1.6.03
Sozopor - vor Lozenec
mövengeschrei weckt mich. ich bin gespannt auf den ort, denn am vorabend waren wir einfach froh, unter die dusche zu kommen. wir assen anschliessend im zimmer alle reserven auf. es ist mir oft fast unheimlich, was wir alles vertilgen. kiloweise brot (0,60 Sfr.), bisquit (200 gr. 0,70 Sfr.)und viel schokolade. wir schauen darauf, dass wir moeglichst viel inhalt und nicht nur verpackung kaufen. der einkauf und die esserei braucht viel zeit, da wir nicht so viel stauraum haben.
sozopol zeigt sich von der schönsten seite. wir bummeln durch die halbinseln und geniessen den spärlichen betrieb. der ort ist noch viel verschlafener als nesebar. auf jeden fall einen ausflug wert.
heute ist unser hauptziel, einen geeignten ort für kurzferien zu finden. ich stelle mir einen camping mit meerblick und sauberer infrastruktur vor.
nach ca. 5 km fahrt, wäre unser ziel erreicht gewesen, und doch zog es mich weiter. eine wunderschöne küste folgte, aber kein weiterer camping. ich sitze jetzt am strand und urs sucht weiter nach meinem "traum"! urs kommt etwas entäuscht zurück. er fand die landschaftlich schönsten campingplätze, die aber noch nicht zugänglich sind vor. die leute sind wie wild am mähen, putzen, malen, bauen und flicken. es ist totale aufbruchstimmung, denn die saison beginnt wirklich erst mitte juli. er fand aber einen kleinen bungalov mit wc, boiler und einer schönen veranda zum kochen. obwohl wir die einzigen gäste weit und breit sind, fühlte ich mich sofort sehr wohl. der nächste ort ist ca. 1,5 km entfernt und das meer hörbar und in ein paar schritten zu erreichen.



2.6.-5.6.03
vor Lozenec
wir machen richtig ferien.
unser standort ist ein hit. täglich suchen wir uns eine schöne bucht zum verweilen. am letzten tag war das wasser so warm, dass wir badeten. einfach herrlich. der süden von bulgarien ist für badeferien wärmstens zu empfehlen. natur pur, goldstrand, felsen, buchten und dazwischen wiesen. wir beobachten schlangen (hat es in bulgarien sehr viele), krebse und wie immer die vielen vögel. zwischendurch ein paar lovesongs von "radio varna", mittels mikroradio, das ich in budapest für den "kulturaustausch" erstanden habe. wir lesen abwechslungsweise das taschenbuch "am rande des wahnsinns" von helen fielding , das wir in varna erstanden haben (nur für die ferien zu empfehlen) und im lonely planet, "istanbul tu katmandu". wenn alles gut geht werden wir morgen in der türkei einfahren.


6.6.03
nach Lozenec - Grenze Türkei - Dereköy
schweren herzens verlassen wir das meer, on the road again, das nach so kurzer aber so genossenen zeit. die strasse steigt permanent, unterbrochen nur durch die abfahrt über 200m zu einem bach. die gegend ist vorwiegend bewaldet, wunderbare landschaft. in malka tarnovo, der letzten ortschaft vor der grenze kaufen wir für unsere letzten lev ein, gibt eine ganze menge für 15 lev. mit noch schwerem rad gehts durch grosse hitze zur grenze hoch, 666 müm. an der türkischen grenze werden wir per handschlag empfangen. die strasse ist weniger freundlich aber führt uns endlich doch in die erste türkische ortschaft. zum glück haben wir an der grenze zwanzig dollar gewechselt, so können wir einen ersten türkischen kaffee nehmen. dort spricht uns einer an, zeigt fotos anderer radfahrer die da waren und empfiehlt uns bei einem restaurant mit fischzucht zu übernachten. das zelt ist bald aufgestellt und wir lassen es uns bei sehr feinem essen gut gehen, wunderbarer empfang in der türkei!


7.6.03
Dereköry - Vizeum
sieben uhr ist nach einer recht kalten nacht alles taunass. wie jeden morgen zelt räumen, zum trocknen an einen sonnenplatz stellen kaffee kochen, frühstück, abwasch und morgentoilette mit umziehen, packen, zelt zusammenfalten. um neun uhr starten wir in die erste steigung, es ist bereits heiss. wir brauchen zwei stunden in die dreissig km entfernte, erste türkische stadt, kirklareli. riesengetümmel, marktstände, alle arten geschäfte, eine bunte, erstmals orientalisch anmutende stadt. währungspüffer und sprachschwierigkeiten hindern uns nicht, zu bestem brot und türkischem kaffee zu kommen. nach einer stunde gehts über den nächsten hügel weiter. es ist nun wirklich heiss, der schweiss rinnt. die von denise erst euphorisch goldkäfer genannten viecher, weil sie einen goldig schimmernden körper und leuchtend grüne augen haben, entpuppen sich als blut rünstige beissende oder stechende fliegenart, die uns in den steigungen zusätzlich plagen und das anhalten verunmöglichen. wie manche steigung zwischen hundert und zweihundert höhenmetern wir so durchgeschwitzt haben ist nicht gezählt, da ich zuwenig finger dazu habe und die zehen in turnschuhen auch nichts helfen. unglaublich das gehupe und gewinke auf und neben der strasse, wir oder zumindest unsere nackten beine sind die attraktion. ein minibusfahrer fragt uns ob wir mitfahren möchten, was wir ablehnen. einige minuten später kommt er uns wieder entgegen, mit einem cola für uns. jeder halt braucht zeit, weil sofort jemand da ist, der meistens mehr schlecht als recht deutsch oder englisch spricht und alles über uns und unsere reise wissen möchte. abends in vize suchen wir ein hotel, da wir unbedingt eine dusche brauchen. mit einem weiteren sehr feinen essen und anschliessender fragestunde im hotel, zu vielen fragen über die türkei, beschliessen wir den tag.


