21.7.03
Göreme
wieder können wir morgens gemütlich ausschlafen, dann frühstück bis fast am mittag. claire, rugero und bernd sind weg, wir wissen nicht wohin und für wie lange. also warten wir auf den nachmittag und die abgemachte tour. ich fühle mich je länger je mehr wie in rosetti, kurze schöne ausflüge, aber eigentlich gebunden an führer. so ist es unklar ob wir ganz selbst uns organisieren sollen oder nicht, diese lähmende unklarheit ist für mich das schlimmste. halb vier wird es uns definitiv zu blöd. beim verlassen treffen wir bernd, der das missverständnis bedauert und uns eine richtung als tip angibt. in den felstürmen und höhlen, in täler und auf höhen bessert sich meine stimmung sofort. sehr feines pide in einem angenehmen locanta lassen auch diesen tag doch noch richtig gut werden.


22.7.03
Göreme - Kayseri
(Nachtzug nach Erzurum) abschied im villige house. um 10 uhr sitzen wir im bus nach kayseri, wo wir heute oder morgen den zug nach erzurum nehmen wollen. urs würde doch so gerne auf den Ertiyes Dagi 3916 müm. steigen. als wir uns in kayseri am bahnhof nach den zügen näher informieren, ist der vulkan aber kein thema mehr. ohne velo sind wir richtig heimatlos und wir sehnen uns beide wieder nach unserer unabhängigkeit. die ganze warterei aufs visa ist eine zerreissprobe. bescheid ob unsere visagesuche bewilligt sind gibt es erst am 29. juli. den tag verbringen wir mit einer stadtbesichtigung. wir fühlen uns sofort wohl. kaiseri hat viele grosszügige grünanlagen. beim mittagspicnic werden wir aber zurechtgepfiffen. ein aufseher weist alle geniesser auf die bänke. ohne grossen aufwand stossen wir auf die ältesten gebäude. ein teil des marktes befindet sich im burghof. fast pünktlich trifft der zug gegen 20.30 ein. auf meinen wunsch nehmen wir ein schlafabteil. mit begeisterung haben wir unsere "suite". für sage und schreibe 35 fr. pro person inkl. zugfahrt, beziehen wir ein 2er abteil mit lavabo und kühlschrank. urs stellt sich sofort vor, wie er am morgen vom bett aus aus dem fenster schaut.

23.7.03
Zugfahrt (Kayseri) - Erzurum
morgens um vier oder fünf erwache ich und schaue eine stunde der vorbeiziehenden landschaft zu. der zug fährt eine strecke wo keine strasse durchführt, enge canyons mit vielen tunnel, dazwischen talerweiterungen mit vergessenen weiler. mal hats auch eine burg und vis a vis eine kirche die in die felswand gebaut ist. vor erzincan münden wir wieder in das tal mit der strasse und ich kann weiterschlafen. in erzurum gehen wir in "unser" hotel yenisaray wo wir mareike und tommy, der eben eine halbe stunde vor uns eingetroffen ist. wir verabrden uns zum nachtessen und verbringen die zwischenzeit mit ordnen und waschen unserer sachen und natürlich internet. da es am abend regnet gehen wir bloss um die ecke, das gesellige abendessen runden wir mit bier und noch lange schwatzen im zimmer ab.

24.7.03
Erzurum
urs steht um sechs uhr auf, um das wetter zu beurteilen, denn wir möchten den hausberg von erzurum, den Palandöcken 3176 müm besteigen. nach dem gestrigen regnerischen tag scheinen die bedingungen i.o. zu viert, mit mareike und thomi geht es los. wir vereinbaren mit einem taxifahrer unter beihilfe eines deutschsprechenden türken einen fixpreis bis zum einstieg. das benzin ist in der türkei sehr teuer (ca. 1,9 fr.), demzufolge ist auch das taxifahren nicht billig. obwohl die türkischen taxifahrer taxmeter haben, verfügen sie bei touristen noch über einige tricks. der aufstieg dauert gute 2,5 std. vor dem gipfel werden wir von arbeitern der skianlage mit heissem cay erwartet. ein glücksfall, denn dicke wolken sind aufgezogen und es ist recht kühl. palandöcken ist das grösste skigebiet in der türkei (wurde uns erzählt). die anlagen sind alle ausser betrieb. eine passstrasse führt kurz unterhalb des gipfel vorbei. wahrscheinlich hat es selten wanderer. wir gehen noch bis zum höchsten punkt, aber der nebel verhindert den blick auf erzurum. beim abstieg zeigt sich die sonne wieder und erlaubt einen drink auf der sonnenterasse. ein türke der im urlaub ist fährt uns in die stadt. wir erfahren, dass er in köln taxifahrer ist. m hotel packen wir. morgen steigen wir nach zwei wochen pause wieder aufs velo. bin gespannt wie ich nach 10 tagen verdauungsstörung und einigen kilos leichter fahre.

