11.5.03
Cluj-Napoca - 25 km vor Tirgu Mures
nach ca. 30 km nach cluj, von dem wir gesäumt von einer fahnenallee abschied nahmen, fuhren wir auf der wahrscheinlich schönsten nebenstrasse rumäniens über 8 hügel zwischen 50+130 höhenmetern und weiteren auf und abs. wir konnten die unberührte natur geniessen und das sonntägliche treiben der schäfer (scheren) und bauern verfolgen. die abfallberge, die bis anhin die schönste natur trübten, waren verschwunden. überraschend treffen wir auf einen gleichgesinnten, christian goosmann aus berlin. er fährt in die gegenrichtung. wir tauschen die natelnummern aus, da es vielleicht ein wiedersehen am roten meer gibt. fürs nachtlager folgten wir einem wegweiser eines klosters. müde standen wir nach mehrfachem durchfragen am fusse des klosters, das sich auf der anhöhe befand. wir entschlossen uns bauern für das nachtlager zu fragen. ein herrliches erlebnis! besuch der kühe und schafe am bach, ein teller voll einheimische kost, frische milch und eier zum frühstück und ein amüsantes gespräch mit den gastgeberInnen. im austausch versorgten wir eine septische wunde und hinterliessen schal und handschuhe. wieder ein paar gramm leichter geht es weiter


12.5.03

Tirgu Mures - Sighisoara
tirgu mures ist eine grössere stadt mit recht schönem altstadtteil. unsere besichtigung dauert nicht zu lange. bald fahren wir auf der haupstrasse nach sighisoara. die landschaft bleibt ähnlich aber weiter. die täler werden breiter und länger, die aufstiege dementsprechend seltener dafür länger. gegen die stadt werden es wieder recht enge, relativ tief und steil eingeschnittene täler. laufend schöne, interessante dörfer entlang unserer route. zum erstenmal sehen wir auch stände am rand der strasse wo regionale produkte wie geflochtene schilfhuete und taschen oder wolltepiche hergestellt und verkauft werden. der zeltplatz liegt 150 m über dem städtchen, miserabel ohne wasser und toilette, aber mit acht franken teuer. wir essen dort im restaurant, da die stadt zu weit ist und verschieben den besuch auf den nächsten tag.


13.5.03

Sighisoara - Homorod
am vormittag sind wir wie beschlossen rasch im wunderschönen sighisoara, ein höhepunkt, der uns sehr anspricht. mittelartelich am hügel gebaut, gut erhalten und touristisch angemessen erschlossen. in schönster mittagssonne mit weiterhin deutlich über dreissig grad, aber heute angenehm kühlendem gegenwind, fahren wir auf der hauptstrasse weiter. hauptstrasse heisst für uns sehr guter schlaglöcherfreier belag, genug breit dass lastwagen platz bleibt zum überholen und trotzdem für schweizerische verhältnisse sehr wenig verkehr. die ortschaften zeugen von vergangenen guten zeiten, meist zweistöckigen häusern mit veranda, gelegentlich schön verziert und mit grossen toreinfahrten. uralte imposante kirchen, teilweise zu wehrkirchen umgebaut. wir sehen auch eine bauernburg auf einem hügel bei rupea. gemäss literatur war dies nicht wie bei uns eine burg der ritter, sondern der bauern. wir verlassen die hauptstrasse, um in rupea eine schlafgelegenheit zu suchen. der deutschsprachige pfarrer weist uns ins benachbarte homorod. dort finden wir johann thome, den kurator der wehrkirche des ortes. er führt uns ins leere pfarrhaus, welches für solche besuche eingerichtet wurde und vermietet wird. wieder mal konnten wir uns wohl wie zu hause fühlen. anschliessend führte er uns durch die kirche und erzählte höchst spannden aus der geschichte der besiedelung durch die mosel franken (fast holländer, wir verstehen ihren dialekt nicht) im 14. jahrhundert. die besiedelung geschah in praktisch ungenutzte waldregion im karpatengürtel auf einladung des ungarischen kaisers, welcher ihnen dort alle freiheiten garantierte und sich für sein reich einen schutz vor den raubzügen der tataren und türken versprach. zu diesem zweck wurden die bauernburgen und wehrkirchen gebaut, bei belagerungen zog sich das ganze dorf dorthin zurück. es entstanden 260 dörfer und 7 städte (siebenbürgen). unser dorf homorod zählte früher 800 einwohner. heute sind es noch 15 ältere deutsche, der rest sind rumänen und zigeuner. der ort ist am verfallen. grund für die auswanderung war vor allem die unterdrückung und ausbeutung zu zeiten des kommunismus, bei öffnung der grenze sind praktisch alle deutschen abgewandert.
johann erzählt aus seinem leben, wie das dorf in seiner jugend funktioniert hat und was ihm und seiner familie und der dorfgemeinschaft alles widerfahren ist. gelegentlich fliessen ihm dabei die tränen. wir sind einmal mehr unseres glücks in der schweiz zu unserer zeit aufgewachsen zu sein bewusst.

