1.5.O2
Budapest - Kecskemet
es ist 1O uhr. wir haben ausgecheckt und wir sitzten bereit wieder am netz.
das handy hat auf eine fehlmanipulation von mir das tagebuch "verschluckt".
heute geht es weiter in richtung osten.
um aus der stadt zu kommen müssen wir eine grosse strasse nehmen, zum glück steht hier am tag der arbeit immer noch fast alles still. bereits nach 15 km können wir eine keine rumpelstrasse nehmen. mit freundlichem freiwind geht es zügig in die ebene der puszta. uns gefällt es auf kleinen strassen durch das dünn besiedelte land vorbei an gänsen, pferden storchen und treibhäusern mit... erdbeern zu sausen. obwohl wir erst am mittag starteten erreichen wir um halb sieben nach knapp fünf stunden reiner fahrzeit und 107 km den zeltplatz, wo zu unserer freude sich pünktlich die ersten maikäfer zeigen.

2.5.03
Kecskemet
frauen- und waschtag. wir liegen zwischendurch bei fast 30' vor dem zelt und geniessen das "nichtstun". am nachmittag machen wir einen stadtbummel. im zentrum befinden sich auf engstem raum schöne bauten aus verschiedenen zeitepochen. im vergleich zu budapest sind dis strassen fast autofrei. mit schrecken stellen wir gegenseitig sonnenbrand auf den schultern fest. wir sehen aus wie zebras, nur braun-weiss-rot im wechsel. mit einem rotwein aus der region runden wir das feine essen ab und ich versuche mich im schach gegen urs.

03.05.03
Kecskemet - Szentes
Morgens erschrecken uns einige wenige Regentropfen, wir packen unser Puff in Eile und zick zacken aus der Stadt. Starker Wind aus suedwest unterstuetzt und meist, nach ein paar kilometer gegen den wind schätzen wir das immer wieder aufs neue. die landschaft ändert kaum, eben mit viel landwirtschaft. csongrad, ein kleines städtchen auf das wir uns freuten ist sehr lauschig, aber nichts aussergewöhnliches. beim weiterfahren verpassen wir zum erstenmal die richtige strasse, wir fahren in ein grösseres quartier am fluss in welchem alle häuser auf stelzen gut zwei meter über boden gebaut sind. in szentes sind wir vom ganz anderen, für uns attraktiverem, ortsild überrascht. das zelt stellen wir in einem bescheidenen zeltplatz am rande des freibades mit vollbetrieb auf. die zeit erlaubt uns gemütliche rückschau, planung und kochen.

Brunnen in Szentes

04.05.03
Szentes - Gyula
tagwache ist heute ausnahsmsweise früh (ca. 7 uhr), da wir im grenzort gyula übernachten wollen,der uns in budapest empfohlen wurde. in der regel sind wir in 2 std. mit gemüthlichem frühstück startklar. heute bläst der wind leicht von allen seiten, bei den langen graden geht es aber zügig vorwärts. ackerfelder bis an den horizont und der duft von blühendem flieder begleiten uns die nächsten stunden. es ist sonntag und die nebenstrassen fast leer. eigentlich ideal zum träumen. der schlechte belag der strasse erfordet aber grösste konsentration. kurzer kaffehalt in oroshaza. den mittagsrast machen wir in einem lauschigen garten eines verlassenen bauernhauses. die abwanderung vom lande scheint aufgrund der vielen ruinen sehr gross. gyula empfängt uns mit charme und wir machen auf "touristen" und trinken als erstes ein bier. auf dem zeltplatz hat es richtig viele pensionierte deutsche, die sich liebevoll um uns bemühen.

