1.11.03
McLeod Ganj - Baijnath
beim letzten morgen in mcleod nehmen wir abschied von der affensippe und haben noch das vergnuegen sie beim paarungsverhalten zu beobachten. ich bin froh gehen wir weiter und kann es ausgangs ort, als wir durch die abwasser fahren, kaum glauben, dass wir es hier so lange ausgehalten haben. die ausgedehntepause war wahrscheinlich aber doch auch einmal angesagt. das wetter ist klar und bei der steilen abfahrt koennen wir nochmals das wunderschoene panorama der bergkette des himalaya geniessen, der Matterhorn Peak (5048m) und der Moon Peak (4610m) dominieren. nachdem wir weiter westlich fahren ist die gegend stark besiedelt, doerfer nach kurzen abstaenden und noch viel verkehr. die natur ist farbenfroh, bluehende straucher, ein richtiges schmetterlingsparadies. vor dem mittag spricht uns ein mann aus dem auto an. aus gewohnheit reagieren wir nicht.urs erkennt aber, dass es ein deutsches fahrzeug ist und wir stellen beim stop zur grossen freude fest, dass es ein hollaendisches paar ist, Dorrit und Coen (www.1001-nights.com), das uns schon im iran angekuendigt wurde. sie fuhren einige tage hinter uns. beim cay haben wir uns viel ueber iran und pakistan zu erzaehlen und ich bin erstaunt, wie viel wir aehnlich erlebt haben. zwei suesse junghunde, die sie vor dem tod in pakistan gerettet und adoptiert haben, beleben das gespraech. unterdessen hat sich das wetter veraendert, es ist schwuel und bedeckt. wir fahren spaet weiter, ueberqueren viele fluesslaufe, sehen das erste mal teeplantagen und sind froh, als es eindunkelt, in einem dorf ein einfaches zimmer zu finden. wieder einmal gibt es barilla spaghetti (tourismus sei dank), die ersten in indien.

2.11.03
Baijnath - Mandi
die weiterfahrt geht erst erschreckend bergauf. durch schoene waelder, die eigentuemlich herbstlich sind. einige laubbaeume verlieren oder verfaerben ihre blaetter. auch die luft und der sonnenstand sind ganz herbstlich. aber andere sind noch vollgruen und eine art pflaume oder kirschen vermute ich, steht in voller bluete wie bei uns im fruehjahr. immer wieder aussicht auf unglaubliche terassierungen. es gibt topfebene terassen mit raendern, die koennen geflutet werden um reis anzubauen. dann gibt es die nicht ganz so ebenen ohne raender auf denen sehr viel mais, aber auch verschiedene getreidearten angebaut werden. die terassen sind im steilen gebiet oft ca 1 m breit, sehr lang und ueber 2 meter hoch. die landschaft sieht wie auf einer karte mit hoehenlinien versehen aus. zu unserer freude sehen wir heute recht viele solarenergienutzungen, strassenlampen und waermekollektoren auf den dächern. und zur sonnenenergie sowie mein leiden hier: beste thermikbedingungen fast jeden tag hier, aber ausser dem einen mal in mcleod absolut keine hangegleiter zu sehen! und dann der tiefschlag: in bir hat vom 28.10. - 1.11 ein pre weltcup gleitschirm anlass statt gefunden und wir fahren heute durch! deshalb also soviele moderne hochleister am himmel an nur einem tag! heul. beim warten aufs mittagessen schaue ich immer noch wehmuetig in den himmel und sehe wieder 2 weiss schwarze voegel in grosser hoehe kreisen. ich gehe auf die terasse, um mehr zu sehen und sehe mehr. viel mehr dieser voegel in jeder hoehe. es sitzen auch wenige, dutzend meter vor uns in den baeumen. es sind grosse