24.11.03
Rishikesh
eigentlich bin ich froh, dass wir noch einen tag verlaengern, aber es graut mir auch vor dem tag. ich habe keine motivation fuer unternehmungen. der morgen vergeht wie im flug. eine grosse lust auf ananas veranlasst uns ein paar hundert meter bis zur einkaufsstrasse zu gehen. der gestank der motorickshaws verstaerkt wiederholt meine uebelkeit, obwohl es mir heute deutlich besser geht. wieder "zu hause" geniessen wir die terasse. urs verzieht sich anschliessend ins internet zum schachspiel. es hat ihn wieder so richtig gepackt.

25.11.03
Rishikesh - Najibabad
rishikesh will uns nicht recht loslassen. mich mental nicht ganz, weil mir in der oase in unserem guesthouse und die ruhe am ganges so gut gefallen, und uns, weil wir im puff im ort nicht auf anhieb den richtigen weg raus finden, das heisst fuer die ersten 10 km fast eine stunde benoetigen. bis haridwar ist entlang der strasse weiterhin chaos, schlechte strasse, abfall und kloaken rechts und links. haridwar selbst sieht interessant aus. es hat kilometerlange gates entlang einem arm des ganges, diverse tempelchen und tempel, schoene bruecken und stege, ein ganz erfreulicher anblick. eingangs ort steht eine riesige shiva statue, shiva ist ein indischer gott und daneben heisst auch mein kater so. von dort sehe ich auch zum ersten mal in der ferne schneeberge, wenig spaeter sind noch mehr zu sehen, insgesamt drei gruppen mit 7600-7900 meter hohen bergen. nach dem ort zweigen wir von der strasse die nach delhi fuehrt ab. die strasse hat wenig verkehr und ist in gutem zustand. wir gleiten durch parkaehnliche gegend. riesige lockere waelder, praktisch unbewohnt. dazwischen hat es schoene maetteli und wasserloecher, darauf weiden kuehe. an so einem ort koennen wir endlich wieder mal ungestoert an der sonne mittagsrast machen. wir treffen wenig vor 16:00 in najibabad ein. weil wir dort ein sehr gutes hotel zu einem guenstigen preis finden und es um halb sechs eh stockfinster ist, bleiebn wir statt wie geplant 20 km weiter zu uebernachten. in der bar trinke ich ein bier und beobachten die maeuse, wie sie ueber den boden und das sofa am naechsten tisch huschen, eine wagt sich sogar aufs sofa neben denise. da ich meine iranische mikrodigitalkamera nicht mehr laden kann, will ich noch die letzten bilder speichern und suche ein internetcafe. die stadt ist stockfinster, alle 50 m hat vielleicht irgendein laden eine petrollampe oder eine energiesparlampe. internet finde ich keines, zurueck im hotel frage ich nach, die auskunft, es gebe keinen computer in dieser stadt scheint mir nach dem ersten augenschein glaubhafter als der erste der sagte "no problem, in 500 m left". die ganze gegend scheint sehr arm und unterentwickelt zu sein, wie wir das auch in indien bis heute nie gesehen haben.

