11.7.03
Erzurum
freitag... feiertag im islam, konsulat und viele reisebueros sind geschlossen. also konzentrieren wir uns auf unterstützung in der schweiz. erstaunlich was die phantasie alles an wegen findet. wir schreiben reisebueros an, kriegen weitere adressen, weitergeleitete anfragen, schreiben ehemalige iranreisende an, iraner die wir über ecken kennen könnten und suchen als höhepunkt iranforen und iranchats. internetstunden vergehen besonders schnell und trostlos. auch dem iranischen botschafter in bern telefonieren wir, weil wir dort das visa doch einfacher gekriegt haetten. denise hat das natürlich seriös abgeklärt und war so schon lange vor der abreise in kontakt mit ihm und letztendlich war es auch seine meinung, dass wir das visa einfacher in erzurum beantragen. er bietet uns an, dass der konsul in erzurum doch ihm telefonieren solle. doch freitag laeuft in erzurum nichts, samstag und sonntag in der schweiz nichts. erfolgsbilanz des tages: punkto visa 0, dafür 2 feine trostbiere und abendessen mit mareike. es gibt viel zu erzaehlen und so austausch tut richtig gut.


12.7.03
Erzurum
recherchen im lonley planet haben ergeben, dass meist bestimmte anforderungen bestehen, wie so eine einladung auszusehen hat. also gehe ich mit mareike erneut zum konsulat. dies ist zu fuss pro weg mehr als eine halbe stunde entfernt. die auskunft ist ernüchternd: für eine privatperson ist es aus bürokratischen hürden faktisch unmöglich uns eine einladung zu machen. es sind besuche auf ministerien notwendig und viel papierkram, die richtigen angaben müssen allen richtigen stellen zur richtigen zeit mit stempel geschickt werden. mm. koennen also bisherige aktivitaeten und die eintröpfelnden hilfsangebote verdanken und vergessen. dafür konzentrieren wir uns auf reiseagenturen in teheran. mail um mail wird erwartungsvoll abgeschickt. gegen abend gehen wir in die MMM-Migros in erzurum. ja, das gibts! sogar der schriftzug ist im selben orange und die waegelchen scheinen ausgemusterte aus der schweiz zu sein. es ist das grösste einkaufscenter den wir in der tuerkei besuchen. es gibt hier im gegensatz zur schweiz auch alkohol. wir treffen dort, 'huch' da wir doch ein geschenkli posten wollten, mareike und kaufen gemeinsam zum abendpicnic für mareikes geburtstagsfeier ein. der abend ist gemütlich und wir bleiben sitzen bis die freundliche polizei uns spaet bei ihrer 4. tour durch den park beim bahnhof, der eigentlich sonst schon laengst geschlossen waere, dann doch zum heimgehen auffordert. also nochmals weils so schön war: happy birthday mareike und wir wuenschen dir alles gute auf eurer weiteren reise und fuers leben.


Geburtstag Mareike


13.7.03
Erzurum
es ist sonntag und wir sind gezwungen den tag ohne grosse aktivitaeten bezüglich visa verstreichen zu lassen. wir nehmen es am morgen gemütlich und erleben die erste entauschung. in unserem kaffee sind die brötchen ausgegangen. dem chef ist es gar nicht recht. wir weichen auf kleines gebaeck aus, das leicht salzig ist und noch zum frühstück tolerierbar. am schluss erhalten wir einen gratiscay. auf dem weg zum internet-cafe besichtigen wir einige sehenswürdigkeiten. der glockenturm der zitadelle verschafft uns einen praechtigen überblick über das stadtgebiet und die umliegenden berge. der palandöken ist mit 3176 m der höchste und ein grosses skigebiet. rund um die festungsmauer sieht es erbaermlich aus. alte steinhütten am zerfallen und behelfsmaessig mit blech bedeckte behausungen. die stadt war einmal sehr reich und wichtig. die alten gebaude, bis zurück ins 13 jh., weisen darauf hin. sie sind für türkische verhaeltnisse noch recht gut erhalten. vom glanz alter zeiten ist im gesamten stadtbild aber nicht mehr viel übriggeblieben. auffaellig ist die anzahl der alten und neuen moscheen. erzurum gilt als eine der konservativsten staete des nordostens. wenn die gebetsrufer (müezzin) alle vier std. zum gebet ausrufen, herrscht ein ohrenbetaubendes "gejammer". der aufruf ist auf jeden fall unüberhöhrbar. nach dem stromausfall, der ca. eine std. andauerte, sitzen wir gegen abend wieder vor dem pc und warten auf antworten oder neuen ideen bezüglich visa. es hat sich nichts nenneswertes ergeben. eines ist auf jeden fall klar, es herrscht absolut keine einheitliche visa-praxis in erzurum. wer die praxis bestimmt bleibt jedoch unklar.