geier, ueber 50 stueck sind in der luft und in den baeumen, herrlich ihre flugkuenste zu beobachten. die letzten kilometer nach mandi fuehren nach einer langen abfahrt einem grossen fluss entlang. nach einer biegung sehen wir eine haengebruecke, tempel und eine grosse treppe zum fluss herunter, ein eindrueckliches bild. wir koennen mit dem velo ohne all den verkehr ueber die haengebruecke und durch die alten stadtteile von mandi hoch. uns gefallen die vielen alten haeuser mit wunderschoenen holzarbeiten an daechabschluessen, lauben, tueren und fenstern. unser hotel ist leider ausserhalb dieses altstadtteils, dafuer recht ruhig oberhalb des busbahnhofs, mit aussicht auf den fluss und ueber die stadt. wir freuen uns ueber dem grossen balkon. beim kochen entdecke ich aber eine spinne. eigentlich sieht sie fast aus wie unsere harmlosen langbeinigen spinnen. bloss ist sie schwarz und zudem ausgestreckt viel groesser als meine hand. wir versuchen sie zu ignorieren, mit kerzen ihr den weg zu uns zu blockieren. dumm wie sie ist, streckt sie doch ein bein zu nahe an die kerze und brennt sich. das wollten wir nun doch nicht. also zusammen packen und der spinne den balkon ueberlassen, wir koennen drinnen essen. bald sehe ich fast 10 cm bein unter der tuer durch ins zimmer tasten. sofort verschliesse ich die luecke mit dem handtuch und beschliesse erst am morgen denise darob zu informieren, zwecklos, sie hat selber die vorahnung, dass die spinne ins zimmer kommen koennte.


3.11.03
Mandi - Vashisht
habe trotz der anfaenglichen angst, dass die spinne ins zimmer kommen koennte, gut geschlafen. sie sitzt in einer ecke auf der terasse. wahrscheinlich kann sie nicht mehr die steile wand hoch, deshalb hole ich vor dem zimmer einen geigneten ast und hoffe, dass sie wieder ihre umgebung aufsucht. um acht uhr sitzen wir als erste im lokalen bus, der sich langsam fuellt. es folgt eine atemberaubende fuenf stuendige fahrt durch eine tiefe schlucht, hochebene und passeinstieg. die schlucht ist eng und haengebruecken dienen oft noch als uebergang. die landschaft ist abwechslungsreich, anfaenglich steile palmenhaenge, spaeter vermehrt nadel- und im tal obstbaume. ueberall hat es hauser, wohin das auge reicht, auf allen fuer uns oft unzugaenglichen hoehen und lagen. die kleinen und stattlichen alten hauser sind vielfach aus natursteinmauern, holzveranden und fassaden und schiffersteindaechern gebaut. zur verschoenerung werden sie oft mit bunten farben, dominierend in blautoenen, tuerkis und im schlimmsten falle lila bemalt. am schoensten sind aber die naturholzbauten. die holzarbeiten an fenstern und fassaden sind zum teil richtige kunstwerke. auf den daechern werden mais und ihre scharfe pfefferschoten getrocknet. wir fuehlen uns in dieser bergwelt ein bisschen wie zu hause. ein indien, dass wir nie erwartet haetten. der bus haelt immer wieder, es ist ein kommen und gehen. die fahrt ist in mandi zu ende, einem touristischen ort vor der weiterfahrt in richtung leh. wir halten uns nur kurz auf und fahren mit einer motorickshaw nach vashisht, wo sich hot-springs befinden. beim spazieren ausserhalb des touristischen zentrums lebt mensch und tier in naechster naehe. die frauen sind oft in ihren traditionellen kleidern, eine art umgehaengte wolldecke, bekleidet und die maenner tragen wieder vermehrt