26.11.03
Najibabad - Moradabad
heute nacht wurde uns bewusst, wieso der pfoertner des hotels eine alte flinte traegt, fuer die affenjagd. zuerst wurden sie lautstark und mit stockhieben auf metall vertrieben und als das nicht half, wurde stundenlang geschossen. urs hoerte dem treiben laenger ungewollt zu, ich konnte zum glueck nach dem ersten schrecken wieder einschlafen und erwachte seit laengerer zeit den ersten morgen ohne uebelkeit, bin total gluecklich darob. die ersten km gehen schnell vorwaerts. wir erleben heute ein wichtiges muslimisches fest, das ende des ramadan. wir sind in einer gegend mit einem anteil von ca. 30%-40% muslimen unterwegs. frauen, kinder und maenner sind festlich gekleidet und unterwegs zur moschee. am ende der religioesen feierlichkeiten wird in den doerfern das chaos perfekt. in einer groesseren ortschaft muessen wir auf die sandpiste ausweichen und landen im zentrum mit einer alten pflastersteinstrasse, wie ich sie mir im mitelalter vorstelle. nach langer suche finden wir wieder auf die hauptstrasse, die von bunt geschmueckten staenden mit suessigkeiten gesaumt ist und menschen ist feststimmung. dieses bild wiederholt sich in der folge in allen doerfern. die strasse wird zunehmend schlechter. wer nicht feiert ist bei der zuckerrohrernte. mit allen erdenklichen fuhrwerken und menschentragsystemen auf beiden seiten der strasse wird es unuebersichtlich und sehr gefaehrlich fuer uns. zudem werden die menschen mit tracktoren an die feste gefahren. es ueberrascht nicht, dass wir auf einen motorradunfall stossen. die leblose, verletzte frau wird von ihrem mann wie ein kind aufgehoben und in den bus getragen, der den unfall unmittelbar erlebt hat. ich bin entsetzt, denn niemand klaert wirklich ab, was sie haben koennte. ich erinnere mich an eine aehnliche situation vor ein paar tagen, als eine affenmutter ihr totes kind am strassenrand im arm haelt. die gegend ist wirklich sehr arm und uns wird auch nur schon bei der frage nach einem kuehlen getraenk bewusst, dass die versorgung sehr schlecht ist. eine cola oder aehnliches ist schlicht nicht mehr erhaeltlich und die laeden haben nur noch ein sehr rudimentaeres angebot. wie ist da wohl die medizinische versorgung? muede erreichen wir moradabad. nach einigen ungewollten umwegen landen wir in einem hotel in der naehe des bahnhofs.

27.11.03
Moradabad - Agra
obwohl gestern abend denise in dreiviertel stunde dauernder, nervenaufreibender aktion unser fruehstueck auf 7:00 zu bestellen versuchte, muss ich um 7:15 erst nachfragen gehen, von 7:30 - 7:45 kriegen wir stueckweise auf staendiges reklamieren, was noch alles fehlt, so nach und nach zum teil auch das falsche fruehstueck. dass es auch noch furchtbar schmeckt, passt da leider nur zu gut. denise bestellte als beispiel 1 boiled egg. nach 2 mal nachfragen wo es nun ist, gibts die auskunft, dass es keine gekochten eier gebe, ob sie spiegelei moechte. trotz verneinung kommen 5 min spaeter 2 uralte blaugekochte eier, die zu essen ein zu hohes risiko waere. dabei wollten wir so frueh als irgendwie moeglich weiter, ein hotel gibts vermutlich erst in 150 km wieder. schuettel ruettel geht es weiter, die strasse bessert gar nichts, 5 km ausserhalb des ortes ist die strasse wieder so schlecht wie gestern die schlimmsten abschnitte. um 11:00 nach drei stunden fahrt treffen wir in chandausi ein. bei einem thums up, dem besten cola der welt meiner meinung nach, halten wir krisensitzung.bei diesem tempo wuerden wir unser ziel nie erreichen. das heisst, dass wir auch mindestens 1 oder 2 tage laenger nach agra brauchen und somit koennten wir nicht mehr nach varanasi. dass so radfahren keinen spass, sondern bloss schmerzen macht und obendrein mit den unberechenbaren verkehrsteilnehmern auch gefaehrlich ist, kommt dazu. also entscheiden wir uns schweren herzens hier und nicht vor dem taj mahal unsere eigentliche veloreise zu beenden, nach 1232 km indien und 12099 km gesamtreise. ein klarer und richtiger kopfentscheid, das herz hat dies zu akzeptieren, aber wie kommen wir in das 200 km entfernte agra mit velo und gepaeck? es gibt busse, zuege und autos. den ersten zug verpassen wir, bis wir beide den bahnhof gefunden haben, nachdem wir uns verloren hatten. der naechste faehrt um 23:00 und trifft um 06:00 in agra ein. dies dauert uns viel zu lange, vor allem da es ein passagierzug ist. das heisst keine betten und