Johann



14.5.03
Homorod - Brasov
wir schlafen super alleine im grossen pfarrhaus und können am morgen wieder einmal filterkaffee brauen und am tisch frühstücken. leider ist der rest milch vom bauer, den denise bis hierhin in der thermoskanne mitnahm, total durchgefallen. wir verabschieden uns und fahren über zwanzig kilometer nonstop durch einen wald, einem bächlein folgend ein paar hundert höhenmeter hoch und über enge kehren immer noch alles im wald wieder herunter. zum schluss gehts noch über eine ebene mit sehr starkem wind von schräg vorne, was am friedlichen tag doch noch einiges an energie abverlangte. an der adresse der jugi war gar nichts ausser einer frau die sich anerbot uns zum hostel transilvana, so hiess die jugi, zu führen. der ort hiess dann villa silvana, ein sehr sauberes und sicheres hotel. nach etwas handeln, beschliessen wir die nächsten drei nächte hier zu bleiben.


15.5.03
Brasov
für heute sind gewitter mit hagel gemeldet. wir rüsten uns dementsprechend für die stadtbesichtigng. es fällt mir wie bereits in den anderen städten unwahrscheinlich schwer zu gehen. die beine sind schwer wie blei. urs zieht mich langsam vorwärts. das zentrum ist sehr schön und wird mit der unterstützung aus deutschland weiter erhalten. wir machen einen ausflug mit der luftseilbahn auf die "zinne", den hausberg. zwei rumänen verlassen fluchtartig die bahn vor der abfahrt, als sie den donner hören. bei leichtem regen geniessen wir die tolle aussicht auf die stadt. nach der besichtigung der schwarzen kirche widmen wir uns den süssigkeiten aus den "patiseria", die urs seit der schweiz vermisst hat. mit einer flasche "vampiro" (rotwein) geniessen wir den abend vor dem fernseher.

16.5.03

Brasov
2. ruhetag. morgens ist noch alles grau. die temperatur ist auf 10 grad gesunken. wir schlafen aus und fahren um elf uhr mit dem zug nach sinaia, einem skikurort der karpaten. es ist kalt und in den bergen neblig. wir verzichten auf die seilbahn auf den höchsten berg. die vielen alten, schönen villen haben wir auch zur genüge genossen. das versprochene märchenschloss finden wir nicht auf unserer tour, so nutzen wir die gelegenheit, uns im internetcafe aufzuwärmen und dann mit dem zug retour ins warme bett. brigens war der rapidzug gleich schnell wir der regionale, nur doppelt so teuer!

17.5.03

Brasov - Nehoiu
die vielen frauen, die in der villa silvana tätig sind, haben uns kostenlos die kleider gewaschen. wir brechen ausgeruht auf. der weg führt uns über kleine steigungen durch ein bemerkenswertes tal mit stausee. wir verlassen sibenbürgen. der unterschied zu den folgenden dörfern ist markant. alles wirkt schmutziger und chaotisch. wir treffen auf ein weitgereistes deutsches paar, das vom donaudelta kommt. sie sind entsetzt, dass ein donautrip für rumänische verhältnisse 100 euro kostet. in anbetracht dessen, dass dies einem monatslohn eines angestellten entspicht, haben sie auf den ausflug verzichtet. wir fahren nachdenklich weiter.
die zwei zelplätze auf unserer karte existieren nicht. als wir einen freundlichen obstgarten erblicken fragen wir nach, ob wir unser nachtlager einrichten dürfen. nach einer halben stunde sitzen wir bei der tochter violieta und ihren freunden beim apero.
die pasta, die wir später kochen, ist fast ungeniessbar. wir sehnen uns nach "barilla".