mit farbig gewobenen stoffen gemachte huetchen. eine frau winkt uns und zeigt uns zimmer die sie in einem alten haus, sie nennt es "my house" vermietet. wir entscheiden uns spontan hier zu bleiben und beziehen ein spartanisches zimmer mit einem alten ofen, wc vor dem haus, ohne dusche. etwas entauscht sind wir, als uns von unserer hausmutter beim zweiten treffen drogen angeboten werden. ich werde das gefuehl nicht los, dass langsam alle inder glauben, dass die touristen fuer den drogenkonsum in ihr land kommen. wir muessen uns aber auch eingestehen, dass wir bis jetzt viele "haenger" getroffen haben. auf einer anhoehe ueber dem dorf erleben wir einen schoenen bergsonnenuntergang. es wird sofort bissig kalt und schnell dunkel. im dorf essen wir wiederholt momos zum znacht. seit wir wissen wie schwierig sie zu machen sind, profitieren wir noch vom bestehenden angebot. neben der offiziellen anlage zu den hot springs hat es ein oeffentliches becken, dass in der dunkelheit von maenner und kindern rege besucht ist. eine herrliche einrichtung fuer das dorf. wir verzichten anschliessend auf den internetbesuch, da eine stunde dem preis unserer uebernachtung entspricht, und das ist fuer indische verhaeltnisse und fuer das tempo der pc, wenn man es noch so nennen kann, definitiv zu viel. mit fasi und dicken socken wird es im bett einigermassen warm.

4.11.03
Vashisht - Mandi
morgens kommen wir nicht so frueh aus dem bett wie erhofft, wir wollen in der morgenfruehe vor den vielen touris ins noch saubere schwefelbad. wir packen aber bereits alles und gehen abwechslungsweise baden, und sitzen sonst beim gepaeck auf einer dachterasse in einem restaurant. es ist sehr kalt, die ersten sonnenstrahlen tun gut. das bad ist kombiniert mit einem tempel ein heiliger ort. der eingang ist ganz aus geschnitztem holz. das bad selbst hat ein frauen und ein maennerabteil. jedes abteil ist aus stein, besteht aus vier laufenden wasserrohren um sich erst gruendlich mit seife zu waschen und einem steinbassin von ca 2,5x1,5 meter. das wasser im maennerbad scheint schon recht schmutzig, trotzdem ist es herrlich sich dort aufweichen und aufwaermen zu lassen, schliesslich kann ich mich ja anschliessen ein 2. mal und noch viel gruendlicher als vor dem bad waschen. als ich drin bin, toent es draussen als wuerde eine herde elefanten hereinstuermen. es ist eine prozession mit trommeln und urtuemlichen blasinstrumenten. sie besuchen den nebengelegenen tempel des elefantengottes ganeh und dann anschliessend auch das bad. wir sind unterdessen beide beim fruehstueck auf der terasse und beobachten das treiben. auf der anschliessenden wanderung entlang der strasse nach jagat sukh, sehen wir viele alte und auch neuere haeuser mit lauben, die unsere phantasie wie ein idealhaus aussehen koennte anregen. die leute tragen waren in geflochtenen tragkoerben, genauso wie in der schweiz vor laengerer zeit, oder im wallis zum teil noch heute. es ist immer wieder ueberraschend wieviele eigenschaften von berglandschaften, ihren bewohneren und ihrer kutur ueber alle welt sich gleichen. nach vier stunden haben wir genug und warten auf den bus. der saust in beaengstigendem tempo die strasse runter, wir sind ueber eine stunde schneller als bergauf. das alles mit herzzerreissenden frauenstimmen des immer laufenden indi-pop.


