19.10.03
Lahore - Grenze - Amritsar
morgens zum aufstehen hoeren wir ungewohnte, aber doch heimelig vertraute kirchenglocken, in amritsar hat es einige alte englische katholische kirchen. bis wir aus einem hotel raus sind dauert immer laenger, weiss nicht wieso. trotzdem koennen wir in ueberraschender sonntagmorgenruhe gemuetlich aus der stadt. die strasse fuehrt entlang einem kanal durch scheinbar reichere gegenden mit villen und sogar einem vergnuegungspark mit wasseranlagen, 8er bahn etc. nach gemuetlichen 29km stehen wir an der grenze. sofort gelingt es einem buchhaendler an der strasse unsere aufmerksamkeit zu fesseln, wir seien die 2 schweizer aus dem regale internet inn und seien interessiert an deutsprachigen buecher, er haette was fuer uns. es war der latif buchshop mit tatsaechlich sehr gutem angebot an reisefuehrern, karten und literatur in allen sprachen zu sehr guenstigen preisen. wir kaufen einen kleinen indienreisefuehrer auf deutsch, bezahlen etwa 1/3 des preises den man in deutschland dafuer ausgeben wuerde. dann passieren wir zuerst die 3 kontrollen auf pakistanischer seite und dann im hundert meter breiten neutralen uebergangsstueck hat es tribuenen rechts und links entlang der strasse. der grund scheinen die inszenierten oeffnungen und schliessungen der grenze sein, wo sich pakistani und inder die show zu stehlen suchen. auf indischer seite dasselbe retour, polizei, immigrationbuero, zollbuero, polizei. da denise wegen unserer visaverlaengerung laenger mit den immigrationbuerobeamten verhandelt, gehe ich bereits zum zoll. dort wollen sie unsere velos sehen, weil ich muehe habe zu sagen wieviele gepaeckstuecke wir dabei haben. als denise fertig ist kippt sie fast bleich um, weil ihr fahrrad nicht mehr am abgestellten platz ist.
UND DANN SIND WIR NUN DOCH TATSAECHLICH IN INDIEN

unglaublich, aber wahr. 10867km waren es durch schnee, dem meer entlang, durch berge und wueste, 7 kulturen. also nichts wie subito zum ersten restaurant nach 10m und mit einem bier anstossen. puh, 6dl strongbier ist auch zu zweit getrunken zuviel, konzentriert fahren wir eine verkehrsarme strasse in bestem zustand nach amritsar. dort herrscht das perfekte verkehrschaos, inmitten der veloritschaws und super mit gelben schildern markiert, finden wir aber sicher und rasch zum goldenen tempel. in dessen naehe ist das guesthouse sharma, welches wir als unterkunft nehmen. 250 rs (=8Sfr) fuer ein geraeumiges, helles doppelkzimmer mit bad schoen ruhig gegen den hinterhof. abends gehen wir zu einem sikh ins internet, der uns mit allem scharm die ruppies aus der tasche holt. eben, wirklich gute leistung aber zu teuer.

College Amritsar


20.10.03
Amritsar
wir erwachen den ersten morgen in indien, unglaublich aber wahr. mir geht es sehr gut. die gernzueberschreitung gestern war ein bisschen wie ein nach hause kommen. wir befinden uns im punjab, das heisst dem staat der sikhs. es ist fuer mich sehr speziell, in einer nicht stark vom hinduismus gepraegten region in indien zu sein. ich bin gespannt auf den besuch des goldenen tempel, dem heiligtum der sikhs und groesster pilgerort.