25.7.03
Erzurum - Köpüköy
denises 40. geburi! also will ich noch vor dem frühstück ihren wunsch, das paket mit dem teppich auf die post zu bringen, erfüllen. der teppich gilt als denises geschenk, von 150 auf 50 $ runterhandeln musste sie aber selbst. alle details der türkischen postaufgabe sprengen den rahmen, es dauerte mehr als 3 stunden und unter anderem musste ich im museum ein gutachten erstellen lassen. statt der torte gibts biskrem chocolat, apfel und feige von mareike. aber das grösste geschenk für denise ist eh, dass es weitergeht. nach 13.00 ist es endlich soweit, wir fahren direkt ins erste gewitter. nach knapp 60 km wollen wir ein çay trinken, wir werden zu unserer grossen überraschung und freude von julien, einem schweizer aus der umgebung von freiburg begrüsst. er ist wie wir in der schweiz mit dem fahrrad gestartet und will nach indien. bald ist klar, dass auch wir heute nicht mehr weiterfahren werden. das geburimahl ist leider einmal mehr türkisches lammfleisch vom grill, das uns so langsam verleidet ist. auch zum anstossen gibt es nichts. dafür sms und mails. herzliche gratulation und dicker kuss zum 40.

26.7.03
Köpüköy - 16km vor Eleskirt
gemeinsames frühstück und start mit julien. es führt eine gerade bis zum nächsten und letzten grösseren ort vor dem passeinstieg. die landschaft wird sofort erfreulich und es hat wenig verkehr. es folgen wenige kleine weiler und dörfer. die menschen leben uner armseligsten bedingungen. es erinnert uns an rumänien. wir sehen grosse vieherden, kühe, schafe, geissen. nach dem pass (2290 müm.) machen wir mittagsrast. ein von urs prognosziertes gewitter um 14 uhr erreicht uns 5 min. vorher. unter der blache kann ich trotzdem meinen mittagsschlaf machen. nach einer std. ist wieder das schönste wetter. für das nachtlager finden wir einen lauschigen platz am bach, wo wir uns und die kleider waschen können. ein weiteres gewitter überrascht uns beim kochen. wir flüchten ins zelt und als es plötzlich auf das zeltdach trommelt, hagelt es mottenkugeln. nach knapp einer stunde sitzen wir wieder im freien und essen mein verspätetes geburtstagsessen, tomatenreis.

27.07.03
16km vor Eleskirt - Taslicay
am morgen nehmen wir in schönster sonne gemeinsam frühstück. sehr bald geht es 150 m über den nächsten pass mit skiliftstation, dann immer leicht bergab bis agri. dort verabschieden wir uns von julien, der dort bleiben will, da er sein visum für den iran erst in einer woche erwartet. die unangenehm neugierien kinder halten uns ab, noch bis ins zentrum zu gehen. während denise einkauft helfen mir 2 türkische männer die kinder auf distanz zu halten. gleich beim weiterfahren geraten wir in starken gegenwind. obwohl ich mich heute nicht fit fühle, (appetitlos bei 37,2 grad, vielleicht bin ich ein jammerionkel?) fahren wir mit 10-15 km/h im flachen fast 3 stunden weiter bis wir oberhalb der strasse bei einer alten kiesgrube einen geschützten platz finden. es bleibt viel zeit den spätnachmittag zu geniessen, uns zu waschen und für die nacht einzurichten.