keine reservationsmoeglichkeit fuer einen sitz, sondern einfach ueberfuellte zuege wo man froh sein kann ueberhaupt noch reinzupassen. mit dem bus ist der gepaeck-, und vor allem der velotransport zu unsicher. also entscheiden wir uns fuer das auto. ein junger inder der uns anspricht was wir wollen, versuchen wir als vermittler zu kriegen. wir beschreiben, dass wir 2 fahrraeder und viel gepaeck transportieren muessen und uns einen pick-up vorstellen. nach 2 stunden faehrt sein freund mit einem 800 suzuki miniauto vor. nach langem diskutieren kommen sie auf die idee, wenigstens mal einen dachtraeger auszuleihen. nach 20 min ist die fuer diese strassen viel zu schwache befestigung des dachtraegers erledigt. mit seilen improvisiert fahren wir weiter. statt in den von ihnen angegebenen 3 stunden sind wir nach ueber 8 h nach mitternacht in agra. zum glueck haben wir im lonely planet ein hotel ausgesucht, das uns auch tatsaechlich passt und platz hat. wir werden zwar aeussest unfreundlich empfangen, fallen aber trotzdem bald in tiefen schlaf, wir sind uns mittlerweile so einiges gewoehnt.

28.11.03
Agra
ausschlafen ist angesagt, ich hoere aber schon frueh die papageien kreischen und schoene vogelstimmen. das fruehstueck im garten ist eine augenweide, baume und gepflegte planzen bluehen, wohin das auge reicht. wir machen einen schlachtplan, was es alles zu erledigen gibt. am bahnhof ein kleiner, mittlerer frust. meine letzte wunschstation, die besichtigung von varanasi rueckt in die ferne. auf dem heiligen fluss ganges woellte ich viele kerzen schwimmen lassen und an liebe menschen gedenken und erinnerungen an meine erste reise nach indien vor 12 jahren mit ursi wachrufen. nun scheint ganz indien, nach dem ende des ramadan, mit dem zug unterwegs zu sein. der bahnhofangestellte ist leider nicht sehr hilfsbereit und nimmt uns jede hoffnung auf ein billet. wir koennen hoechstens auf die wartelieste, wo schon hunderte von inder fuer die naechsten tage warten. sogar die reise nach bombay, wo wir einschiffen, erscheint ein problem. das grosse raten beginnt. als einzige hoffnung wird uns noch ein weiterer bahnhof in agra oder die fahrt nach delhi fuer die reservation angeraten. wir erhalten weiter auf der strasse den unverbindlichen tipp, es in einem reisebureau zu versuchen, die tickets vorkaufen. wenn alles gut geht erhalten wir morgen taetsachlich die fahrkarten von agra nach bombay mit dem einzigen taeglichen zug am 1. dezember. varanasi ist gestorben, es leben die grossstaedte indiens, die wir scheinbar alle laenger gesehen haben muessen. auf einer terasse geniessen wir das spaetnachmittagslicht ueber dem taj mahal.

29.11.03
Agra
wir wollen zum ende unserer eigentlichen veloreise allen die uns in irgendeiner weise unterstuetzt haben und allen die uns nahestehen danken. dazu wollen wir eine karte mit uns auf unseren fahrraedern vor dem taj mahal kreieren. also packen wir unsere sachen und beladen unsere braven velos noch einmal. schon vor dem eingang versuchen die aufseher uns mit unseren fahrraedern zu verscheuchen. denise kaempft gegen den strom alle wind, resp amtsmuehlen an und schafft es bis zum hoechsten verwalter des taj in agra, wird aber von dort nach delhi verwiesen, wo sie unser anliegen vorbringen koenne. also fahren wir ueber knapp 8 km zur rueckseite des taj auf der anderen seite des flusses. die photosession selbst ist inmitten von zuschauenden inder ein erlebnis. dass die rueckseite nicht von der sonne beschienen ist, und wir die bilder gegen das licht machen muessen laesst ungutes erahnen. also fahren wir zurueck ins zentrum und lassen den film entwickeln. weiter geht es auf die suche nach einer druckerei, die uns die karten macht. wir werden bald fuendig, mir macht das geschaeft einen guten eindruck, und dass er das photo als photoshop-bild digitalisiert und gespeichert haben will, zeugt fuer mich auch von qualitaet. also scanne und bearbeite ich in 2 stunden das bild in einem cybercafe, waehrend denise die rueckseite gestaltet. mit fixfertigen auf cd gebrannten vorlagen treffen wir in der druckerei ein. den probedruck, den er sehr grob gerastert macht, gibt mir ein erstes mal zweifel ab dem produkt. er verspricht aber, das werde auf jeden fall besser, "no problem", und scheint unser anliegen zu verstehen. mit dem trost, dass es sonst halt eine echt indische karte wuerde, kehren wir zufrieden ins hotel zurueck.