Goldtempel Amritsar Goldtempel Amritsar

jeder sikh besucht in seinem leben einmal den tempel. nach dem fruehstueck im zimmer begeben wir uns auf die belebte strasse. die gasse vor dem hotel ist sehr eng, aber es quaelen sich von beiden seiten alle meoglichen fahrzeuge und menschen durch. die velorikshaws sind hier weit verbreitet und in der ueberzahl. das heisst aber nicht, dass es weniger laut ist. die automobilisten pflegen buchstaeblich auf ihrer hupe zu hocken. es hat weniger originelle toene als in pakistan, dafuer sind sie umso penetranter. wenn ich zu hause einen hoehrschaden feststelle, werde ich allen laendern ab rumaenien eine rechnung stellen. wir wohnen nur einige hunder meter vom tempel entfernt. es werden die verschiedensten religioesen gegenstaende und souvenirs angeboten. unter anderem auch gebetstuecher. fuer einmal muessen auch die maenner den kopf bedecken. die sikhs tragen ihren traditionellen turban. ihr glaube verbietet ihnen die kopf- und barthaare zu schneiden, das ein verlust der staerke bedeuten wuerde. buben duerfen ab dem 9. lebensjahr den turban tragen. der goldene tempel ist von einer mauer und verschiedenen gebaeuden umgeben und befindet sich in der mitte eines kuenstlichen teiches, der nektar des ewigen lebens. alle besucher koennen kostenlos in pilgerunterkuenften 3 tage schlafen und essen. vor dem eintritt muessen wir die haende und fuesse waschen. das moderne indien bittet die besucher, "switch off your mobile". mit hunderten von besuchern, (wir sehen nur 2 westliche touristen), schreiten wir durch die riesige anlage. die farbigen turbane und kleider erfreuen das auge, auf dem hintergrund des schlichten weiss der gebaude. viele shiks tragen ihre traditionelle waffe, dolch, saebel oder schwert. wir werden ganz ruhig und freuen uns ueber das hiersein. der glodene tempeln in der mitte des teiches ist reich verziert und ueber einen steg zu erreichen. saenger und musiker die im innern spielen und ueber lautsprecher hoerbar sind, unterstuetzen die mystische stimmung. wir erhalten eine handvoll suessliches getreide nach dem tempelbesuch und setzen uns einige minute in den schatten. von einem aufseher werden wir gebeten die fuesse zu kreuzen, was hier zur regel gehoert. durch eine bazarstrasse der "old city" schlendern wir zum naechsten tempel, dem durgiana tempel der hindus.



er ist aehnlich in der gestaltung, wahrscheinlich durch die entstehung im gleichen jahrundert, um 1600. im tempel werden wir auf ein ritual aufmerksam gemacht, dass innert kuerze erfolgt. mit einem holzhammer schlagen zwei maenner auf ein rundes metall, um die glaubiger oder die goetter zu rufen. die goetterfiguren im tempel werden von priestern verehrt und anschliessend werden wir mit rosenwasser gesegnet. im angrenzenden kleineren durgatempel denken wir an unsere katzen durga und shiva. sie sind uns heute sehr nahe. in der pilgerunterkunft essen wir ein einfaches linsengericht mit chappati. bei der rueckkehr ins hotel riechen wir indien mit allen facetten. ein dauerwechsel von abfall, essen, faekalien, raucherstaebchen, gewuerzen. indien ist einfach indien.

21.10.03
Amritsar
morgens stehe ich auf um erst mal unser fruehstueck zu organisieren, eigentlich brauchen wir bloss noch milch und brot. toastbrot, da die indischen ciabatti nicht gerade das ideale fruehstuecksbrot sind. richtung goldener tempel kriegte denise gestern brot, also probiere es auch in diese richtung. morgens ist der evrkehr noch nicht so ganz unertraeglich, die luft klarer und die pilger und moenche fallen mehr auf. im eingang zum goldenen tempel gibt es eine milchbar, 1. problem geloest. toastbrot aber hat niemand, so bestelle ich doch mal 5 ciabatti. das teigbaellchen wird flachgeklopft und in einer metallschale auf dem gaskocher beidseitig angebacken. anschliessend wird es auf dem schaumloeffel direkt in die gasflamme gehalten, wobei es sich bis zu einer kugel aufblaest. auf dem weg zurueck frage ich noch in einem hotel, das fruehstueck anbietet, nach toastbrot. sie deuten mir mich zu setzen und nach 10 minuten kriege ich in alu verpackt 4 frisch getoastete scheiben fuer 10 ruppies. mehr toast haben sie nicht an lager. das lautstarke spucken, "gruusig chodere" begleitet mich ueberall am morgen, auf der strasse, im hotel, im restaurant, ueberall. und dies nun schon seit pakistan. frisch gestaerkt besteigen wir eine velorickshaw, fuer 50 Rappen werden wir in 20 minuten zu einem richtig modernen komplex in einem sehr modernen stadtteil in der eh recht modernen stadt gefahren. dort aergern wir uns einmal mehr ab dem funktionieren oder eben nicht funktionieren von internet und fax, auch die offensichtlichen anwenderfehler des personals werden uns voll verrechnet. dafuer ist unsere heimreise ein stueck naeher. zur feier gibts im kwality restaurant eine furchtbare pizza. abends besichtigen wir den goldenen tempel bei nacht, 45 minuten sitzen wir still am bassinrand und geben uns der schoenen stimmung mit musik und all den pilger hin. beim nachtessen mit paneer, sie nennens frischkaese, fuer mich schmeckt es wie tofu, komme ich voll auf meine rechnung, nicht zu scharf und exotisch gewuerzt geniesse ich es von herzen.