28.7.03
Taslicay - Dogubayacid
der wind, der heftig das zelt verwadelt, weckt mich. wir raten, ob es heute " freiwind" gibt. leider bläst er immer noch von der falschen seite. trotz allem bleibt unser ziel dogubayacid, 35 km vor der iranischen grenze. wenn alles gut geht, werden wir morgen mit dem bus in erzurum das visa abholen. beim frühstück besucht uns eine schafherde mit zwei buben. die kinder werden oft zum hirten eingesetzt.
ir fahren wie bereits gestern durch ein breites tal weiter bis zu einem pass auf 2022 müm. die landschaft gefällt mir sehr gut. die weite, die vulkanberge und kleinen dörfer in der ferne, die verschieden farbigen felder und blumen. einzig die hirtenhunde machen mir zu schaffen. sobald ich sie von weitem sehe, werde ich wie ein brett. die unangenehmen begegnungen der letzten tage hinterlassen spuren. nach dem pass beginnt der wind mich Iangsam zu zermürben. windschatten fahren bei der zunehmend schlechter werdenden strasse ist eine kunst. auffahren ist für uns beide nicht lustig. zudem lassen die konzentration und die kräfte nach. das auftauchen des mt. ararat (5165 müm.) lenkt uns etwas ab. er sieht beim heutigen wetter beeindruckend aus.
die einfahrt in dogubayazit, ausgangspunkt für die besteigung des berges ist ernüchternd. der ort ist nichts erfreuliches und ich verliere nach fast zwei monaten türkei die nerven. nach dem 100. x "hello"," whats your name", schreie ich einen buben mit den gleichen worten eindringlich an und schmiere einem zweiten, der mir nachdem ich ihm nicht die gewünschte aufmerksamkeit schenke, mit stiropor ins gesicht funkelt, eines. vorwiegend männer und buben sind in gewissen gegenden und orten distanzlos bis unverschämt. das muss auch einmal gesagt werden.
ca. 6 km ausserhalb des ortes liegt der camping. er liegt beim berühmten "Ishak Pasa Sarayi", eines befestigten palastes auf einer anhöhe.
der wind bläst in der zwischenzeit so stark, dass fahren in dieser steilheit nicht mehr möglich ist. zufällig fährt der campingbesitzer an uns vorbei und transportiert unser gepäck. trotzdem bleibt der aufstieg eine kraftprobe. die anschliessende aussicht ist. fantastisch. wir werden sofort von türcken zum picknic eingeladen. erst nachdem wir uns eingerichtet und geduscht haben, setzen wir uns kurz zu ihnen. urs erfährt bei der tel. nachfrage beim konsulat, dass das visa noch nicht eingetroffen sei. wir sind beide sehr entäuscht.

29.7.03
Dogubeyazit
am vormittag besuchen wir den ishak pasa sarayi. er ist wenig oberhalb unseres zeltplatzes und gilt als die sehenswürdigkeit des ortes. es ist ein befestigter palast, erbaut 1685 durch eben ishak pasa, einen kurdenführer. ausser dem palast sind ruinen einer aelteren siedlung und befestigungsanlage da oberhalb der heutigen stadt. als kinder uns wieder mal zu stark bedrängen, lädt uns eine kurdenfamilie, die ausgewandert und jetzt hier zu besuch sind, zu einem çay ein. denise wird von den kindern sogar mit schmuck beschenkt. die leute erzählen über die armut und arbeitslosigkeit in der gegend. zu meinem erstaunen erwarten sie vom staat in keiner art und weise unterstützung. die bilder vom ararat und von hier, dass ich an die 1000 sfr für die besteigung und davon der grösste teil an den staat bezahlen müsste und umgekehrt ausser einer enormen militärpräsenz nichts zurückfliesst, machen mir den verzicht auf den berg definitiv klar. nachmittags gehen wir "downtown" ins internet. telefon mit konsulat. jupeee. morgen können wir unsere visa in empfang nehmen! (nach drei wochen hmmm) zurück im restaurant beim wirklich empfehlenswerten murat camping stossen wir darauf an und geniessen ein supernachtessen mit auberginenpürree und denise mit pouletschenkel.