8.6.03
Vize - Silivri
um der sonne zuvor zu kommen, sitzen wir bereits kurz nach 7 uhr vor einem türkischen kaffee und frischem brot. wir werden von vielen männerblicken beobachtet. die trennung von mann und frau in der öffentlichkeit ist seit der grenze offensichtlich. nachdem ich gestern von der tochter des hotelbesitzers erfahren habe, dass sie im sommer kurze röcke und shorts trägt, dass heisst die islamischen tratitionen in dieser gegend längst durchbrochen sind, gebe ich mich heute gelassener. ich werde erst in istanbul einen praktischen rock zum schnell überziehen, in aller ruhe kaufen. das kopftuch scheint im moment absolut überflüssig.
wir kommen heut zügig voran und erreichen nach einer ausgedehnten siesta das "marmara dentizi". die aussicht aus der höhe in richtung meer war eindrücklich. wir finden einen belebten camping voll türken und testen sogleich das wasser. es ist einige grade wärmer als am schwarzen meer. langsam setzen wir uns mit dem weiteren weg unserer reise auseinander. bis istanbul war die route mehr oder weniger klar. aber welchen weg wir durch die türkei nehmen sollen, steht noch nicht fest. wir sind offen für alle anregungen der leserInnen. was wisst ihr über das land.?

9.6.03
Silivri - Istanbul
mit zelt und frühstücken dauerts halt länger, wir kommen erst um halb neun uhr los. nicht gerade die schönste etappe auf zwei bis dreispuriger strasse. der gegenwind ist stark, wir kommen nur langsam vorwärts. dafür denke ich mir, dass die hitze vor allem auch in den zahlreichen steigungen definitiv nicht zu ertragen wäre. wir suchen immer wieder alternative kleinere strassen, meist geht das nur für einige hundert meter. die stadt beginnt mit ersten hochhaussiedlungen 50km vor dem zentrum. ca 30 km vor dem zentrum können wir endlich der küste entlang abzweigen, die letzten 15 km können wir wunderschön auf einem fussgängerquai durch pärckchen und an 1001 essständen vorbei fahren. nachdem wir schon am mittag gutes fischessen hatten, rationieren wir uns: alle fünf kilometer ein imbiss. die stadt selbst übertrifft alle erwartungen. istanbul, konstantinopel, asien, bosporus, orient. alles liegt verzaubert ausgebreitet für uns zum erkunden bereit. wir beschränken uns auf die suche nach der jugi, ein taxifahrer weist uns ungefragt den ort, wir fühlen uns wohl und aufgehoben. das essen wird im touriviertel anstrengend, alle zwei meter "where from are you", um das gespräch zu suchen und irgendwas zu verkaufen oder das restaurant zu empfehlen. schade, so kann man nichts länger anschauen.

Istanbul


10.6.03
Istanbul
wie immer höre ich bei sonnenaufgang (halb 5)den singsang, (aufruf zum gebet) aus den lautsprechern der vielen minarette. wir wohnen inmitten der wichtigsten moscheen und kulturgüter. erstaunlich gering ist hier der verkehr.

Aussicht aus der Jugi
in der jugi trafen wir am vorabend eine medizinstudentin aus zürich, die istanbul ihr praktikum macht. sie kommt ursprünglich aus der türkei und kennt die stadt bestens. so landen wir nach einer spannenden überfahrt mit dem schiff in asien, um einen der grössten märkte istanbuls zu erobern, der jeweils nur am dienstag ist. die stadt ist einfach überwältigend. es herrscht ein unbeschreiblicher betrieb, aber geordnet und stressfrei. nach rechts und links sind die hügel entlang des bosporus bebaut und riesige paläste, festungen und moscheen sichtbar.
wir landen auf einem "alltagsmarkt" dominiert von kleider, schuhen und haushaltartikeln. wir dachten eigentlich eher an einen orientalischen markt. wir tauchen trotzdem einige stunden richtig in das markttreiben ein.

Bazar
bei sonnenuntergang sind wir wieder in unserem stadtteil und geniessen die ruhe und den anblick der blauen moschee und st. sophia.