11.6. - 13.6.03
Istanbul
istanbul hat uns so gefangen, dass wir am abend todmüde ins bett fallen. wir besichtigen orientalische märkte, betreten das erste mal moscheen und laufen hunderte von strassen auf und ab. die führung durch den Dolmabahce palast brachte uns das leben der sultane näher. die räume sind noch mit prunkvollen oiginalmöbel bestückt. vom Galata turm, den wir bequem mit dem lift "bestiegen", genossen wir die herrliche rundsicht. in der neustadt befinden sich wunderschöne alte gebäude und der betrieb ist viel westlicher.
trotz der währung und den preisen haben wir es nach einigen früsten langsam im griff und fangen an richtig zu "märte". die preise variierten z.b. für eine flasche wasser bis zu 100%. so bleibt der hals gelegentlich für kurze zeit trocken, bis der preis realistisch ist. mit dem essen ist es so eine sache. die türken sind immer am essen und die stände mit kebab und co. drängen sich uns richtig auf. wir essen immer wenig, dafür den ganzen tag. in istanbul könnten wir punkto essen gut überleben. die weitere planung ist ein dauerthema. in anbetracht der heissen temperaturen die uns im süden des landes erwarten würden, werden wir uns tendenziell nördlich, d.h. konkret an die schwarzmeerkueste halten. wir wissen eher wenig über die gegend. wir wurden von einem kurdischen teppichhändler zum tee eingeladen und erfuhren einiges zur politischen situation im land. wir könnten uns den ganzen tag zum tee einladen lassen. die einheimischen suchen den kontakt, sind aber nicht immer nur am verkauf interessiert. seit dem 11. sept. sei ein starker tourismuseinbruch spürbar.
zur krönung des tages erstanden wir drei kleine, orintalische lampen für unser relaxzimmer. den glücklichen kauf feierten wir bei einem bier und wurden gefragt, ob wir in den flitterwochen seien.- die stadt wäre tatsächlich zum "flittern" geeignet. am freitag dem 13. fahren wir mit dem kursschiff durch den bosporus bis zur letzten ortschaft. die zwei stunden bis zur rückfahrt nutzen wir um zu einer festungsruine zu gehen. dort oben sehen wir über weite strecke den bosporus und "unser" schwarzes meer. im lauen meerwind halten wir herrliche siesta auf der festungsmauer. einzig die abfallberge trüben die stimmung von denise.abends besuchen wir als höhepunkt dieses entspannenden tages das älteste hamam von istanbul aus dem jahr 1584. vollservice, ich fühle mich, wie sich wohl die kleider nach der reinigung fühlen.

Sultan Ahmet Camii in Istanbul


14.6.03
Istanbul - Sile
abschied von der jugi (jücelt interyout hostel). wir fühlten uns hier rundum zufrieden. das päckli mit überlast und den erstandenen souvenirs ist für den versand bereit. was später folgt wäre "freitag den 13." reif gewesen. obwohl wir den päckliversand vorabgeklärt hatten, war die packetpost über 2 kg zu. da wir in den tag hinein leben, haben uns die wochentage schon oft einen streich gespielt. wir hätten das packet in zwei kleine umpacken können, aber das war eine aufwandfrage und urs glaubte der briefwaage nicht, die gerade 3,4 kg angab. erinnerungen an bolivien wurden wach, als wir wolle über tage mitfuhren. mit riesenpack mehrlast geht es in richtung bosphorusbrücke. wir finden den einstieg nicht. nachdem ein aufahrunfall, wahrscheinlich weil der automobiliest zu intensiv uns betrachtet hat, geschieht, fragen wir eine alarmierte polizistin nach dem weg. sie kann nur wenig englisch, aber es wird sofort klar, dass wir nichts auf der brücke verloren haben. urs hat am vortag vom schiff aus die brücke als velotauglich erklärt. noch immer gibt er sich nicht geschlagen. nach einem schweisstreibenden aufstieg sehen wir die autobahn. erst nachdem die polizei auf der brücke ersichtlich ist, wird das projekt vergessen. nach knapp 15 minuten sitzen wir auf dem schiff, das uns im schnelltempo nach asien fährt. zum abschluss genehmigen wir uns ein kebap. asien ist uns wohl gesinnt. die erste post nimmt freundlich unser pack (6,5 kg) entgegen und wir finden nach einer zickzackfahrt ziemlich direkt die gewünschte strasse nach sile. bei starkem verkehr und hügliger landschaft erreichen wir um 20 uhr den zeltplatz.