18.5.03
Nehoiu - Rimnicu Sarat
über unterschiedlichste strassen fahren wir fast permanent an meist ärmlichen häusern vorbei. sämtliche haustiere werden an einer kette oder schnur entlang dem ein meter breiten grasstreifen am rand der strasse zum fressen ausgeführt. in buzau fragt denise einen einheimischen den weg ins zentrum. seine antwort, das hier ist das zentrum. immerhin ein mcdonalds und einkaufsmöglichkeiten. .wir finden noch die stadtverwaltung, ein schöner palast um 1900 erbaut. der rest ist am verfallen, bevor er je fertig gebaut wurde. entsprechend holprig sind auch die strassen. weil auf unser karte aus der schweiz und der aktuellen rumänischen karte in 30 km ein camping eingetragen ist, fahren wir dorthin, wir müssen unbedingt wieder mal duschen bei so langen etappen. wir landen dann halt im motel mit kalter dusche, immerhin..

19.5.03
Rimnicu Sarat - Braila
wir sind früh unterwegs.mich zieht es ans donaudelta, das ich vor 11 jahren bereits einmal besuchen wollte. die zustände im lande nach ceaucescu veranlassten uns damals aus sicherheitsgründen, nicht weiterzureisen. um ins delta zu gelangen, verzichte ich auf bukarest, das ich aus sozialen gesichtspunkten eigentlich sehen wollte.
wir fahren an äckern vorbei. die pferdefuhrwerke stehen wie auf parkplätzen entlang der strasse und die bauern sind dabei, die erde zu lockern. es nieselt wenig, der gewünschte regen bleibt aber aus. bei seitenwind folgen kleinere seen, ohne sichtbare nutzung. surfen oder segeln wäre heute ideal! seit drei tagen sehen wir wie wasser aus den ziehbrunnen an der strasse geschöpt wird und oft von kindern mit schubkarren und anderen gefährten transportiert wird. wir besichtigen braila, eine schönere stadt und fahren mit der fähre über die donau, die wir heute seit budapest wiedersehen. es folgt eine wunderschöne landschaft, die zum wild campieren einlädt. aus sicherheitsgründen fragen wir aber bei einem grossbauern und schlafen von einem hund bewacht unter schweinen, gänsen und kühen mit nachwuchs. mit einer guten flasche wein stossen wir bei sonnenuntergang auf unseren dritten "hunderter" in serie an.

20.5.03
Braila - Tulcea
zwischen schweinehirt mit schweinen, pferdefuhrwerken, hunden, tausend bekannten und unbekannten geräuschen schlafe ich nicht zu gut. ab vier uhr dreissig beginnen leute die tiere einzutreiben, zu melken, die milch zu bringen. an schlaf ist da scheinbar nur noch für denise zu denken. um halb sieben stehen auch wir auf und machen uns ungewaschen auf die weiterreise. starker gegenwind und dauernd 10% steigungen hoch um gleich wieder 10% steigungen runter zu bremsen bei wieder über 30 grad machen die neunzig kilometer äusserst anstrengend. die häuser hier sind aus einem gemisch aus schilfblätter und lehmiger erde gebaut. gedeckt sind sie oft mit schilf, erstaunlicherweise aber auch oft mit verzierten metalldächern. diese häuser sind eh oft erstaunlich verziert und bunt bemalt. vieles sind aber auch einfachste schilfhütten. anstelle der pferde sind oft esel, die fuhrwerke sind einfacher, ohne pneu, alte holzräder mit metallfelge, die gelegentlich mit alten pneuresten umwickelt sind. die landschaft ist durch wasser und schilfflächen wechselnd mit acker geprägt. wir fahren entlang den ersten hügeln. wieder eine neue, ungewohnte aber sehr schöne landschaft. tulcea selbst hat viel schreckliche industrie, einen recht grossen hafen und sonst nicht viel zu bieten. vis a vis vom grössten hotel an der promenade kriegen wir durch die touriinfo ein sicheres, sauberes privatzimmer vermittelt. nach apero und dusche mögen wir nicht mehr ausser haus, wir geniessen den geruhsamen abend mit lesen und tv.

Tulcea