Haus Manali


5.11.03
Mandi -Chowri
morgennebel ist über der stadt und wir starten bei 10 grad. die menschen wärmen sich vor kleinen feuern aus abfällen am strassenrand und sind mit decken und tüchern um den körper gewickelt verhüllt. an einem flusstal erreichen uns beim ersten bergaufstieg die ersten sonnenstrahlen. die strasse ist eng gewunden, steil und in schlechtem zustand. auf der höhe hören wir männergeschrei. nach einigen kurven rennt eine gruppe von männern mit verzerrten gesichtern, cricketschlaegern und säbeln an uns vorbei. nach der nächsten kurve liegt eine vespa und ein schreiender mann am boden. die ganze situation verunsichert uns zuerst, spätestens nachdem die ersten fahrer nicht einmal anhalten. ich halte es fuer meine pflicht 1. hilfe zu leisten. nach dem näheren betrachten des mannes erkennen wir, dass sein arm, denn wir aus der lage heraus als bestehende behinderung/verkrüppelung betrachtet haben, ein kompletter, geschlossener oberarmbruch ist. er wurde mit einem cricketschlaeger durchgehend zertrümmert. der verletzte hatte auch noch prellungen im gesicht. waehrend urs den arm mit dem ebenfalls entzweiten schläger fixiert, kümmere ich mich um material und lage. unsere starken schmerzmittel (temgesic) kommen zum einsatz. in der zwischenzeit entsteht doch noch ein männerauflauf. sie sind sich zuerst nicht einig, ob es ein fall für oder gegen die polizei ist. das interesse liegt eindeutig beim ereignis, und nicht bei der unterstützung des mannes. nachdem das schmerzmittel langsam wirkt, zitiere ich einen bekannten des verletzten herbei, den wir für die weitere überwachung instruieren, bis die ambulanz eintrifft. er schien gar nicht begeistert. wir fahren aufgewuehlt weiter und trinken ausserhalb des naechsten ortes in ruhe einen cay. zweimal werden wir noch von maennern aufgesucht, die naeheres zum unfall in erfahrung bringen wollen. unsererseits erfahren wir, dass der zweite fahrer der verspa noch vermisst wird und der unfall sich um eine geplante abrechnung oder einen bezahlten auftrag handelte. bei der weiterfahrt stossen wir auf einen tiertransport, esel, die sechs junge lämmer in jutensaecken auf dem ruecken tragen. ein äffchen jammert zudem in einem geschlossenen sack. wir hoffen, dass es kein affenverkauf ist. einzelne rassen sind von zoos und einzelbesitzern immer noch sehr begehrt. die strasse wird immer steiler und der hoehenmeter steigt langsam an. die terrassierungen sind sehr steil und es sieht aus der hoehe ins tal faszinierend aus. in dieser gegend wird mehr gemüse und getreide angebaut. die fahrt ist anstrengend, aber wir sind fast alleine auf der strasse und können die schöne landschaft geniessen. beim geplanten übernachtungsort hat es kein hotel und wir werden weitergewiesen. in einem neubau an schönster lage, aber leider noch ohne zimmer nehmen wir ein feines znacht kurz vor sonnenuntergang. nach dem unfall war uns die lust auf ein mittagessen vergangen, umso grösser war mein hunger jetzt. nach 2 km erreichen wir das resthouse auf 2200 müm, trinken einen gingertea zum aufwärmen und fallen ins bett.