15.6.03
Sile - Agva
ein scheinbar nicht zu strenger tag steht an. durch waldige hügel steigt die strasse auf 300 müm. dort wieder etwas im landesinnern gibt es dörfer und landwirtschaft. viel hafer, weizen und gerste. dazwischen wenige kühe und gelegentlich umherziehende schafherden mit hirt. auf der strasse hat es nebst den überfahrenen igeln eidechsen, schlangen und selten landschildkröten. höhenmeter und zeit vergehen, bloss die distanz bleibt scheinbar stehen. ist in so schöner landschaft kein grosses unglück. in agva sind wir auf einem schäbigen camping für zehn SFr, dafür können wir noch ins meer und das stranddasein geniessen.
unsere karten sind allesamt zu schlecht. die strecke beträgt auf allen drei karten angesichts der topographie strenge 80 km. so starten wir früh. da es aber vor dem mittag kaum wind hat, sind wir schon bald tropfnass vor schweiss. die strecke ist landschaftlich etwa wie gestern. es hat noch mehr landwirtschaft. am strassenrand können wir frisch gepflückte kirschen kaufen, daneben wird weizen geerntet. es hat nun auch baumnussbäume und grosse plantagen haselnüsse. haselnüsse sollen das wichtigste exportprodukt der region für europa sein. nach 65km ist unser ziel noch mit 45km angegeben, wir sind wegen der grossen hitze, es ist der heisseste tag auf unserer bisherigen reise, und der vielen höhenmeter erschöpft. was folgt erinnert mich an die strecke nach tulcea, über 10% steigungen 50-100 meter rauf und ebenso wieder runter, zu schalten braucht man nicht, der 1. gang tuts. in einer solchen steigung machen wir unter haselnusssträucher rast, als zu unserer grossen freude und überraschung ein radfahrer den hügel runterkommt. es ist ein pensionierter deutscher (seine homepage: www.morche-fuerth.de), der auf dem rückweg von seiner reise rund ums schwarze meer ist. wir tauschen für uns wichtige infos über den weiteren streckenverlauf und die aktuellen sorten bisquits aus, höhepunkt sind mit feigen gefüllte. so psychisch und physisch gestärkt schaffen wir den rest noch. bei sonnenuntergang können wir auf einem platz den sie camping nennen, uns endlich unseren abenritualen widmen.


17.6.03

Karasu - Akcakoca
morgens stehen wir auch ohne wecker kurz nach sieben auf, es wird im zelt unerträglich heiss, sobald die sonne scheint. ein türke der dreissig jahre in deutschland gearbeitet hat besucht uns beim frühstück, wir erfahren einiges über die türkei aus seinem blickwinkel. um zehn uhr fahren wir los, es ist schon sehr heiss, aber die strasse schnurgerade und flach. nach einer stunde haben wir schon über die hälfte der tagesstrecke und machen an einer einsamen stelle der unendlichlangen sandküste eine lange rast. in der grössten mitagshitze fahren wir weiter, doch ändert sich die strasse. alter, holpriger belag und durch haselnusswälder sehr steil hoch und runter. denise vertritt so eine theorie von minimalgeschwindigkeit und fährt mir davon um völlig ausser atem und überhitzt aber oben an der steigung auf mich zu warten. die folgenden der insgesamt vier solch traurigen steigungen wird das velo dann doch zeitweise geschoben. so treffen wir am frühen nachmittag im ort ein und fahren gleich zum ersten camping runter. da uns dieser wieder nicht überzeugt schieben wir die steilste strasse die ich gesehen habe, also ganz sicher deutlich über 20% die räder wieder hoch. so finden wir einen wunderschönen platz. terassiert zum meer hinunter, gute infrastruktur und tadelloser zustand. hier werden wir nun zwei nächte bleiben. leider kommt ein frischer wind auf und der himmel bedeckt sich. ich sitze hier in langer hose und pullover und habe gerade warm, so schnell kann das hier ändern. aber eben, ein guter camping hat schliesslich eine küche und auch ein restaurant.