30.7.03
Dogubeyazit Busfahrt Erzurum retour
tagwache um 04.30. wir packen unsere sachen zusammen, die wir während unserer abwesenheit sicher einstellen können. wir wecken den nachtwächter, der uns anschliessend zum busbahnhof fährt. beim busbahnhof sieht es nicht nach abfahrt aus, dafür gibt es den ersten cay. endlich geht es los und wir sitzen im bus einer anderen gesellschaft. nach einem unbegründeten stop von einer stunde erreichen wir das 285 km entfernte erzurum nach 5,5 std. ich bin schon auf 180. im konsulat ist der raum voll. als wir an der reihe sind wird klar, dass wir die 100 $ auf einer bank einzahlen müssen. nach weiterem verhandeln oder "stürme" wie urs es bezeichnet, erreicht er, dass wir das visum noch vor der mittagspause holen können. jetzt geht es um minuten. wir erledigen das weitere nur noch mit dem taxi. urs geht auf die bank, ich ins hotel yenisaray wo ich noch auf mareike und thomi stosse. sie hinterlassen uns zur grossen freude eine irankarte, die sie im doppelpack erhalten haben. unsere ist auf der reise spurlos verloren gegangen. in letzter minute erhalten wir unseren pass mit visa. freude herrscht! sofort zum busbahnhof in den bus nach dogubeyazit. urs hält das tempo fast nicht aus, sind wir doch in den "ferien" und mich treibt der teufel, will ich doch keine weitere nacht in diesem ort bleiben. die stimmung ist sehr angespannt. am bahnhof steht schon ein bus und nach der abfahrt tritt etwas ruhe ein. wir gehen zum 3. x die wunderschöne strecke durch und suchen unsere schlafplätze. seit erzurum sind wir in kurdischem gebiet. wir treffen fahrplanmässig im ort ein. am abend gibt es bei wiederholtem, feinsten türkischen essen ein abschiedsbier. wahrscheinlich das letzte für lange zeit.

31.7.03
Dogubeyazit - Grenze Iran - Maku
aufwachen ohne wecker, wie schön! wir erledigen in ruhe unsere sachen und geniessen die letzte mahlzeit in der türkei, ein richtiges zeltlizmorge mit heissem milchkaffee für denise. um elf uhr fahren wir in die stadt runter und ergänzen mit den restlichen türkischen lira unsere essvorräte. zum abschluss findet denise ausser toblerone auch echte barilla spaghetti. an der grenze wehrt sich denise so energisch gegen vordrängelnde lastwagenchauffeure, dass sie sich den respekt der irani sofort sichert und ich sie zurückhalte, weil ich bald schläge durch die aggressiven fahrer fürchte. schliesslich setzt denise sich mit allgemeiner unterstützung durch und wir kriegen den türkischen ausreisestempel. die nächste probe ist ein grenztor, das nur einen spaltbreit geöffnet wird, so dass fussgänger gerade durchkommen. mit unseren fahrräder unmöglich in der menschentraube auch nur ein bisschen vorwärts zu kommen. im haufen sind zwei iranische gleitschirm wettkampfpiloten. ich frage natürlich sofort nach flugmöglichkeiten und erhalte die adresse einer gleitschirmschule in teheran. als die insassen zweier reisecars neben uns durch sind, nimmt sich ein beamter unser an und 10 minuten später sind wir mit stempel im pass im iran. im gewühl noch einen fairen wechselkurs aushandeln, 20 $ wechseln, obligatorisches grenzfoto und weiter gehts. leicht bergab sind wir bald in maku. die stadt macht einen gepflegteren und westlicheren eindruck, als die letzten türkschen ortschaften. die leute sind auch hier sehr neugierg und das "hello" tönt auch hier von jung und alt quer über die strassen, wo wir auftauchen. heute aber empfinden wir es noch nicht als so lästig wie zum schluss in der türkei. kurz nach maku gibt es eine art park, wo wir unser zelt aufstellen können.