6.11.03
Chowri - Tatapani
weiter geht es ueber eine loechrige strasse. wir starten auf 2200 und wollen am abend auf 700 muem sein. das verspricht viel abfahrt. die strasse erlaubt aber auch bergab kaum tempi ueber 15 km/h, dafuer schmerzen die haende und handgelenke vom dauernden bremsen. zum glueck hat es sozusagen kein verkehr und wir haben die ganzen 2 m strassenbreite fuer uns um um die groessten loecher rumzukurven. manche leute sagen immer, die schweiz sei ihr traumland, wir finden es hier nicht so unaehnlich, was die landschaft anbelangt, dass es keinen verkehr hat macht fuer uns das velofahren fast noch schoener als in der schweiz. auch die leute hier oben sind sehr erfreulich. sie schauen interessiert. helfen freundlich so gut als moeglich, wenn wir eine frage haben und draengen sich sonst nicht auf. auch die kinder scheinen immer erfreut. meist starren sie uns mit offenem mund an, manchmal winken sie scheu und ganz selten rufen sie auch was. bei einer verzweigung, die wie alles hier bloss in hindi beschriftet ist, fragen wir nach dem weg. der angegebene wahrscheinlich wichtigere weg fuehrt 800 hoehenmeter runter in ein tal zu einer groesseren ortschaft, pangana, mit wohl einigen hundert einwohnern und dasselbe wieder zurueck auf der anderen seite auf die ursprungshoehe. von dort sehen wir, dass die andere strasse durch chindi, das wir eigentlich als sehenswerten ort beschrieben gerne gesehen haetten ungefaehr die hoehe haltend, gefuehrt haette. nach einigen weiteren km auf dem huegelruecken mit schoener aussicht und super rastplatz, geht es dann definitiv in atemberaubender art runter. die strasse ist unwahrscheinlich elegant verschlungen in die landschaft gebaut, fuer mich muessten alle bergstrassen so sein, keine haesslichen narben und langweilige rennbahnen, wie zum beispiel der simplon. ich weiss nicht, ob nur ich das so sehe, oder auch andere das als schmerzhafte verstuemmelung einer landschaft empfinden. schliesslich sind wir doch mal unten am grossen sutlej fluss. sein ursprung liegt einige hundert km entfernt im chinesischen tibet. in der talsohle tritt siedend heisses, schwefligeswasser aus dem boden. entlangf dem eiskalten fluss sind einige pools mit steinen gebaut, die das heisse und das kalte wasser mischen. regulieren kann jeder selbst indem man die steine etwas umtischt, so dass mehr oder weniger kaltes flusswasser durchstroemt. an diesen pools waschen sich alle leute der region, fuer touristen hat es 2 hotels und ein guesthouse. wir waehlen das "springview" mit eigenen grossen bassins, die auch mit dem schwefelwasser gespiesen werden. ich lasse mich dort auskochen, bis ich froh bin mich unter der eiskalten dusche abseifen und die haare waschen zu koennen. beim abendessen treffen wir 2 australier die mit indischen motorraedern unterwegs sind. diese enfield gibt es als 350 und 500 ccm 1 zylinder varianten. es sind wunderschoene urviecher die da immer noch gebaut werden, am ehesten mit den alten englischen norton bikes zu vergleichen. mit den australier holen wir uns in gemuetlicher atmosphaere mit je einer flasche bier einen angenehmen rausch.


7.11.03

Tatapani -Shimla
beim aufstehen sehen wir die frauen beim morgenbad am fluss, ein schoenes bild. wahrscheinlich waren sie schon frueh im dunkeln da, denn einige feuer sind noch zu erkenne. die maenner haben es bequemer, sie benutzen das becken des guest-house. das "chodere" der maenner ringsum uns waehrend des fruehstuecks, laesst mich selber wuergen. zudem stosst mir das oel der eier schon bald auf.
wir starten gnadenlos steil in die hoehe einem pass aehnlich. die aussicht ist wieder fantastisch auf den flusslauf und die berge. wir fahren weiter auf der hoehe ein weiteres tal hoch, dass sich ganz anders praesentiert als gestern. urs hat das gleiche feeling wie am gleitschirm, wenn er ueber einen grat fliegt. die leute sind in den steilsten haengen am heuen und tragen das heu in riesen packen auf dem ruecken oder mit lastwagen ins dorf. im golfhotel in naldehra schon fast auf 2000 m gibt es sehr spaetes, aber feines mittagessen auf einem weiss-rot karierten tischtuch. ich bin total kaputt. es ging bis jetzt immer nur hoch, ich hatte keine verschnaufpause. fuer mich waere es eigentlich fuer heute schon gelaufen. nach einem kurzen mittagsschlaf geht es aber weiter ueber das niveau unseres zieles bis auf 2350 m hoch. es ist bissig kalt und fuer die abfahrt ziehe ich handschuhe und kappe an. die hotelsuche wird zu einer weiteren probe. die australier haben uns ein hotel im steilsten bereich des ortes mit treppenzugang empfohlen. zu allem uebel ist es auch noch voll. die weitere wahl ist in der dunkelheit der beginnenden nacht nicht einfach. wir landen zuletzt in einem miefigen, feuchten zimmer und schluepfen nach dem essen im zimmer ins kalte bett.