22.10.03
Amritsar
wir verlaengern unseren aufenthalt um einen tag. waehrend dem fruehstueck beobachten wir streifenhoernchen, die sich im hinterhof der in eine riesige gartenanlage fuehrt, vor unserem fenster aufhalten. sie verstaendigen sich mit schrillem pfeiffen. zum pfeiffen hoeren wir indische musik aus einem ghettoblaster und immer wieder aufrufe zum gebet. viele religionen treffen in indien aufeinander. die islamische zeit ist noch nicht ganz vorbei. wir relaxen, lesen und besuchen das memorial eines massakers durch briten anfang des letzten jahrhunderts. uns interessiert mehr die parkanlage mit den wunderschoenen, bluehenden straucher und baeume und den vogelstimmen. die pilger ruhen sich im schatte der baeume aus. bei anschliessendem bazarbummel bewundern wir den religioesen kitsch, die farbigen papier und leuchtgirlanden und goetterbilder. die fantasie ist grenzenlos. zum grenzueberschritt entschliesst sich urs, sich von seinem drahthaar zu trennen. die letzten monate haben stark zugesetzt. mit einem foto vor der abreise in der tasche, begleitete ich ihn zum coiffeur. am schoensten waere es gewesen, wenn er sich am strassenrand open-air die haare geschnitten haette. 90 % findet an der strasse statt. nachdem das haar mit einem wasserspritzer befeuchtet wurde, ging es los. nach 15 minuten sass der schnitt. resultat: erfreulich. das ganze fuer 20 rupi, ca. 60 rappen. nach einem feinen essen bei einem inder, stellten wir wieder einmal mehr fest, wie gross die preisunterschiede je nach lokal sind. das einfache essen inklusive chappati kostete gerade 1 sfr. eine erleichterung beim einkauf ist die preisangabe auf den produkten. das war seit der tuerkei nicht mehr der fall. im internetcafe macht urs den letzten versuch, mit dem handykabel einer inderin unsere daten zu retten. leider kann er das gewuenschte programm vom internet nicht herunterladen. ein weiterer hoffnungsschimmer ist vorbei.

23.10.03
Amritsar - Patankot
endlich geht es wieder weiter, eine richtige veloetappe steht an. mit tausenden anderer velofahrer machen wir uns aus der stadt. bei einem bahnuebergang schliesst die schranke. autos und cars stauen sich auf beiden seiten des uebergangs auf der geamten strassenbreite. der 2-radverkehr draengelt sich durch die luecken und kriecht unter der schranke durch bis alles verstopft ist und der zug sich naehert. wie durch ein wunder leert sich das geleise, die letzten sind noch innerhalb der schranken, aber werden gerade nur knapp nicht vom zug erfasst. auf der strasse begegnen uns unterschiedlichste motorickshaws, die kleinen piaggio "vespa" stinker, mittelgrosse 4-takter und wie traktoren knatternde diesel und schliesslich grosse urtuemlich aussehende. gut gefallen uns die velowerberickshaws mit riesigen lautsprechern aus denen musik und dazwischen werbesprueche droehnen und mit bunten werbeschriftzuegen verziert. auch wenn die luft besser ist als in lahore stinkt es vom verkehr, urin, abfall und abfallverbrennung, gewerbe und holzfeuer aller art. der himmel ist richtig truebe und dies nicht nur wegen der luftfeuchtigkeit. es hat ueberall leute, ungestoert sein geschaeft verrichten oder gar mittagsschlaf halten ist auch sogenannt ueberland nicht moeglich. alle paar kilometer hat es ortschaften und dazwischen retaurants und haeuser und massenhaft fussgaenger und velofahrer. es hat viel privatverkehr, vor allem motorraeder und da vespas, aber auch viele moderne klein autos. die fluesse werden sichtbar sauberer und schneller fliessend, die berge kuenden sich an. in patankot uebernachten wir im groessten gedraenge im hotel standard, ein sauberer empfehlenswerter ort. sogar notsrom haben sie fuer stromausfaelle, die hier scheinbar an der tagesordnung sind. mit taschenlampe suchen wir ein internetcafe, der einzige lichtschein ist es, auch mit notstrom, wie praktisch fuer uns.