14.7.03
Erzurum


Erzurum

am morgen sitzen wir schon wieder früh auf dem konsulat und wollen den konsul auf das telefongespraech mit bern vorbereiten. das erste mal trage ich öffentlich das kopftuch. wir warten eine geschlagene stunde im warteraum, bis uns mitgeteilt wird, dass der konsul erst am nachmittag anwesend ist. eine gute koordination scheint uns jetzt unerlaesslich. in bern erfahren wir, dass der botschafter ab 16 uhr anwesend ist. nach der internetsitzung mit teilerfolg, wir könnten über ein reisebüro in teheran für 65 euro eine invitation machen lassen, sitzen wir wieder auf der botschaft. es herrscht bald ein grosses gedraenge. urs bereitet den konsul auf das telefongespraech mit bern vor. wieder einmal vergessen wir die zeitverschiebung, was uns eine weitere wartestunde kostet. in der zwischenzeit vermisst urs sein portemonnaie. nach erfolgloser suche fragen wir vier turkmenen, die schon laenger mit uns im raum sind. sie erklaeren, dass es von zwei maennern die vorher anwesend waren gefunden und mitgenommen wurde. urs bleibt in der botschaft waehrend ich im eiltempo mit dem taxi zum hamam fahre, wo ich mit mareike abgemacht habe. erzurum hat eine bekannte hamam-tradition. die schoensten die ich fand, waren aber nur für maenner. wir werden freundlich empfangen und erhalten eine kurze einführung. das hamam ist sehr alt und wird scheinbar immer noch als bad des alltags benutzt. ich gehe davon aus, dass noch nicht alle hauser über ein bad oder eine dusche verfügen. mareike und ich klatschen, wie es sich im hamam gehört. zwischenzeitlich werden wir "abgerubbelt", aber kein vollservice mit einseifung und massage wie in istanbul. am abend erfahre ich das neuste aus der botschaft. urs hat sein portemonnaie wieder. die zwei serbokroaten brachten es zurück. es war ihnen wahrscheinlich zu heiss, da der konsul von urs informiert wurde und sie ihr visum noch abholen mussten. der inhalt war auch nicht lohnenswert, ca. 20 fr. und eine postcard. ca. 5 fr. fehlten. so weit alles wieder i.o. nach dem gespraech unter den konsulen (für uns hoch erfreulich, dass bern. selber in erzurum angerufen hat), gibt es eine dritte variante. 3. der konsul macht den antrag ans foreigner ministeri direkt. zeitaufwand 2 wochen. wir besprechen uns mit mareike und kommen zum schluss, dass es für uns alle die beste lösung ist.


15.7.03
Erzurum
Denise hat eine schlechte nacht mit durchfall und erbrechen. der versuch morgens mit aufs konsulat zu kommen wird bereits vor der zimmertuere abgebrochen, die kraefte sind offensichtlich die toilette runter. so gehen mareike und ich zum 5. mal den weg ins konsulat. der konsul scheint nicht glücklich über unseren entscheid und sagt uns einmal mehr, das gesuch sei keine garantie fuer erfolg. da die gesuche unterschrieben sein müssen, machen wir uns bald auf den weg ins hotel, fuellen alles aus und zum 6.mal ins konsulat. nun endlich, nach 6 tagen und 6 besuchen sind wir soweit wie wir eigentlich auch am 1. tag haetten sein koennen: die gesuche sind ausgefuellt und abgegeben, bescheid ob sie bewilligt werden gibt es in 2 wochen, im falle eines neins beginnen dann die probleme erst. zurueck zum hotel zu denise, kleiner ausgehversuch der schlaff endet. also ab ins bett, tee trinken und abwarten.


16.7.03
Erzurum
ich verbrachte eine recht gute nacht. alle drei stunden ass und trank ich, damit ich nicht wieder von der stange falle, und konnte alles behalten. wir machen zeitplanung für die naechsten zwei wochen. den ausflug ins landesinnere, den wir in dieser woche bereits vorgesehen hatten werden wir jetzt machen und anschliessend bis zur grenzstadt (ca. 300 km.) fahren. mit dem bus sind wir dann in vier stunden wieder in erzurum, um das visa abzuholen, sofern alles klappt. also, endlich gibt es wieder etwas bewegung. busbilette organisieren und packen. die velos und das übergepäck können wir im hotel zurücklassen. die geschäftigkeiten machen mich wieder fit.


17.7.03
Erzurum - Nevsehir
(Bus) morgens noch kaffee respektive çay mit mareike, stadtrundfahrt mit dem "servis" sammelbus, dann ab aus erzurum. die fahrt führt vorerst durch schmale täler und immer wieder pässen, der höchste knapp über 2000 müm. öffnet sich das tal sieht man häufig berge mit letzten schneeresten, das heisst irgendwo zwischen 2500 und 3000 m hoch. superthermik lässt wehmütige erinnerungen an den gleitschirm hochkommen. nach sivas sind wir auf einer hochebene, ca 1200 müm, die hügel ca 300 meter höher. ausser viel landwirtschaft, vor allem getreide, gibt es bis kaiseri nichts spektakuläres zu sehen. alle paar stunden gibts einen tuvaletta halt. ob kaiseri ist schon von weitem ein fast viertausend meter hoher vulkan zu sehen. besonders beeindruckend weil er allein und isoliert herausragt. nach kaiseri dämmert es bald, als wir in nevsehir eintreffen um halb neun ist es finster und der letzte bus nach göreme abgefahren. wir finden bald ein passendes hotel und nachtessen. die stadt scheint auf den ersten eindruck viel einladender als man nach der beschreibung im "lonely planet" hätte annehmen müssen.