8.11.03
Shimla
nach dem selbst zubereiteten frühstueck im hotelzimmer gehen wir zu fuss los. shimla ist auf einem hügel gebaut. der hügel ist teil eines gratrückens. der alte kern ist etwa 5 km lang auf diesem rücken gebaut, heute aber ist eine grenze schwierig zu sehen, entlang allen rücken und weit in die täler herunter sind auch in unzugänglichsten lagen häuser gebaut. wir gehen zum bahnhof um abzuklären wann züge fahren, da wir beabsichtigen von delhi mit dem zug zurück nach shimla zu fahren. die bahn muss ein grosses spektakel sein. ueber 102 tunnel und 887 brücken führt die strecke in 95,5 km von 656 auf 2075 müm. bei maximal 25 km/h dauert die fahrt an die 5 stunden. morgen ist die feier zum 100-jährigen jubiläum der bahn. alles wird gereinigt und frisch gestrichen. da gehören natürlich auch alle züge und lokomotiven dazu. selbst die älteste, eine dampflok kriegt ein aussehen wie neu.



in betrieb war sie von 1906-71 und ab 2001 wieder. weiter spazieren wir zur viceregal lodge. dieses ehrwürdige haus wurde 1888 gebaut und hat seither viel geschichte miterlebt. in den sommermonaten war shimla der regierungssitz der briten in indien. hier wurden wichtige regierungsgeschäfte erledigt und in diesem haus lebte der befehlshaber über indien. heute ist in diesem haus das "indian institute of advanced study" untergebracht. trotzdem können einige teile geführt besichtigt werden. am interessantesten sind für mich die photographien, welche die hier stattgefundenen konferenzen und anwesenden personen dokumentieren. so war zum beispiel auch mathma gandhi anlässlich der konferenz zur aufteilung von indien in das heutige pakistan und indien zu sehen. beim heimgehn sehen wir ein plakat "no spitting" mit entsprechendem logo. das spucken hat hier ein ausmass zum grauen angenommen. da es bloss in englisch geschrieben ist, denke ich, dass es doch leider eher bloss als "touritroesterli" gedacht ist.

9.11.03
Shimla - Delhi
wir packen unsere sachen fuer den ungewollten ausflug nach delhi. wir benoetigen eine visaverlaengerung von ca. 3 wochen. die velos und der grossteil des gepaeckes koennen wir im hotel lassen. die gewaschene waesche nehmen wir mit auf unseren ausflug zum trocknen. im zimmer ist und bleibt alles feucht. nach einem steilen aufstieg erreichen wir den jakhu tempel, der hanuman, dem affengott gewidmet ist. die "heiligen" affen sind ganz im besitz des ganzen huegels. vor dem aufstieg werden holzstoecke verkauft, damit man sie fernhalten kann. gleichzeitig wird futter verkauft. nach unserem affenstudium geben wir uns gelassen. auf 2455 m befindet sich der tempel mit schoenster aussicht in die berge. zum ersten mal sehen wir ein panorama von schneebergen in weitester ferne. auf einer anhoehe bei vier baencken legen wir unsere waesche zum trocknen, lesen und traumen. inder unterbrechen uns fuer gemeinsame fotos und ein affe als er mit einem kleidungsstueck abhaut, dass wir aber retten koennen. es wird ein richtiges "affentheater" und urs uebernimmt die wache. wieder im ort machen wir am busstand die reservation fuer den nachtbus, besuchen eine schlichte katholische kirche und hoeren auf dem festplatz bis zum sonnenuntergan den rest des konzertes der militaermusik. die auswahl der stuecke war sehr vielfaeltig und das gemisch von marsch und indischer traditioneller musik hoechst spannend. unglaublich aber wahr, die einsaetze waren perfekt. also auch die inder bringen es im richtigen moment auf den "ton". das intermezzo hat uns sehr gut gefallen. die suche nach einem vernuenftigen internet geben wir bald auf. nach dem nachtessen ist es zeit fuer den bus. wir staunen, als unser luxus-bus, ein alter tata ist. immerhin haben wir genuegend platz die fuesse auszustrecken. ein unangenehmer, alkoholisierter inder sitzt hinter uns. seine partnerin faengt schon bald an zu erbrechen und er schreit sie unentwegt an. das licht ist aus und eigentlich zeit zum schlafen.

