen ünye, das vielleicht hübsch, sicher mal ausgebaut, fertig und mit strukturen für fremde ist und im husch auf fatsa. hier beginnt ein schöner küstenabschnitt mit klippen schönen buchten und charmanten häusrgruppen mit fischerhäfchen. zum ersten mal seit österreich hat es 2 kurze tunnels. viel zu schnell sind wir eingangs ordu, wollten wir doch in so einer bucht mittagessen. so gibts in einem lokanti bei einem busrelais ein ganz feines essen. von ordu sehen wir ausser der stadtpromenade und strand nicht viel, wir können ganz angenehm verkehrsfrei dem meer entlang. wir fahren noch einige weitere kilometer und landen auf einem lauschigen tuerkischen "camping". wir können unter die stranddusche, sehr ruhiger platz mit sonnenuntergang und morgen voraussichtlich sonnenaufgang im meer. wir geniessen dies besonders, da diese lange zeit am meer bald zu ende sein wird. heute haben wir den 5000. km zurückgelegt, davon 1500 in der türkei und wohl ebensoviel mit rumänien und bulgarien am schwarzen meer.


4.7.03
Piraziz - Eynesil
heute geht es wieder zackig vorwärts. die küste ist wenig specktakulär. bei den flusseinmündunen sieht man weit in die täler hinein. urs erspäht den ersten schneeberg. die orte haben viele einwohner (steht jeweils auf dem ortsschild) und sind unterschiedlich ansprechend. ich habe noch nie so viele leere wohnungen wie in der türkei gesehen. ganze blöcke und siedlungen sind leer. es entsteht an der ganzen küste seit samsun eine zweispurige schnellstrasse. wir können oft auf frische teilstrecken, die noch nicht für den verkehr offen sind ausweichen. wir sehen gelegentlich auf den hügeln burgruinen, die für antennen gut geignet scheinen. mittagessen gibt es erst um 15 uhr in görele, da ich die bekannten "pide" essen will. es hat sich gelohnt. die einheimischen essen sie am morgen, lassen wir uns belehren.
tagesbilanz: 105 km., entzündete gesässe, verlust eines handschuhs.für den letzten abend im zelt am schwarzen meer suchen wir einen schönen strand unterhalb einer burg. bis kurz vor sonnenuntergang unterhalten uns klippenspringer, die für uns ihr bestes geben.


5.7.03
Eynesil - Trabzon
erst noch holprig, dann aber zweieinhalbspurig, die halbe ist exklusiv für uns, sausen wir mit rückenwind nach trabzon. erst hier beginnt der schweiss zu laufen. eine steile stadt die im minibuschaos zu kollabieren droht. wir uebrigens auch. denise hat die adresse der st maria katolik kiresli, die auch übernachtungen für katholiken anbietet. nach einer stunde suchen finden wir sie, zugang mitten in einer treppe. also velo runter, fragen, voll besetzt, velo wieder hochtragen, schwitzen und retour ins hotel nur. tiptop und teuer, 40 mio pro nacht doppelzimmer, zum glück sind wir uns gewohnt mit millionen umzugehen. im hotel treffen wir iranische studentinnen, die fürs bergsteigen nach russland wollen. dann laundry und stadtbummel, kebap und bierhaus wo man raus aber nicht reinsieht, alkohol ist nicht ganz sittsam, und zufrieden ab ins bett.


6.7.03
Trabzon
um 10 uhr sitzen wir im minibus, der uns zum 47 km. südlich von trabzon entfernten Sumela-Kloster auf 1628 müm fährt. es wurde 386 n. chr. von zwei athener mönchen gegründet und bis 1922 bewohnt.

suemela
nach der fahrt steht nach angabe des fahrers ein 20 min. aufstieg an. wir bewältigen den beschwerlichem aufstieg in der doppelten zeit. die lage des klosters ist eindrücklich. bei vielen kulturgütern in der türkei wurde oder wird ihr historischer wert nicht erkannt. dies ist im kloster gut sichtbar, da die kostbaren malereien der klosterkirche mit grafitti und krizereien stark beschädigt sind. nach der schliessung des klosters verschwanden die meisten gegenstände, der rest ist über die museen verteilt. am abend wagte sich urs zum ersten mal zum "berberde". ich fand schon lange, dass ein 7 tage bart profssionell behandelt werden sollte, er aber erachtete es als zu riskant. es begann sehr harmlos, bis der feinfühlige mann urs einen schnitt ins kinn zufügt. es blutet unaufhaltbar. der berberde versucht verzweifelt sein ganzes blutstillerepertoire von salz, watte, bis zu einer cigarette die er opferte und den tabak auflegte, anzuwenden.. für den
preis von 2 fr. erhielt urs bis am schluss nicht nur eine perfekte rasur, sondern auch ein schönheitspflästerli.