24.10.03
Patankot - 18 km vor Mc Leod Ganj
milchpulver geronnen im caffe, grusig! damit ich zu meinem milchcaffe komme, bleibt mir nichts erspart. seit monaten habe ich einen kampf mit der suche nach frischmilch, 250 ml, uperisiert. in pakistan gab es fast ausschliesslich nur nestle produkte und ich als jahrelange "boykotterin" dieser firma, musste auf vieles verzichten (wasser, butter, milchpulver, caffepulver). urs hat sich total ab mir amuesiert, aber ich blieb meiner linie treu. endlich fand ich ein milchpulver von einer indischen firma, das resultat, grusig!! nachdem ich die kuehe im ort beim abfahren wieder beim abfall zerlesen sah, war mir gar nicht mehr nach milchcaffe. nach gut 20 km ausserhalb der stadt, nachdem wir einen flusslauf entlangfuhren, ging es langsam in die hoehe. das geschrei von hunderten von taubengrossen fledermausen in einer baumlichtung bringt uns zum staunen. spaeter begegnet uns die erste affensippe und immer wieder flattern die wunderschoensten schmettelinge um uns. die vegetation ist ueppig. wir sind in der nachmonsunzeit. nach dem mittagessen werden wir zuerst von einer kleinen kuhherde verjagt und anschliessend von einem bauer, der sein feld, auf dem wir schlafen, bewaessern will. die strasse wird immer enger und "schitterer". wir quetschen uns mit anderen fahrzeugen um die riesigen loecher. die hinweistafel, " we like you, but not your speed" haelt sie nicht von ihrem tempo ab. heute kommt es mir vor, als ob wir alle flusslaufe, die vom himalaya hinunter fuehren, begruessen muessen. es geht dauernd auf und ab, die gegend wird immer dichter besiedelt. die leute leben vorwiegend von der landwirtschaft, reisanbau und milchwirtschaft und dem kleingewerbe, wie z.b. moebelschreinerei. immer wieder hat es kleine hindutempel und wir treffen auf pilger. vor dem grossen aufstieg von weiteren 1000 hoehenmetern, ueberzeugt uns das hotel midway inne zu halten. ein ueberwaeltigender anblick offenbart sich uns, die berge des himalayas zwischen 4000 und 5000 muem. der angrenzende tempel mit der monotonen musik berieselt uns, waehrend wir den luxus im zimmer zu essen, geniessen.

25.10.03
18 km vor Mc Leod Ganj - Mc Leod Ganj
wir fahren ueber die zunehmend schmaler und schlechter werdende strasse permanent sehr steil ueber dharamsala nach mc leod ganj. je hoeher, desto besser gefaellt es mir. so etwas wie ein bergbach, riesige kiefernwaelder mit gras dazwischen und frische gute luft. auch die sonst alles plattwalzenden busse sind hier nicht mehr so schnell, gehupt wird auch viel weniger. nach fast 3 stunden stehen wir unvermittelt mitten auf dem dorfplatz. der ort ist gar nichts schoenes, aber sehr belebt und ein kultureller schmelztiegel. christliche ueberreste aus der kolonialzeit, dutzende von westlichen reisenden, indische hindutempel und glaeubige und natuerlich die dominierende tibetische kultur mit ihrer bhuddistischen religion. hier ist der sitz des dalai lama und seiner exil regierung. so kann man hier hunderte von kursen(yoga, meditation, shiatsu, massagen, sprachen, kochen) besuchen und speisen aus aller welt sind hier erhaeltlich und deren zubereitung in kochkursen erlernbar.