10.11.03
Delhi
morgens um 5 werden wir vor dem busbahnhof abgesetzt. wegen der holprigen strasse, den vielen loechern, den grauenhaften ueberhol-, ausweich- und bremsmanoever des fahrers, den 20 minuetigen pausen alle 2 stunden fahrzeit um zu essen, trinken und auf die toilette zu gehen, und wegen all den sich uebergebenden leuten, sicher jede 4. person uebergibt sich im bus, schlafen wir nicht allzu viel. es ist finster und die indische hauptstadt erwartet uns. leute schlafen ueberall am boden, die velorickshawfahrer in ihren rickshaws. riesige kuehe sind schon auf, ihre augen sind auf meiner augen hoehe und ihre hoerner ueberragen mich deutlich. einige strassenwischer gibt es, was sie aber gegen all den schmutz ausrichten wollen ist nicht zu sehen. natuerlich laufen wir durch viele strassen ohne aber unser ziel zu finden. schliesslich sitzen wir in eine velorickshaw und lassen uns fahren. unverfrorene motorickshawfahrer fragen uns mitten auf der fahrt, ob wir nicht lieber mit ihnen fahren wollen. der camping, den wir als uebernachtungsplatz gewaehlt haben, ist geschlossen und in umbauarbeiten. so gehen wir zur 2. adresse. in der umgebung hat es hunderte von hotels in allen preisklassen. das hotel namaskar passt uns, so dass wir uns nach dem fruehstueck sofort auf den weg zur visaverlaengerung machen koennen. an der grenze wurde uns das FRRO Office R.K. Puram (near Hayat Hotel) Sector 1 East Block 7 als zustaendig angegeben. dies hat aber die kompetenz nur fuer verlaengerungen bis zu 14 tagen. wir kriegen ein antragsformular das wir mit 1 foto, sowie je 1 pass- und visa kopie und einem brief vom zustaendigen amt wieder bringen muessen. dieses amt ist das ministtry of home affairs, lok nayak bhawan, khan market, new delhi. wir treffen um 10.00 uhr ein und warten bis 15.00, dazwischen koennen wir ein antragsformular, auch hier mit je einer pass und visakopie, abgeben und unser anliegen in einem 2 minuetigen gespraech erlaeutern. auf meine frage, ob er uns angeben koenne wie lange wir etwa zu warten haetten um etwas essen gehen zu koennen reagiert der zustaendige beamte verstaendnislos und beleidigt mit der antwort, wenn wir etwas von ihnen wollen, koennten wir warten oder wir koennten sonst ja auch gehen, wenn uns das nicht passt. schliesslich kriegen wir doch den besagten brief, bei uns in einem couvert verschlossen und zu bosticht, bei anderen sogar versiegelt. dann koennen wir endlich essen, zurueck ins hotel um kurz zu schlafen. ich erwache zuerst und will ein internet suchen gehen, wo ich die fotos von der digitalkamera brennen kann. schon die suche dauert ewig, hier sind lauter veraltete systeme in gebrauch. dann finde ich endlich was ich suche, doch lassen sich die daten auch in mehreren anlaeufen und neustarten nicht brennen. was fuer ein aerger, die arbeit von 1 stunde weg, dazu anderthalb stunden erfolglose brennversuche und dann die zu recht veraergerte denise suchen. zum glueck bleibt sie nicht lange so haessig und wir koennen das abendessen und das bier mit einer australierin geniessen.