Akcakoca

Akcakoca

18.6.03
Akcakoca
frauen- und waschtag. ein wunderschöner morgen beginnt. ich bin etwas angespannt, weil mein vater heute eine grosse herzoperation hat. am frühen nachmittag die meldung, dass soweit alles gut geht. wir machen einen spaziergang in den ort und zum hafen. ein kreativer architekt hat an der promenade mit uralten gegenständen (pflug, pferdewagen, vasen) und eigenen objekten gewaltet. im gegensatz dazu wirkt die moschee futuristisch. urs nimmt ein bad am ortstrand. die wellen sind im nach der gestrigen gewitterstimmung zu langweilig.
mit lesen und fein kochen vergeht der tag auch ohne "steigungen" wie so oft sehr schnell.


19.6.03
Akcakoca - nach Oeren
ich wäre ja gerne noch länger geblieben, aber wir hätten unsere ferien gehabt und seien noch wochenlang am schwarzen meer und zum baden sei es auch nicht optimal. da das alles stimmt, fahren wir mit pause noch vor dem mittag in eregli ein. die fahrt nach defrek schätzen wir streng ein und wollen desshalb noch ein paar km fahren. wir erwischen am hafen eine kleinere strasse die nicht eingezeichnet ist. aufgrund unserer karte ist die hauptstrasse die äusserste strasse gegen das meer und unsere müsste bald einmünden. trotz der lieben warnung eines automoblisten fahre ich die ersten zweihundert höhenmeter hoch und wieder runter. ebenso die zweiten und die dritten. endlich nach völlig kräfteschleissenden zwanzig km treffen wir auf 500 müm, also altenbergsteg in bern, auf die haupstrasse. acht km und die ganze höhe brauchend können wir retour richtung eregli sausen, wir sind weiter als die abzweigung nach devrek. schlotterkarten. dafür konnte ich eine schildkröte von der strasse retten, der ausflug war schön und die aussicht prächtig. war eigentlich fast ein glück. der gedanke die zeit am strand verbracht zu haben und jetzt bloss zehn km zurück in einem gemütlichen hotel unter der dusche zu stehen verdrängen wir. so fahren wir nach einem nachtlager suchend und schon lange müde weiter. schliesslich landen wir bei einem grillrestaurant ohne dusche und vier angestellten die jede bewegung beobachten und mit uns das gespräch suchen obwohl sie nur türkisch sprechen.


20.6.03
nach Oeren - nach Gökcebey
bei zeitweise bedecktem himmel sitzen wir schon früh auf den sätteln. ich bin ganz froh, dass es gelegentlich sonnenfrei ist. die schwitzerei setzt nicht nur mir zu. meine ledrigen radhandschuhe lösen sich buchstäblich auf. jetzt hoffe ich sehr, dass der ersatz dann brauchbar ist.
nach einigen hügeln erreichen wir den pass babadag auf 720 müm und machen rast. das kuhglockengebimmbel erinnert an eine schweizer alp. die gegend ist voll kleiner dörfer und wir werden von allen, erfreulicherweise auch von den frauen, sehr freundlich und nicht aufdringlich begrüsst. im grösseren ort nach dem pass werden wir zum vielgetrunkenen schwarzteet "cay" eingeladen und erhalten die instruktion zum camping. wir landen nach 20 km. in einem besseren hotel im park, das scheinbar erst in einigen tagen den camping und eine grosse badeanlage öffnet. wir dürfen die dusche eines hotelzimmers und das wc des küchenpersonals benütze. die köche des restaurants versorgen uns mit wasser und cay und dürfen uns dafür in den kochtopf schauen.