30.11.03
Agra
frueh tagwach, wir wollen die ersten besucher des taj mahal sein, des schoensten monuments meiner ansicht nach in indien. nicht nur aus aesthetischen gruenden, sondern weil er aus liebe und in erinnerung, von einem herrscher an seine frau, im 17. jh gebaut wurde. bereits vor knapp zwoelf jahren habe ich meinen ersten besuch gemacht, musste aber beim eingang nahe der toiletten von ferne den taj bewundern. damals wurde kein eintritt erhoben. heute ist es ganz anders. die eintrittsgebuehren fuer auslaender gaben in indien viel zu reden. der hoechste preis war einmal 20$. er hat den individual tourismus praktisch flachgelegt und die traveller hotels rund um das monument sind heute in einem erbaermlichen zustand. die stadt wollte die einnahmen fuer die stadtentwicklung einsetzen. wir sehen nichts, riechen aber viel. wir sind nicht die ersten. fuer ca. 16 $ erhalten wir eintritt und werden zwei mal ernsthaft wie am flughafen untersucht. eine banane und mein sackmesser muss ich hinterlegen. um 7 uhr sind wir im gelaende. der anblick des taj ist einmal mehr ueberwaeltigend. er spiegelt sich im morgenlicht im langangelegten wasserbecken. im hauptgebaude, dem mausoleum ist eine eindrueckliche akustik und schlichte arbeiten in den weissen marmor. die riesige anlage ist voll bluehender straucher und baumen. die sonne geht auf. wir geniessen die stimmung.
nach dem fruehstuck erkundigen wir uns am bahnhof, wie der velotransport mit dem zug organisiert ist. da wir keine garantie erhalten, dass die fahrraeder mit uns im gleichen zug nach bambay mitreisen, vereinbaren wir, dass wir sie noch heute am bahnhof abgeben. vorher holen wir mit den vorbereiteten velos die von uns in auftrag gegebenen postkarten ab. als urs nach laengerem warten ein getraenk organisiert, werden die karten gebracht. mich trifft fast der schlag. die karten sind in schlechtester druckqualitaet, wir sind nicht zu erkennen, es hat schmierflecken, der text wurde verrueckt und zum schluss erhielt das ganze einen schwarzen trauerrand. irgendwann erhole ich mich, wir sind ja in indien, aber urs ist fast am verzweifeln und faellt in eine tiefe krise. er hat sich gestern so viel muehe mit der bearbeitung des fotos gemacht, ausschnitt ausgewaehlt, kontraste erhoeht, gepinselt und was noch alles so moeglich ist. wir haben keine zeit fuer weitere gedanken. der trauerrand wurde weggeschnitten und fertig. wir eilen zum bahnhof, da wir eine zeitlimite fuer die velos haben. in umstaendlichster, muehsehligster arbeit vertrauen wir unsere velos den "schluefeli" an. der abschied von unseren stahleseln nach fast 8 monaten faellt uns sehr schwer. wir hoffen sehr, sie in bombay bei unserer ankunft vorzufinden. nach dem kartenfrust gibt es seit langem wieder einmal bier und ich eine kleine flasche rum mit cola. wir muessen die karten immer wieder ansehen, irgendwan koennen wir sogar lachen.