21.5.03
Tulcea - Rosetti
das telefon der gastfamilie weckt uns fast wie zu hause.
seit einigen tagen führen wir einen regen emailwechsel mit marco und elisabetha, die in der schweiz ferien in rumänien organisieren
(GAEA TOURS), um mehr über die möglichen delta touren zu erfahren. da wir uns auf nicht so viel "organisiertes" einlassen möchten, fahren wir mit dem kursschiff nach sulina. die velos und das gepäck bleiben bei der familie, wo wir bei der rückkehr wieder schlafen werden. wir sind nur für 1-2 tage ausfug ausgerüstet.
eine kurzweilige fahrt entlang des sulina-armes, einer von drei armen, die aus der donau entstanden, führt uns zum gleichnamigen ort. am morgen haben wir telefonisch die weiterfahrt nach rosetti via kontaktadresse von marco und elisabetha gesichert. entlang des kanals ist die bekannte, vielseitige tierwelt des deltas nur vereinzelt in form von vögeln zu sehen, die landschaft und dörfer bieten aber viel abwechslung. wir geniessen die monotonie der 4 std. schiffahrt. einzig die rumänischen mitfahrer werden zunehmend "blauer" (haben wir bereits im zug so erfahren) und dem entsprechend unangenehmer.
wir werden in sulina wie vereinbart erwartet und fahren mit einem kleinen motorboot weiter. unterwegs begegnen wir einer pelikankolonie und vielfältigen vögeln. zum schluss fährt uns der "traktortaxi" der ebenfalls bereit steht, über acker und sandstrasse ins dorf rosetti. man muss sich vorstellen, dass wir irgendwo in der "pampa" sind und da steht der traktor. wir erinnern uns einmal mehr an südamerika. in rosetti erwartet uns die familie Kiseleff, die untertstützt vom wwf schweiz "Ökotourismus" mit bed&breakfast anbietet. die nächsten tage sind mit einem ortskundigen ranger schnell geplant. wir bleiben sicher drei nächte, da das schiff am sonntag nicht nach tulcea fährt.



22.5.03
1.Tag Rosetti
unser guide victor ist morgens beschäftigt, so machen wir auf einen rundgang zu fuss um drei uhr ab. zum frühstück gibt es zwei spiegeleier und käse. für uns so nahrhaft und viel, dass es gleichzeitig auch mittagessen ist. den morgen verbringen wir mit einem dorfrundgang, schlafen, lesen, träumen, so richtig ferien. victor kommt nach vier, starten können wir halb fünf. der ausflug ist spannend, wr sehen viel und erfahren viel über die natur, land und leute. nach einem feinen abendessen liegen wir überessen und zufrieden wieder im bett

23.5.03
2. Tag Rosetti
das abendessen noch kaum verdaut sitzen wir bereits vor fisch mit salat, dazu kaffee und für uns durchgefallene milch, für sie joghurt am tisch. völlige überforderung, wir kapitulieren vor der hälfte, denise klagt schon so wegen schlecht sein. viktor telefoniert er würde eine stunde später kommen. der ausflug führt in den wald. die landschaft ist auch hier parallel zu den donuarmen in nord süd achse gestreift. die höhen sind steppenartig und sehr sandig. es gibt auch einige meter hohe dünen. die tiefen sind feucht und mit dschungelartiger vegetation. mich beeindrucken uralte riesige eichen, es hat aber auch noch höhere pappeln. die gräser, blumen und sträucher sind mir grösstenteils unbekannt. retour sind wir am frühen nachmittag. als wir die details für die morgige rückfahrt nach tulcea mit hilfe der übersetzung von victor klären wollen, kommt das grosse staunen. erstens ist heute nicht sonntag wie wir angenommen haben sondern freitag. zweitens fährt kein schiff am samstag sondern heute früh oder am sonntag wieder. ohne wahl fügen wir uns den gegebenheiten und verschieben unsere rückreise um einen weiteren tag. hoffentlich heisst es samstags dann nicht wieder etwas anderes und wir bleiben gefangen in dieser wunderschönen abgeschiedenheit.

24.5.03
3. Tag Rosetti
wir beginnen den tag wie bisher um 8 uhr, obwohl wir heute kein programm haben. urs ist vom vielen liegen in den letzten tagen mehr verspannt, als vom velofahren. der ganze tag steht vor der tür. wir machen einen morgen- und abendspaziergang, beobachten die frösche beim mückenfangen, ameisenlöwen in ihren fallen, lauschen den vielfältigen vogelstimmen und bestaunen die weiteren wunder der natur. ich lese "die unendliche geschichte" und urs fast zum schluss unseres aufenthalts in rumänien, den "goldstadt reiseführer". die zweite auflage ist von 2002 und meins erachtens zu empfehlen.
wir gehören schon fast zum dorf. vor 18.30 sind wir pünktlich zur öffnung des "magazin mixt" bereit,das abendbier zu holen und mit viktor abschied zu feiern. das magazin ist in allen dörfern die drehscheibe, wo man sich trifft und austauscht. um 19.00 kommt eine filmequipe aus marseille an, die uns als unsere landsleute angekündigt wurde. nach den missverständnissen der letzten tage erstaunt uns nichts mehr. um schluss unseres aufenthaltes gibt es wie immer, ein festessen. seid wir hier sind verstehe ich einmal mehr, wieso ich schon viele zusätziche kilometer für die suche nach campings abstrampeln musste. urs der "vegetarier", wünscht sich nichts mehr, als selber kochen zu können! in rumänien gibt es immer fettiges fleisch oder fisch und sehr "spezielle" süssigkeiten.