Ebene bei Gyula


5.5.03
Gyula - Tinca
in gyula sind wir auch morgens in guter ferienstimmung, ein ausgiebiges, reichhaltiges frühstück zum abschied aus ungarn, besichtigung des einladen ortes. für uns einer der schönsten und angenehmsten orte die wir in ungarn gesehen haben. ich nehme kaffee und kuchen denise geht eine halbe stunde ins internet. so starten wir erst gegen mittag. weiterhin durch die ebene, aber neu für ungarn auf einem wirklich guten radweg. nach der letzten ungarischen ortschaft, sarkad, gehts praktisch verkehrsfrei über eine mehrere kilometer lange gerade zum zoll im niemandsland, danach wieder zwölf km schnurgerade nach salonta.

Grenze nach Rumänien
rumänien macht einen ärmeren eindruck. die riesige ebene ist oft nur grasland mit schafen. die äcker werden mit dem pferd oder manchmal gar von hand mit der hacke bearbeitet. überall in den dörfer watscheln gänse mit ihren jungen durch die strasse. dazwisch hühner,schweine, geissen. der lastentransport geschieht mehrheitlich noch mit dem pferdefuhrwerk. in den ortschaften hat es bettelnde kinder, zum ersten aber sicher nicht zum letzten mal, so können wir uns auch neu auch an das angewöhnen. spätestens als der überlandbus auf dem staubigen dorfplatz einfährt, die leute mit ihren grossen säcken aussteigen, werden wir stark an ähnliche bilder in bolivien erinnert. die leute haben auch ganz anderes aussehen gegebüber dem einige km entfernten ungarn, meist sehr dunkelhäutig und ganz anderen gesichtszügen. das rumänisch tönt für unsere ohren wieder vertrauter, mit französisch, italienisch und viel phantasie versteht man vieles. so können wir uns zum haus vom österreicher ernst wampler, der adresse die wir in der jugi von judenburg erhalten haben, durchfragen. zur zeit ist niemand zu hause, so sitzen und schwitzen wir in der noch immer sehr heissen spätnachmittags sonne und halten am strassenrand neben gans und schwein den ersten teil unseres abendrituals. o beim warten lädt uns ein rumänischer nachbar zum kaffee ein. die verständigung klappt so gut, dass wir schon bald ihr haus gesehen und ihre verwandtschaft mit fotos kennen. schliesslich kommt ernst doch vom angeln heim. gemeinsam mit den rumänen trinken wir noch ein bier. es ist schon dunkel als wir zu ernst gehen. obwohl wir eigentlich satt sind kriegen wir noch suppe und dessert. ernst erzählt von seiner zeit in der schweiz von 1959 - 1962, in seiner wahrnehmung und zu dieser zeit kommen uns seine erlebnisse fremd vor. schliesslich legen wir uns doch noch im gästebett nieder.

Ernst

6.5.03
Tinca - Nucet
sanfte hügel auf und ab nähern wir uns einem berg mit resten schnee, welcher bereits gestern fern am horizont auszumachen war. die luft flimmert bei über dreissig grad, die silbrigen dächer und kuppen der kirchen mit ihren mindestens drei tümen und türmchen glänzen schon von weitem der auf unserer karte (1990) noch eingetragene camping existiert nicht mehr, auch das thermalbad scheint ausser betrieb und am verfallen. so stellen wir unser zelt auf einem öffentlichen picknickplatz mit trinkwasserquelle auf, nachdem uns versichert wurde, dass dies sowohl gestattet als auch absolut sicher sei.

7.5.03
Nucet - Arieseni
der öffentliche platz wurde gestern abend noch lange und laut von jugendlichen benüzt. entsprechend ausgeschlafen beschlossen wir, da der gestrige tag doch recht streng war nur zum nächsten camping in gut 30 km über den pass zu fahren, um wieder mal waschen und duschen zu können. der pass war wunderschön und praktisch verkehrsfrei. doch führte er wenig neben dem schneeberg wieder einmal zu einem skilift in doch 1200 müm. das sanfte tal hinunter sah es sehr gepflegt aus mit nun doch einigen auch neuen angeboten wohl für rumänische touristen. selbst in den steilsten äckern, die bestimmt auch im emmental nicht mehr genutzt würden, sind pferde und leute mit hacken am acker bestellen. schaut man den bergbach und die wälder an, könnte man sich hoch in den alpen wähnen. der angepeilte camping existiert. für einen franken darf man aber nicht mehr infrastruktur erwarten als vorhanden ist.