18.3.03
Nevsehir - Göreme
wir fahren, nachdem wir uns in der touristinformation einige infos geholt haben, mit dem minibus nach göreme. der ort liegt im zentrum von Kappadokien, ein gebiet von ca. 300 km2. durch eruptionen der heute erloschenen vulkane entstand eine spezielle schichtung, aus welcher sich durch erosion im laufe der jahrhunderte felskegel, täler und canyons bildeten. die einzigartige landschaft ist ein naturwunder. unterwegs kommen wir nicht aus dem staunen. es eröffnet sich uns eine märchenwelt mit tuffsteinfelsformationen. in göreme suchen wir die "village house" pension von Bernd Junghans, einem deutschen "aufsteiger" und nicht aussteiger, wie er sich sieht, auf. den tip erhielten wir vom appenzeller paar, das wir in rumänien getroffen hatten. wir werden herzlich emfangen und dürften uns eines der höhlenzimmer, die individuell ausgestattet sind, aussuchen. das ganze dorf lebte einst in tuffsteinhöhlen. bei cay und kaffee lernen wir schnell die aktuellen gäste kennen.
beim dorfrundgang sehen wir, wie die leute im gemisch zwischen uralten hölen und anbauten heute noch hausen. viele werden heute aber aufgrund der einsturzgefahr der hölen ausgesiedelt. bei einem abendspaziergang, geführt von bernd, erfahren wir viel über die entstehung der höhlen und besichtigen eine höhlenkirche aus dem 5. jh. gegen abend macht sich mein "käfer" wieder bemerkbar.


19.3.03
Göreme
spät stehen wir auf, das frühstück ist gemütlich und wir lassen uns mit der entscheidung was wir heute tun wollen zeit. schlisslich starten wir gemeinsam mit dem italienischen paar, claire und rugero zu fuss richtung ucisar, einem nahegelegenen ort. fast konsequent wird demokratisch der falsche weg ausdiskutiert, so sind wir dann halt nach vier, statt wie uns gesagt wurde, nach einer stunde auf der kale im ort, dem höchsten punkt der umgebung, und geniessen die aussicht. einfach irr die felsformationen schon an sich und dann noch alle die eingegrabenen häuser und kirchen und taubenlöcher. claire und ich wollen zu fuss durch ein anderes tal zurück. freundlichst werden wir von drei türken zum çay eingeladen. als wir weiter wollen, bieten sie uns an, uns zu begleiten. auf die frage ob der weg schwierig zu finden sei sagen sie bloss es geht schon, es gibt halt immer 2-3 varianten. einer folgt uns mit kanister als wolle er wasser holen. kurz darauf kommt so eine verzweigung. kaum haben wir den breiteren weg gewählt ruft er uns zu dies sei der falsche weg, lebensgefährlich! als retter führt er uns auf den richtigen weg um dann für die führerdienste lohn zu fordern. fremde länder fremde sitten, ich weiss jedenfalls wieso kein weg markiert ist. abends trifft ein weiteres, amerikanisch/italienisches paar in der unterkunft ein, zu sechst im auto fahren wir zu einer 1000 jährigen caravanserei, dem traditionellen nachtplatz der karavanen, und betrachten das farbenspiel der untergehenden sonne.


20.7.03
Göreme
nach einer bewegten nacht schlafen wir aus. der gang in die apotheke ist angesagt. nach dem frühstück gehen wir ins dorf. da ich mich scheinbar wie in trance bewege, will mich urs, bevor ich wieder ganz abtauche, ins bett bringen. es ist mir aber nicht danach. nach einer glace und einigen sitzpausen werde ich deutlich fitter. wir machen einen spaziergang in ein kleines seitental und treffen auf weitere tufformationen und felsbehausungen. die trockenen, kühlen hölen dienen auch als lagerraum und stall. die täler sind sehr fruchtbar. es wachsen viele aprikosen, die auf den dächern getrocknet werden, trauben, die in den höhlen zur längeren haltbarkeit aufgehängt oder zu wein verarbeitet werden, birnen und viel gemüse. inmitten dieser märchenlandschaft machen wir siesta. wir sind ganz allein und einige kilometer von uns enfernt besucht der massentourismus das open-air museum mit vielen kirchen und klöstern in felshöhlen. den sonnenuntergang erleben wir auf einem beliebten platz oberhalb des dorfes. wir sind etwas zu früh und essen in zweisamkeit unser pide. mit pferd, taxi, minibus und motorrad trifft später innert kürze gesellschaft ein.