25.5.03
Rosetti - Tulcea
die uhr weckt uns 2:45.
der traktor mit dem wagen, unser taxi fährt 3:20 bereits ab, nach gut einer stunde holper im dunkel sind wir in periprava, das schiff fährt wie geplant um 5:00. wie aus dem bilderbuch steigen viele leute vom land ein, um ihre säcke voll ware zu verkaufen, denise flieht vor all den gerüchen und dem mittleid erregenden gepiepse der bibeli trotz der kälte zu mir aufs deck. über stunden können wir die deltalandschaft und ganz wenig der ukraine beobachten. so sind wir kurz nach mittag retour in tulcea. feine patisserie, mittagsschlaf, wäsche waschen duschen und frische wäsche und folkloristische aufführungen machen den wechsel retour in die stadt ganz angenehm.

26.5.03
Tulcea - Mamaia
wir stehen wieder vor sechs uhr auf und fahren vor sieben uhr ab. die strasse ist nach dem gewitter vom vorabend stellenweise noch nass, der himmel bewölkt und die luft sehr feucht. über sanfte hügel fahren wir südwärts, mittagsrast gibts an einem etang. die pelikane fliegen in grossen schwärmen über uns, drehen in der thermik ein paar hundert höhenmeter auf und fliegen weiter. mir kommt das velo so richtig plump vor und ich frage mich ob wenigstens mein alter gleitschirm auch ein paar kreise dreht. nach über tausend km rumänien, schon bald in bulgarien finden wir eingangs mamaia einen richtigen camping, mit infrastruktur und anderen gästen und dies erst noch am meer. wir geniessen wieder selbst kochen zu können, den wein und frisch geduscht in ruhe den abend.

27.5.03
Mamaia - Vama Veche
bei der super bewachung des camping (polizei mit kampfhund), lässt sich gut schlafen. nach wenigen kilometern fahrt sind wir in constanta, die wichtigste stadt am schwarzen meer. trotz der mehrfachen erwähnung der stadt als sehenswert, erlebe ich sie als chaos, als ewige baustelle. die schönsten häuser verlieren für mich ihren charme. zur beruhigung sehe ich mir (mit gespaltenen gefühlen) das fischaquarium an.

Constanta
wir fahren auf einer fast autobahn wenige kilometer im landesinneren weiter. es kommt keine ferienstimmung auf. als wir im dorf 2. mai keinen camping vorfinden lasse ich luft ab. urs bezeichnet mich ironisch, als "zu wenig aufgeschlossen". der reiseführer, den vor allem ich als brauchbar bezeichne, hat in der einleitung, "aufgeschlossenheit" als muss für rumänien erwähnt! ebenfalls, dass 2. mai ein ort für individualisten sei. marco und elisabetha haben später zu meiner freude, den ort auch erwähnt. da wir zum campieren in constanta eingekauft haben (barilla spaghetti) fahren wir weiter, bis kurz vor die grenze.. wir feiern 3000 km. davon sage und schreibe 1254 km in rumänien.

28.5.03
Vama Veche
in der nacht gab es gewitter. wir starten bei schwülem, drückenden wetter. da wir uns unmittelbar vor der grenze befinden, kaufen wir noch gross ein, bis wir nur noch eine 10000er note lei als souvenir haben. christian aus berlin hat uns via sms den tipp gegeben, da der verlust beim wechsel 60% beträgt. an der grenze werden wir gefragt, ob wir touristen seien. mit freude reisen wir nach 22 tagen in rumänien in das vierte land, bulgarien ein.


nach der grenze befinden wir uns zwischen äckern und frühlingsblumen in allen farben. nach dem regen riechen sie herrlich. der verkehr ist minimal und wir geniessen die ruhe. trotz vorwarnung von christian, finden wir nicht erst in varna (ca. 105 km. n.d. grenze), sondern schon im ersten grösseren ort einen bankomat. sofort wird der kaffee getestet. mit meinem milchkaffee habe ich leider wieder pech. seit ungarn nicken alle immer verstehend, aber erhalten, habe ich noch nie einen richtigen. ich gebe nicht auf. urs ist mit wenigen ausnahmen sehr zufrieden. kurz nach dem ort kommen wir in ein gewitter, das wir geschützt in einem bushäuschen vorbeiziehen lassen. da ich meinen mittagsschlaf ohne uringeruch in der nase machen will, dränge ich trotz anhaltendem regen zum aufzubrechen. urs der wasserscheue ist gar nicht begeistert.
der vorgesehene übenachtungsort ist eine künstliche touristenstadt mit "neckermannreisenden", das heisst aus ganz europa. dies erfahren wir von einem bulgaren, der uns unermüdlich versucht, eine übernachtung zu vermitteln. der camping ist erst in ein paar tagen offiziell offen, bzw die hütten, die vermietet werden befinden sich noch in einem desolaten zustand. bei einem bier erfahren wir viel interessantes über das land und dass es im nachbarort privatzimmer gibt. viele bulgaren sprechen sehr gut deutsch. wir finden sofort eine bleibe, wo wir gemütlich auf einem kleinen balkon kochen.