11.11.03
Delhi
wunderschoenes erwachen im sonnigen zimmer. ein kurzer gedanke an die fasnachtseroeffnung um 11 uhr 11 in luzern. das fruehstueck "roof-top" mit aussicht auf die millionenstadt delhi und einem ausgezeichneten milchkaffe und croissant der german bakery lassen gutes erahnen. katze, adler und ein streiiffenhoernchen, das sich von hand fuettern laesst zeigen, dass dehli auch fuer andere tiere als nur kuehe lebensraum bietet. um 10 uhr sind wir auf dem auslaenderbuerau und haendigen unsere briefe aus. nach knapp einer halben stunde haben wir, nach einem auesserst freundlichen gesparaech mit einer indischen angestellten, die grosses interesse an unserer veoloreise zeigte, die visaverlaengerung im pass. ich kann es kaum glauben, dass der ganze visastress der letzten monate ein ende hat, aber es ist so. die fahrt mit der motorickshaw geht gleich weiter zur schweizer botschaft. der fahrer teilt uns mit, dass er fuer den besitzer pro tag 250 rupi bezahlen muss. das ist fuer indische verhaltnisse ein haufen geld. die masterkarte von urs ist eingetroffen. nach einem kurzen gespraech mit herr schmid, darf ich noch ein paar alte NZZ und schweizer illustrierte mitnehmen. new delhi ist ein moderner stadtteil mit breiten alleen. der verkehr ist im vergleich zu anderen grossstaeten noch maessig. zur zeit wird eine metro gebaut. im groessten park der stadt geniessen wir die ruhe und lesen gemuetlich alte neuigkeiten und klatsch. die schweiz scheint fuer einen moment sehr nahe. nach einem indischen essen inmitten des touristenviertels geht urs direkt ins internet und ich mache eine siesta. anschliessend sitzen wir gemeinsam 3 stunden vor dem bildschirm und schreiben tagebuch der letzten 10 tage. wir haben aufgehoert in allen orten einen pc zu suchen, denn wir verbrachten nur unnoetige zeit, weil die systeme zu langsam sind. beim anschliessenden essen stellen wir wiederholt fest, dass die inder mit ihren internationalen speisekarten in den touristischen orten voellig ueberfordert sind. es gibt von mexikanischem, thailaendischem, israelischem essen noch vieles mehr, dafuer schaffen sie es nie, uns gemeisam das essen zu servieren oder nur schon das reis zusammen mit dem gemuese. aber fein war es wieder einmal!

12.11.03
Dehli
die stadt ist uns schon ein bisschen vertraut. heute machen wir das arztzeugnis fuer die schifffahrt. der arzt fuellt das formular aus und fragt uns nur, ob wir hoehr- oder sehprobleme haben und ob wir medikamente einnehmen. leicht verdientes geld. zum glueck wissen wir, dass wir kerngesund sind. anschliessend reservieren wir den zug fuer die rueckfahrt nach shimla. der bahnhof ist ein ameisennest, das reservationsbuero fuer touristen aber recht gut organisiert. anschliessend fahren wir nach new delhi, zum palika basar. waehrend den letzten tagen haben wir bei den fahrten zu den bueros alle wichtigen sehenswuerdigkeiten der stadt gesehen und keine lust auf mehr. urs sucht immer noch ein "retter" fuer das natel und kauft ein neues geraet. wir schlender anschliessend an den alten gebauden die anfang des letzten jahrhundert entstanden vorbei und betrachten die mehrheitlich westliche auslage. die schaufenster sind ziemlich fantasielos. internet, internet, internet, essen und ins bett.