07.07.03
Trabzon - vor Torul
das verlassen des hotels dauert etwas länger, mit der zeit versammeln sich ein neuseeländischer velofahrer, ein deutscher schrftsteller, ein iranischer tourist und wir zum austausch. nochmals durch den minisalatbus an den hafen, vorerst sanft, dann gleichmässig steil das tal zur passhöhe herauf. es ist bedeckt, bald sind wir im nebel oben,. aus dem es allmälich zu nieseln beginnt. oben ist es noch zwölf grad und wir nehmen zwei çai. ich bin ganz stolz auf denise, 60 km und 1820 höhenmeter einfachso hochgefahren, gratuliere! klar hatten wir an der küste tage mit mehr und strengeren steigungen, aber immer nur und soviel bergauf ist auch für die psyche was anderes. oben gehts durch einen tunnel, wir fahren noch einige km runter und wählen eine brätlistelle mit frischwasser und einfacher toilette, solche findet man in der türkei noch oft, um unser zelt aufzuschlagen.


8.7.03
vor Torul - ca. 25 km vor Bayburt
in der nacht gab es immer wieder regenschauer. aufbruch bei 14 grad. es geht nochmals ein paar 100m den pass hinunter. ein nahkampf mit einem hund wirft meine präventionstheorie über den haufen. er hätte meine wade gepackt, wenm ich ihn nicht getreten hätte. er biss dann kräftig in meinen schuh und meine hintertasche. das "pfui" von urs brachte dann den gewünschten erfolg. nach ca. 30 km. erreichen wir gümüshane. ein ort, der uns aufgrund seies namens, seit wir die türkeikarte haben, aufgefallen ist. er liegt in einem engen tal, das mit tunells durchsetzt ist. im ort hat es zum teil tief verschleierte frauen. farbige, vielfältige blumen z.b. tieforaner mohn säumen den weg. der ort kale hat seinen namen aufgrund einer eindrücklichen burg auf einem felsen. wir fahren den nächsten pass auf 1875 müm. vorher gibt es lamm vom grill. wir beissen uns fast die zähne am zähen fleisch aus, und bedauern, dass die kiefermuskeln nicht so gut trainiert sind wie die beine. nach dem pass eröffnet sich eine liebliche, hügelige landschaft mit interessanten felsstruckturen. mit freiwind fahren wir an einen lauschigen ort zum campieren. leider begrüssen uns allzuschnell die mücken.


09.07.03
25 km vor Bayburt - 10 km vor Askale
das tal wird breiter und die begrenzenden hügel niedriger, die landschaft gleicht bald einer hochebene mit dünenartigen langgezogenen hügel von 50-100 m höhe. quer über diese gehts nach bayburt. wir sehen auf distanz die überreste einer riesigen befestigungsanlage. wir kaufen ein und weiter gehts ein sich verzweigendes sehr schönes tal hinauf. wir sind immer wieder überrascht wenn wir denken, wo es weiter gehen könnte und die strasse irgend einen knick macht. nach 50 km sind wir nicht viel höher als unser schöner nachtplatz. bei 62 km sind wir nur zweihundert meter höher. den rest geht es in acht km, aber meist ganz erträglich, auf die passhöhe von 2384 müm. es hat einige quellwolken, aber auch wenn die sonne scheint ist es ganz angenehm. wir bremsen einige km den pass runter und finden vor vier uhr an einem bergbach einen schönen ort für uns. wir baden im bach mit den fischen, waschen unsere kleider aus und geniessen die viele verbleibende zeit, an der auf dieser seite des passes sehr warmen sonne.


10.07.03
10 km vor Askale - Erzurum
wir wollten um 5 uhr aufstehen, da die sonne um 4 uhr auf- und abends schon nach acht untergeht. die tage sind sonst zu kurz. für heute haben wir es noch nicht geschafft. unser tagesziel ist erzurum, wo wir das iranvisa machen wollen. wir fahren durch eine breite hochebene, die wir schon noch einigen km., nachdem wir das tal verlassen, erreichen. es wird überall geheut. die winter sind in dieser gegend der türkei die kältesten (- 40'). die bauern leben von der viehwirtschaft und wir sehen riesige kuhherden. der mist der tiere wird getrocknet und dient als brennmaterial. noch am frühen morgen treffen wir auf einen australischen velofahrer. er ist seit tokio unterwegs und völlig ausgebrannt. sein ziel ist london, aber eigentlich möchte er zu seiner freundin. er fuhr im iran tg. 190 km. er tut uns in seinem zwiespalt die reise zu beenden richtig leid. wir sind uns bewusst was es bedeuten würde alleine zu reisen. praktisch keinen kontakt mit gleichgesinnten und vor allem keine möglichkeit seine eindrücke mitteilen zu können. urs und ich verbringen viel zeit für den gedankenaustausch über land und leute. wir trinken mit ryan einen cay an der nächsten tankstelle und tauschen infos aus. vor ezurum habe ich einen platten wegen rauem felgenband. bin immer wieder erstaunt, dass die scherben die uns entlang der strasse begleiten, nicht mehr platten verursachen. in der stadt begeben wir uns sofort in die iranische botschaft und erhalten eine frustrierende neuigkeit. für das visa brauchen wir eine einladung aus dem iran. wir suchen das hotel auf, das uns vom deutschen paar, mareike und thommy, via mail mitgeteilt wurde. sie sind ebenfalls mit dem velo richtung indien unterwegs. wir treffen mareike und stellen fest, dass sie bezüglich visa am gleichen punkt stehen. via internet versuchen wir alle möglichen hebel in bewegung zu setzen.
die erste nacht in erzurum ist nicht sehr erhohlsam.