29.5.03
Kranovo - Galata
morgens regnet es. wir nehmen uns zeit und starten ohne regen, aber bei nasser strasse, subito sind wir wieder so schmutzig wie am vorabend. die loecher und der viele verkehr verlangen aufmerksamkeit, den schönen wald nehmen wir nebenbei wahr. bald sind wir wieder in der tourindustrie, alles im bau, schmutzig, loechrig. das meer können wir nur selten von ferne zwischen beton erspähen. aber eigentlich über die ganzen hunderte von kilometern am schwarzen meer haben wir schöne oder auch weniger schöne landschaften gesehen, bloss das meer fast nie oder dann auf distanz. varna selbst ist riesig, im alten zentrum stehen wunderschöne, zum teil leider am verfallende, alte häuser, mit immer wieder modernen oder sozialistischen bausünden dazwischen. das stadtbild ist so bis auf wenige ausnahmen nicht wirklich überzeugend. die weiterfahrt in die gewünschte richtung ohne auf der autobahn zu landen ist nicht einfach. weil wir so viel lärm und gestank hatten und es bereits vier uhr ist entscheiden wir uns knapp ausserhalb varnas nicht mehr weiter zu reisen. was die leute hier unter dem wort "camping" verstehen bleibt ein rätsel, auf dieselbe frage gibts bestimmt immer eine andere antwort. als trost und zur aufmunterung für denise gibts in einem laden sogar toblerone für 1,40 SFr. wir sehen einen wegweiser zu einem camping. in der sackgasse erklärt uns ein mann der camping sei geschlossen. zwei leute die wir fragen ob wir auf ihrem grundstück zelten dürften weisen uns an ganz verschiede orte weiter, zum schluss erhalten wir die auskunft, dass wir die ganze zeit 20 m vom camping enternt waren. zwar ein alter, wir sind die einzigen gäste wohl seit längerer zeit, aber doch mit sogar heisser dusche.

30.5.03
Galata - Obzor
am morgen steht ein alter land rover mit appenzeller nr. auf dem camping. wir hoffen darauf, dass wir jemanden sehen. als sich vor der weiterfahrt nichts ergibt wird urs aktiv. ein junges paar, ramin+marie therese sind unterwegs nach asien. wir tauschen einige infos zur reiseroute und kontakten aus. erstaunlich, dass wir zur gleichen zeit, wie durch zufall den ort fanden.
die fahrt geht weiter über hügelzüge, wie uns erkärt wurde die ausläufer des balkangenbirges. nach viel schweiss, das langersehnte meer hautnah. ich tauche die füsse ins 13 grad warme wasser. der camping, den wir auserwählt haben öffnet offiziell im juli. ohne wc, wasser, strom und bewachung sind wir aber hezlich willkommen. mit sicht zum meer stellen wir das zelt auf und hören dem rauschen der wellen zu. es fehlt nur die sonne und sommerliche temperaturen.

31.5.03
Obzor - Sozopor
die nacht war eigentlich ruhig und sternenklar, der wetterwechsel geschah gründlich und in knapp zwei stunden. denise wachte in der nacht so mit kopfschmerzen auf, dass sie erst am frühen morgen als ich langsam aufwollte erst so richtig tief schlief. dennoch essen wir vor sieben frühstück in erwartung eines strengen tages. schon bald sind wir durch schön blühende wiesen und immer wieder herrlicher meersicht höhenmässig fast wieder in bern. wieder unten am meer liegt nesebar malerisch auf einer halbinsel. ein schönes ortsbild und weisse sandstrände haben dem ort viel tourimus gebracht, für mich ähnlich wie greyerz. die strasse weiter nach burgas wegen viel und schnell fahrendem verkehr zunehmend lästig. das velofahrverbot mitten auf halber strecke macht zwar sinn, mangels alternativen übersehen wir es und fahren so schnell die beine mögen nach burgas. der reiseführer empfiehlt die stadt rasch zu durchqueren, es gäbe nichts sehenswertes. aber schon auf der durchfahrt auf der hauptstrasse macht die stadt einen saubere, einladenden eindruck, grosser stadtpark, fussgängerzone mit strassencafes, einzelne schöne häuser, die stadt ist für die region schön und fällt gegenüber den andern, berühmteren keineswegs ab. die suche nach camping ist wie sie ist in diesem land: aufgehoben, geschlossen, unauffindbar, widersprüchliche infos für dass niemand bescheid weiss. wir fahren und fahren, weit über unser ziel aus. schliesslich müssen wir in sozopor nach 122 km ein privatzimmer nehmen um duschen zu können.