8.5.03
Ariesieni - 11 km vor Turda
eine anhängliche hündin hat uns in der nacht gut bewacht. obwohl ich in der regel am morgen immer früh wach bin, habe ich seit zwei tagen rüdig mühe. mir kommt in den sinn, dass wir die uhr in rumänien um eine stunde vorgestellt haben. heute fahren wir den ganzen tag dem bach entlang, der auf pass entstanden ist. was auf unserer 1:1'000'000 karte so nah aussieht ist doch immer so weit, heute wissen wir zwar, dass es deutlich über hundert km geben würde, fahren trotzdem im geist los, vielleicht geht es ja. zwischendurch ist wegen der schlechten strasse nur langsames, anstrengendes fahren möglich. müde nehmen wir nach fast sechs stunden fahrzeit und 115 km, 11 km vor dem zeltpatz in turda ein zimmer. für nicht ganz vierzig franken sind wir in einem recht sauberen 3 sternhotel. die landschaft war die ganze zeit über wunderschön und abwechslungsreich, das tal mal weiter, mal enger. bis auf wenige km vor und nach grösseren ortschaften weiterhin fast verkehrsfrei, und die hälfte des verkehrs sind pferde- und ochsenfuhrwerke.
anmerkung: urs hält mich unerwartet, ohne erkärbaren grund an und strahlt. zum 2000 endsten km erhalte ich einen heissen, leicht salzigen kuss.


9.5.2003
nach Klausenburg (Cluj-Napoca)
nach 10 km holpriger Strasse treffen wir in turda ein. endlich wieder mal eine richtige stadt mit industrie und einem schönen altstadtkern, inklusive dorfkern. am tag des militärs wird dieser platz zu unserem glück verkehrsfrei. wir geniessen unser kaffee bei (trotz?) militärmusik. auf einer zweispurigen strasse verlassen wir den ort auf einer sicher asphaltierten verbidungsstrasse nach clui und ächzen an der seite von "brummis" den nächsten pass über das beginnende hügelland. das ganze land wird bewirtschaftet und die tierhaltung in den dörfern nimmt ab. wir erreichen cluj-napoca, in der region siebenbürgen, das uns vielfach empfohlen wurde. die stadt fesselt uns sofort. die vergangen besetzungen und siedlungen von ungarn, deutschen und türken sind in der vielfältigen architektur noch sichtbar (verzirungen, türmchen, balkone). auch hier ist feststimmung und ein teil des zentrums gesperrt. wir logieren am hauptplatz in einem alten, wunderschönen drei stern hotel, das auch zimmer im verbund der jugenherbergen hat. im fernsehen (im zimmer!) vernehmen wir, dass rumänien eine hitzewelle hat. dies wird uns am späteren abend von zwei studierenden bestätigt, die wir bei der ersten rumänischen pizza und wein (ausgezeichnet!) kennenlernen. die studentin studiert sozialarbeit und wir erfahren spannende detais aus der vergangenheit und der zeitgeschichte rumäniens.

10.5.03
Cluj-Napoca
ruhetag. stadtbesichtigung und gemütliches biertrinken und nationale hackfleischwürstchen essen (mici) im festgetummel. der nationlistische stadtpräsident prägt das stadtbild. viele öffentliche einrichtungen sind in den nationalfarben gestrichen (abfalleimer, kinderrutscbahn, abschrankungspfosten, bänke) und die fahne ist omnipräsent. im wunderschönen speisesaal des continental ist eine hochzeitsgesellschaft und die musik begleitet uns in den schlaf.